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Hohe Gehälter müssen nicht sein

Diejenigen, die in der Debatte um zu hohe Gehälter für Manager am lautesten "Skandal" schreien, müssen endlich handeln - meint unser Kolumnist Thomas Straubhaar.

  Zu hohe Managergehälter? Betriebswirtschaftliche Gründe gibt es dafür nicht

Zu hohe Managergehälter? Betriebswirtschaftliche Gründe gibt es dafür nicht

Am Sonntag besiegte Roger Federer im Finale des Tennisturniers von Indian Wells nach exakt 82 Minuten John Isner. Dafür erhielt Federer eine Million US-Dollar, Isner die Hälfte. War Federers Leistung wirklich doppelt so viel Wert wie Isners? Alleine als Preisgeld erspielte sich Federer im Laufe seiner langjährigen Karriere insgesamt rund 70 Millionen US-Dollar. Viel Geld und trotzdem weniger als Tiger Woods in seinen besten Zeiten als Golfer in einem Jahr verdient hat.

Wieso eigentlich regt sich kaum jemand über die unglaublichen Einkommen von Spitzensportlern, Hollywood-Filmschauspielern, Rocksängern und Superstars auf? Und vor allem darüber, dass sie so dramatisch höhere Preis- und Antrittsgelder oder Gagen einstreichen als die vergleichsweise kaum weniger gut spielenden, singenden oder aussehenden unmittelbaren Konkurrenten. Während ein Bruce Springsteen pro Jahr rund 70 Millionen US-Dollar einspielt, kämpfen unendlich viele brillante Musiker ums nackte Überleben und wären mit einem Tausendstel des Springsteen'schen Einkommens überglücklich. Kein moralisierender Aufschrei, der da nach mehr Gerechtigkeit ruft.

Keine mikroökonomischen Gründe für hohe Gehälter

Ganz anders geht es bei den Managergehältern zur Sache. Da verdient der VW-Chef Martin Winterkorn 17,4 Millionen Euro und schon schreien viele "Skandal" und melden sich prominente deutsche Stimmen, die Gehälter "jenseits der zehn Millionen Euro für sozial unerträglich halten". Damit eines klar ist: Es gibt keine mikroökonomischen Gründe, wieso einzelne deutsche Manager so dramatisch gut bezahlt sind. Weder sind fähige Spitzenkräfte so knapp, noch sind die Leistungen der Manager so überragend besser als jene der nächsten Führungsebenen, dass ein Mehrfaches der Gehälter gegenüber anderen Mitarbeiter(innen) betriebswirtschaftlich gerechtfertigt wäre.

Und auch die Aktionäre haben letztlich wenig Grund, die Vorstände über Gebühr zu belohnen. Als Josef Ackermann im Mai 2002 an die Spitze der Deutschen Bank aufrückte, kostete die Aktie 68 Euro, heute ist sie weniger als 40 Euro wert. Kein Aktionär kann da verstehen, wieso und wozu da überhaupt noch irgendwelche Boni ausgeschüttet werden.

Abwanderungswelle deutscher Manager? Von wegen!

Unglaubwürdig ist das Argument, Spitzenvorstände müssten auch in Deutschland so gut verdienen, wie das in USA der Fall sei. Ansonsten drohten die Manager Deutschland zu verlassen und nach USA zu gehen. Fakt ist jedoch, dass auf der Ebene der Top-Manager die deutschen mit den ausländischen Arbeitsmärkten in der Realität nicht so verwoben sind. Damit ist es für Deutsche nicht so einfach, andernorts an die Spitze aufzurücken. Während auf mittleren und unteren Führungsebenen in der Tat eine Globalisierung der Konkurrenz stattgefunden hat, tun sich deutsche Führungskräfte im Top-Management amerikanischer Firmen vergleichsweise schwer. Und selbst wenn vermehrt deutsche Vorstände als Folge einer gefühlten Unterbezahlung das Land verlassen sollten, würde Deutschland deswegen nicht zu einer Manager-Wüste verkommen. Denn es gibt keinen empirischen Beleg dafür, dass flüchtende Vorstände nicht mehr oder weniger problemlos durch nachrückende Kollegen ersetzbar wären.

Schließlich gibt es keine Rechtfertigung dafür, wieso Manager, die nur Angestellte und nicht Eigentümer sind, "Wahnsinnsgagen" erhalten sollen. Sie tragen nur das Risiko des Arbeitsplatz- nicht jedoch des Kapitalverlusts. Für Manager müsste genauso wie für die übrige Belegschaft das Gesetz von Angebot und Nachfrage gelten. Und es gibt wenig Zweifel daran, dass ein Gleichgewicht bei weit weniger als 17 Millionen liegen muss.

