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Der Fall Holger Härter

Einst wurde er als Superhirn gefeiert, jetzt steht er vor Gericht: Ex-Porschefinanzchef Holger Härter wird Kreditbetrug bei der geplatzen VW-Übernahme vorgeworfen. Er will erstmals umfassend aussagen.

Von Heimo Fischer

  Seine Milliardenspiele bei Porsche endeten mit einem steilen Absturz: Der frühere Finanzchef des Sportwagenbauers Holger Härter.

Seine Milliardenspiele bei Porsche endeten mit einem steilen Absturz: Der frühere Finanzchef des Sportwagenbauers Holger Härter.

  • Heimo Fischer

Das Eigenheim von Holger Härter und seiner Familie liegt am Ende einer Wohnstraße in Bietigheim-Bissingen. Hinter baumhohen Hecken versteckt sich das Gebäude. Ist er da? "Nein, Herr Härter ist nicht zu sprechen", lautet die Antwort aus dem Haus. Verständlich. Auch wenige Tage vor seinem Prozess schweigt der Ex-Finanzvorstand von Porsche - so wie er es drei Jahre lang gemacht hat. Erst jetzt wird er Stellung nehmen. Um neun Uhr begann sein Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht. Härter ist angeklagt wegen Kreditbetrugs.

Der Prozess wird einen der spektakulärsten Machtkämpfe der deutschen Firmengeschichte aufarbeiten. Bis zum Jahr 2009 hatte der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking versucht, den viel größeren VW-Konzern zu schlucken. Dank eines von Härter erdachten, ausgeklügelten Systems von Aktienoptionen wäre das fast gelungen.

Doch in der Krise scheiterte der Plan, Porsche rutschte an der Pleite vorbei und gehört nun zum VW-Konzern. Die Staatsanwaltschaft schaltete sich ein und prüfte die Vorwürfe der Untreue und Marktmanipulation. Dabei fielen ihr Dokumente auf, in denen es um die Verhandlung eines Kredits mit der französischen Bank BNP im März 2009 ging. Härter und zwei Mitarbeiter sollen den Liquiditätsbedarf von Porsche um 1,4 Milliarden Euro zu niedrig angegeben haben. Das wäre Kreditbetrug - auch wenn niemand geschädigt wurde.

"Er glaubt nicht, dass die Klage erfolgreich sein kann"

Das Thema ist kompliziert. Verbale Ausrutscher können ernste Folgen haben. Deshalb spricht Härter auch im privaten Kreis ungern über den Prozess. In seinem Wohnort Bietigheim-Bissingen glauben viele ohnehin, dass er unschuldig ist. Als ehrlich und loyal beschreiben ihn Wegbegleiter. Dass die Staatsanwaltschaft ganz anders über Härter denkt, verstehen sie nicht, und der Angeklagte offenbar ebenso wenig: "Er glaubt nicht, dass die Klage erfolgreich sein kann", heißt es in Härters Umfeld.

Für den ehemaligen Spitzenmanager geht es um mehr als nur einen Freispruch. Er kämpft vor Gericht auch um Glaubwürdigkeit, Ansehen und seine berufliche Zukunft. Egal, wie der Prozess endet, jeder Konzern wird es sich künftig zweimal überlegen, den einst als Superhirn gefeierten Finanzfachmann als Manager zu rekrutieren. Zu kühn waren seine Milliardenspiele bei Porsche und zu steil der Absturz.

Doch der 56-Jährige will nicht in den Ruhestand. Anders als sein vier Jahre älterer Freund und Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking, der als Privatier zufrieden scheint, macht Härter keinen Hehl daraus, dass er noch mal in eine Chefetage will.

"Die Nähe zur Öffentlichkeit sucht er nicht"

Derzeit sind es bodenständigere Aufgaben, die er übernimmt. Bei wohlhabenden Privatkunden seien seine Dienste gefragt. Härter arbeite nebenbei als Vermögensverwalter, heißt es. "Die Nähe zur Öffentlichkeit sucht er aber nicht." Stattdessen hält sich Härter gern in seinem neuen Anwesen am Tegernsee auf, er pendelt aber auch regelmäßig nach Bietigheim-Bissingen. Dort, in dem Städtchen vor den Toren Stuttgart, wird er noch immer bei Luigi's, dem Edelitaliener am Marktplatz, gesehen. Auch gegenüber, in der Gastwirtschaft Friedrich von Schiller, früher eine Art inoffizielle Schaltzentrale von Porsche, soll er manchmal zu Gast sein.

Sein Haus ist nicht nur Wohnstatt, sondern auch Sitz seiner Beteiligungsfirma HPH, einer GmbH mit 2 Millionen Euro Stammkapital. Ihre Stränge verlieren sich im Handelsregister schnell in Anteilen an weiteren Gesellschaften, zu denen Beratungsfirmen und eine Vermögensverwaltung gehören. Ein Geflecht, das allerdings nicht so kompliziert erscheint wie das System der Optionen, mit denen Härter einst den Volkswagenkonzern übernehmen wollte.

"Er wird die Vorwürfe strikt zurückweisen"

Er hat während seiner Zeit bei Porsche gut verdient, gehörte zu den bestbezahlten Finanzvorständen der Republik. Als er vor drei Jahren gehen musste, erhielt er allein 12,5 Millionen Euro Abfindung. Vermögen legte er seit jeher an, kaufte auch Beteiligungen an feinen, kleinen Firmen. An der bayerischen Whiskybrennerei Slyrs am Schliersee, über deren Entwicklung er im Freundeskreis schwärmt, hält er zehn Prozent.

Teilhaber ist Härter auch an der Firma des Hamburger Stararchitekten Hadi Teherani, von der er 7,5 Prozent besitzt. Angeblich kam der Kontakt über Norbert Lehmann zustande, den ehemaligen IBM-Manager, mit dem Härter befreundet ist. Hin und wieder sehen sich Härter und Hadi Teherani im Gesellschafterkreis oder telefonieren.

In den vergangenen Wochen hat sich Härter weniger um private Geschäfte gekümmert, sondern auf den Prozess vorbereitet. Womöglich wird er nicht nur die Fragen von Staatsanwalt und Richter beantworten, sondern auch eine Erklärung abgeben. Härter werde auf jeden Fall dezidiert Stellung nehmen, sagt Verteidigerin Anne Wehnert von der Düsseldorfer Kanzlei TDWE. Das genaue Vorgehen ist geheim. Nur so viel: "Er wird die Vorwürfe strikt zurückweisen."

FTD

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