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Kalte Zeiten, heiße Konflikte

Hohe Kosten bringen den deutschen Energiemarkt in Schieflage - gefährlich für Industrie und Verbraucher. Die Politik reagiert mit fragwürdigen Maßnahmen.

Von Thomas Straubhaar

Rekordtiefe Temperaturen, eisige Winde. Die Kälte hat Deutschland fest im Griff. Und es soll noch schlimmer werden, behaupten zumindest Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning in ihrem heute erscheinenden Buch "Die kalte Sonne". Die Sonne sei in eine längerfristige, strahlungsarme Phase getreten. Deshalb, so Vahrenholt und Lüning, irre der Weltklimarat, und die Klimadebatte müsse neu geführt werden. Die Erderwärmung komme seit über zehn Jahren zum Stillstand. Es werde also nicht wärmer, sondern kälter. Mehr noch: Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass eine Eiszeit mit bitterkalten Wintern zurückkehrt.

Man mag von Vahrenholts und Lünings Thesen halten, was man will. Sicher aber passt das Bild der kühler werdenden Sonne zum gegenwärtig arktischen Wetter. Die Behauptung, dass es kälter und nicht wärmer wird, ist aber auch eine Warnung. Energieversorgung, -kosten und -preise sind nicht in Stein gemeißelte Gesetzmäßigkeiten. Sie verlaufen keinesfalls so problem- und reibungslos, wie das in Zeiten hektisch erklärter Energiewenden und aufgeregter Klimadebatten oft behauptet wird. Denn nicht nur tiefe Temperaturen führen zu weiter steigenden Heizkosten. Es sind eine Reihe weiterer Faktoren, die die Energiepreise nach oben treiben.

Diese Faktoren treiben Energiekosten in die Höhe

Da sind zuallererst die Meldungen aus Moskau, dass der russische Staatskonzern Gazprom seine Gaslieferungen nach Deutschland gedrosselt hat. Als Folge der Rekordkälte benötigen die Russen das Gas selber. Zwar sind die deutschen Speicherkapazitäten riesig, und mit Norwegen und Holland stehen Alternativen bereit. Dennoch dürfte der Rückgang russischer Liferungen den Druck auf die Energiepreise verstärken.

Mehr Sorgen machen die politischen Entwicklungen im Nahen Osten. Die Toten von Port Said und Homs verdeutlichen auf dramatische Weise, wie explosiv die Lage in der für Europas Energieversorgung so fundamental wichtigen Region ist. Syrien und Ägypten sind aber nur die Spitze eines arabischen Eisberges, der rasch zum europäischen Energie-Engpass führen könnte. Bedrohlicher sind die wachsenden Spannungen mit dem Iran. Dass die EU ab Juli 2012 ein Öl-Embargo gegenüber dem Iran beschlossen hat, ist das eine. Dass der Iran, der nach Russland die zweitgrößten Erdgas- und die drittgrößten Erdölreserven besitzt, daraufhin dem Westen Vergeltung angedroht und eine Sperrung der für die europäische Energieversorgung zentrale Straße von Hormus ins Spiel gebracht hat, ist das andere. Zusammen zeigen sie eines: Die Welt findet sich in einer Zeit kalter (politischer) Temperaturen und heißer Konflikte um die Macht über Öl und Gas im Nahen Osten.

Vor allem aber sind es langfristige Trends, die heute schon und in Zukunft noch vermehrt Energie teu(r)er machen. Dafür sorgt die Bevölkerungsentwicklung in Asien, Lateinamerika und Afrika. In diesem Teil der Welt wird die Zahl Energie nachfragender Menschen noch lange weiter stark steigen. Und weil die Masse der Menschen im Süden und Osten heutzutage unverändert vergleichsweise arm ist und gegenüber dem Westen eine deutlich geringere Pro-Kopf-Nachfrage nach Energie aufweist, werden Aufholprozesse die Preise nach oben treiben.

Ökologisch fragwürdig, ökonomisch unsinnig

Somit zeigt sich eines sehr klar: Ganz egal, ob es nun die kälter werdende Sonne, der Klimawandel oder die Energiewende ist, die Energiepreise werden noch lange hoch sein und eher steigen als sinken. Damit aber gerät das magische Dreieck der deutschen Energiepolitik in Schieflage. Es fordert, gleichermaßen die Versorgungssicherheit, die ökologische Verträglichkeit sowie die Wirtschaftlichkeit zu berücksichtigen. Wenn jedoch die Bezahlbarkeit von Energie fraglich wird, sind die Probleme vorgezeichnet. Das gilt nicht nur für die hiesige Industrie, deren Lebenselixier die Energie ist. Es gilt auch für die Gesellschaft, deren Lebensqualität genauso von der Verfügbarkeit günstiger Energie fürs Heizen, Kochen, Beleuchten und Reisen abhängt.

Viele Maßnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien und Eingriffe zur Steuerung des Energiekonsums bleiben ökologisch fragwürdig und ökonomisch unsinnig. Zu oft ist gut gemeint noch lange nicht gut gemacht. Eine ökonomisch falsche (Subventions-)Politik führt zu teurer Verschwendung und unnötigen Kosten. Schlimmer noch: Es kommt zu Verwerfungen, Umgehungen, ungewollten Ergebnissen und im Endeffekt gerade zum Gegenteil dessen, was man durch politische Maßnahmen ökologisch erreichen wollte.

Gerade in kalten Tagen sind kühle Köpfe gut beraten, schneller und intensiver darüber nachdenken, wie das magische Dreieck der deutschen Energiepolitik wieder zurechtgerückt werden kann. Dabei sollte nicht nur, sondern muss die Ökonomie wieder eine stärkere Rolle spielen. So dass tatsächlich sichergestellt wird, dass auch künftig in kalten Tagen Wärme für alle bezahlbar bleibt.

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