Eine Folge der Deutschland AG

Zusammengefasst lassen sich die zu hohen Gehälter deutscher Top-Manager nicht betriebswirtschaftlich legitimieren. Sie sind vielmehr das Ergebnis verschiedener parallel laufender Partikularinteressen. Sie haben etwas mit Aufsichtsräten zu tun, die offenbar lieber die Interessen der Vorstände als der Eigentümer vertreten. Da zeigen sich die Folgen einer wohl immer noch existierenden Deutschland AG. So sind Vorstände aus großen deutschen Firmen oft gleichzeitig auch Aufsichtsräte in anderen deutschen Unternehmen. Damit setzen sie durch ihr Verhalten als Aufsichtsrat bei der Firma X auch den Standard für ihre eigene Entlöhnung im Unternehmen Y. Das muss zu insgesamt zu hohen Vorstandsgehältern führen.

Hohe Managergehälter können auch für institutionelle Anleger eine einfache Sache sein. Wer nur an kurzfristigen Steigerungen des Börsenwertes interessiert ist, hinterfragt in der Regel nicht, wie nachhaltig ein Unternehmen aufgestellt ist. Und schließlich ist möglich, dass zu hohe Gehälter auch das Ergebnis einer Klüngelei von Vorständen und Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat zu Lasten der Eigentümer sind. Wenn das Management neue Jobs schafft und die Belegschaften am Erfolg der Firma teilhaben lässt, wird es schwierig, den Vorständen Bonuszahlungen zu verweigern. Dann geben die Einen eher den Anderen, was sie selber zu erhalten hoffen.

Kontrolle muss verbessert werden

Wenn Eigentümer oder Belegschaften erst ihren Managern zu hohe Gehälter zugestehen, sollten sie nicht danach mit der Moralkeule in der Öffentlichkeit für Empörung sorgen. Dann ist es ihr Geld, das sie leichtfertig verspielen. Und wenn sie das nicht wollen, dann müssen sie ihre Kontroll- und Aufsichtspflichten ernsthafter verfolgen. Es gibt eben nicht nur Unternehmen, die schlecht geführt, sondern auch welche, die schlecht kontrolliert werden. Das gilt es zu korrigieren.

Zunächst einmal sollten Aufsichtsräte nach Kompetenz ausgesucht werden. Es spricht nichts dagegen, dass "Aufsichtsrat" ein Vollberuf für Spezialisten wird. Dann müssten Aufsichtsräte die Rechtmäßigkeit, die Seriosität und auch die Redlichkeit des Verhaltens der Unternehmensleitungen überprüfen.

Aktionäre dürfen nicht nur nach steigenden Kursen gieren, sondern müssen auch die Entlöhnung des Managements hinterfragen. Halten sie die Vorstandsgehälter für zu hoch, müssen sie diesen Sachverhalt auf der Mitgliederversammlung korrigieren. Bleiben sie ohne Erfolg, sollen sie die Aktie verkaufen. Besonders scheinheilig wirkt es deshalb, wenn ausgerechnet Vertreter von Pensionsfonds über zu hohe Managergehälter schimpfen. Kein Mensch zwingt sie, die Aktien von Firmen zu halten, die ihre Vorstände zu hoch bezahlen. Im Gegenteil: eigentlich müssten die Rentner(innen) ihre Vermögensverwalter in die Wüste schicken, weil sie offensichtlich zu hohe Managergehälter tolerieren.

Wer es wirklich will, kann etwas ändern

Nimmt man das alles zusammen, zeigt sich eines: viel Scheinheiligkeit. Wer zu hohe Managergehälter "obszön", "unangemessen" oder "unanständig" hält, hat als Privatperson mehr als genug Stellschrauben, um zu reagieren. Eine öffentliche Moralkeule verschleiert hier nur, wer wirklich verantwortlich ist. Denn die zu hohen Gehälter sind nicht von den Vorständen im Alleingang und hinter dem Rücken von Eigentümern und Belegschaften angeordnet worden. Vielmehr wurden sie von paritätisch besetzten Aufsichtsräten beschlossen. Damit besteht für eine Korrektur auch kein öffentlich-rechtliches, sondern - wenn überhaupt - ein privat-rechtliches Handlungsbedürfnis.

Von Thomas Straubhaar

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