Diebe haben bei Mittelständlern leichtes Spiel

27. November 2012, 15:10 Uhr

Untreue, Unterschlagung und Datendiebstahl bescheren deutschen Firmen jährlich Milliardenverluste. Dennoch unterschätzen gerade mittelständische Unternehmen die Gefahren.

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Büromaterialien werden in vielen Unternehmen gestohlen - der größte Schaden entsteht Firmen aber durch Untreue und Unterschlagung©

Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland unterschätzen die Gefahren der Wirtschaftskriminalität. Zu diesem Schluss kommt eine in Frankfurt vorgestellte Studie der Beratungsgesellschaft KPMG. Danach schätzen 83 Prozent der 300 befragten Mittelständler die Gefahr für das eigene Unternehmen als gering bis sehr gering ein. Zudem hielten 81 Prozent ihre Schutzmechanismen für ausreichend, obwohl jedes vierte Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren selbst Opfer von Wirtschaftskriminellen gewesen ist.

Die bestehende Vertrauenskultur in den inhaber- und familiengeführten Unternehmen führe dazu, dass grundlegende Kontrollmechanismen wie Funktionstrennung oder das Vieraugenprinzip sträflich vernachlässigt würden, erklärte der KPMG-Wirtschaftsprüfer Frank Weller. Es entwickelten sich häufig gerade jene Mitarbeiter zur Gefahr, auf die man besonders vertraue. In jedem zweiten Fall kämen die Täter aus den eigenen Reihen. Zuverlässige Kontrollmechanismen seien nicht weit genug verbreitet, so dass immer noch rund die Hälfte der Fälle nur durch Zufall bekannt werde.

Große Unternehmen sind sich der Risiken bewusster

Auf Grundlage der Umfrage geht die KPMG von einem weitgehend unveränderten jährlichen Gesamtschaden von rund 20 Milliarden Euro in Deutschland aus. Einfache Diebstähle in Handelsunternehmen und von Büromaterialien wie auch langfristige Reputationskosten seien darin nicht enthalten. Größte Gefahrenquelle für mittlere wie auch große Unternehmen sind demnach Diebstahl, Unterschlagung, Betrug oder Untreue. Erst danach kommen Delikte wie Datendiebstahl, Verletzung von Schutz- und Urheberrechten oder Korruption.

Jedes Jahr würden knapp 675.000 wirtschaftskriminelle Delikte begangen, schätzt KPMG. Der Schaden liege im Schnitt bei mehr als 300.000 Euro je betroffenem Unternehmen oder bei 30.000 Euro je Fall. Großbetriebe trügen dabei ein weit höheres Risiko als die kleinen und mittleren Unternehmen.

Die Großen seien sich aber auch der tatsächlichen Risiken sehr viel genauer bewusst als die Kleinen. Diese fürchteten sich vor allem vor externen Datendieben und Produktpiraten. Tatsächlich würden sie aber häufig durch eigene Mitarbeiter geschädigt. Deutlich rückläufig sind in der Wahrnehmung der Firmen die Korruptionsdelikte.

Die Täter kommen aus dem Management

Datendiebstahl sei allerdings wirklich das Zukunftsthema der Wirtschaftskriminalität schlechthin, meinte der KPMG-Präventionsexperte Frank Hülsberg. Die komplexen IT-Systeme böten zahlreiche Angriffspunkte für interne und externe Täter. Auch hier gebe es noch keine ausreichende Präventionskultur insbesondere bei den kleineren Unternehmen.

KPMG befragte 300 mittelständische und 32 der größten 100 Unternehmen in Deutschland. Bei den großen Unternehmen kommt demnach gut die Hälfte der Täter aus dem Management: Der typische Täter sei oft lange im Unternehmen und in der Hierarchie relativ weit oben. Er kenne die Prozesse genau und könne Kontrollmechanismen daher leichter umgehen.

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