Die spektakulärsten Fälle

12. August 2002, 15:43 Uhr

Illegale Machenschaften an der Börse, Scheingeschäfte von Unternehmen oder kriminelle Transaktionen brrachten den Neuen Markt Anfang 2000 in Verruf. haben auch die deutschen Aktionäre aufgeschreckt.

Und immer waren Anleger die Dummen©

Illegale Machenschaften an der Börse, Scheingeschäfte von Unternehmen oder kriminelle Transaktionen haben nicht nur Aktionäre in Deutschland aufgeschreckt und für Schlagzeilen gesorgt. In den vergangenen Jahren wurden Milliarden-Schwindel mit gefälschten Bilanzen oder anderen Betrügereien bekannt. Eine Zusammenstellung herausragender Fälle in Deutschland:

FlowTex

Nach dem größten Wirtschaftsbetrug im Nachkriegsdeutschland werden im Dezember 2001 die Hauptgesellschafter der FlowTex Technologie GmbH & Co. KG für Bohrsysteme, Manfred Schmider und Klaus Kleiser, zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Bei Scheingeschäften mit 3.000 nicht vorhandenen Bohrsystemen entstand ein Schaden von rund zwei Milliarden Euro. Gegen Ex-Firmen-Chef Schmider verhängt die Kammer eine Strafe von 12 Jahren, sein Ex-Kompagnon Kleiser erhält 9 Jahre und 6 Monate. In einem zweiten Verfahren werden Schmiders Bruder Matthias und ein Geschäftspartner zu mehrjährigen Strafen verurteilt. Die Ermittlungen zu dem groß angelegten Schwindel sind noch nicht abgeschlossen.

Jürgen Schneider

Der Frankfurter Bauunternehmer Jürgen Schneider erschwindelt sich für den Kauf und die Sanierung hochwertiger Bauten bei zahlreichen Banken überhöhte Kredite. Im April 1994 bricht sein Imperium zusammen, die Schulden belaufen sich auf 5,4 Milliarden Mark. Nach dem Verkauf der meisten Immobilien ist noch immer ein Betrag von 2,4 Milliarden Mark offen. Schneider wird Ende 1997 wegen Betrugs zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Seit Weihnachten 1999 ist er wieder auf freiem Fuß. Die kleinen Handwerksbetriebe, die für ihn gearbeitet hatten, blieben der Konkursverwaltung zufolge auf Forderungen von rund 300 Millionen Mark sitzen.

Mr. Kimble

Illegale Millionengewinne an der Börse: Ende Mai 2002 wurde eine der einst schillerndsten Figuren der New Economy, Kim Schmitz alias "Kimble", zur einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt - wegen Insiderhandels. Zudem wurde eine Geldbuße von 100.000 Euro verhängt. Der ehemalige Computer-Hacker Schmitz kaufte unter Ausnutzung interner Informationen Aktien des "Internet-Warenhauses" Letsbuyit.com und erzielte so Millionengewinne, urteilte das Gericht.

ComRoad

Im Verdacht krimineller Machenschaften auf dem Parkett standen eine ganze Reihe anderer Manager und Unternehmen. So hatte der Telematik-Anbieter ComROAD fast seinen gesamten Jahresumsatz 2001 über eine offensichtlich nicht existierende Firma in Hongkong gefälscht. Gründer und Vorstandschef Bodo Schnabel wanderte in Haft.

Phenomedia + EM.TV

Der Moorhuhn-Erfinder und Spieleentwickler Phenomedia hatte an seinen Bilanzen geschraubt. Zwei rasch gefeuerte Vorstandsmitglieder hatten den Vorwurf des Insiderhandels gestanden und wanderten hinter Gitter. Auch der Gründer des angeschlagenen Medienunternehmens EM.TV, Thomas Haffa und sein Bruder Florian, standen im Verdacht illegaler Machenschaften. EM.TV hatte für das Jahr 2000 hohe Gewinne versprochen, erzielte jedoch ein Milliarden-Defizit. Der Aktienkurs rutschte von über 110 Euro ins Bodenlose und lag zuletzt bei gut einem Euro. Im Jahr 2003 wurden beide zu hohen Geldstrafen verurteilt. Das Gericht ging davon aus, dass beide wussten, dass ihre veröffentlichten Geschäftszahlen falsch waren. Von ihrem Vermögen leben beide immer noch prächtig.

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