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Die Milliarden-Geschäfte der berüchtigten Samwer-Brüder

Die deutschen Samwer-Brüder gelten als die dreistesten Ideenklauer im Internet. Geschäftsideen aus den USA werden einfach kopiert. Ein ZDF-Beitrag zeigt die zweifelhaften Methoden der Zalando-Macher.

Von Daniel Bakir

  Oliver Samwer, der umstrittene deutsche Internetstar, hat erstmals ein TV-Interview gegeben

Oliver Samwer, der umstrittene deutsche Internetstar, hat erstmals ein TV-Interview gegeben

Oliver Samwer und seine Brüder Marc und Alexander sind nicht ganz so berühmt wie Facebook-Gründer Marc Zuckerberg. Im Silicon Valley aber sind sie mindestens ebenso berüchtigt. Denn reich geworden ist das deutsche Trio, weil sie amerikanische Geschäftsideen so perfekt klauen können wie niemand sonst. Hunderte Unternehmen haben die Samwers in den vergangenen 15 Jahren mitgegründet oder finanziell gefördert. Alles fing an mit dem deutschen Ebay-Klon Alando, den sie nach wenigen Monaten für viele Millionen an Ebay selbst verkauften. Dann nervten uns die Samwers mit ihren Jamba-Klingeltönen. Heute mischen die Internetunternehmer unter anderem bei Zalando, Westwing, Home24 und Wimdu mit.

Das ZDF wirft in seiner Sendung "Frontal21" am Dienstagabend einen äußerst kritischen Blick auf den Aufstieg der schillernden Internetunternehmer. Die Autoren schauen hinter die Kulissen von Rocket Internet, der Firma, über die die Samwers mehr als 70 Start-Ups steuern. Und es ist dem ZDF-Team sogar gelungen, erstmals Oliver Samwer selbst für ein Interview vor die Kamera zu bekommen.

Der Kopierkönig kommt dabei allerdings gar nicht gut weg. Während Oliver Samwer krampfhaft bemüht ist, zu erklären, wie hoch er "deutsche Tugenden" wie Fleiß, Mut und Bescheidenheit hänge, haut ihm "Frontal21" die komplette Riege seiner Kritiker um die Ohren. Leute aus der Startup-Szene des Silicon Valley erklären, wie die Samwer-Methoden den guten Ruf deutscher Unternehmer zerstören, StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani erinnert sich, wie er beim Verkauf von StudiVZ über den Tisch gezogen wurde und ein türkischer Unternehmer erzählt, wie Samwer-Firmen versucht hätten, sich seiner Kundendaten zu bemächtigen.

Geschenke für Blogger und staatliche Subventionen

Zu altbekannten Vorwürfen hat Frontal21, gemeinsam mit der Wirtschaftswoche, weitere dubiose Methoden recherchiert: So verteilt Zalando unter Fashion-Bloggern systematisch Geschenke mit der Hoffnung auf positive Berichte. Zudem greift der Schuhversender, der Millionen in seine aggressive Werbestrategie investiert, den Recherchen zufolge in erheblichem Maße Subventionen ab: Mit insgesamt 35 Millionen Euro haben der Bund und die Länder Berlin, Brandenburg und Thüringen das Schrei-vor-Glück-Unternehmen in den vergangenen Jahren unterstützt. Schließlich schafft das Unternehmen auch Arbeitsplätze.

Andererseits nehmen es die Samwers mit der Heimatverbundenheit nicht immer so genau. Mehr als 100 Samwer-Ableger sind den Recherchen zufolge in Luxemburg registriert. Weitere in Steueroasen wie dem US-Bundesstaat Delaware. Oliver Samwer, der sich in einer öffentlich gewordenen Mail einmal als "aggressivsten Mann im Internet" bezeichnete und seine Mitarbeiter wörtlich zum "Blitzkrieg" gegen die Konkurrenz aufrief, antwortet auf die Vorwürfe erstaunlich zaghaft. "Wir arbeiten jeden Tag 18 Stunden und deshalb gewinnen wir", ist einer seiner wenigen starken Sätze im Interview.

Die meisten Samwer-Beteiligungen - wie Zalando, das Online-Möbelhaus Home24, Westwing oder der Airbnb-Klon Wimdu - schreiben Verluste. Ziel ist es allein, die Firmen schnell so groß zu machen, dass sie den Markt beherrschen oder vom Marktführer für einen hohen Preis geschluckt werden. Rocket Internet, die Firma unter deren Dach die Samwers ihre Beteiligungen groß machen, soll vermutlich demnächst an der Börse viel Geld erlösen. Multimillionäre sind die umstrittensten deutschen Internetstars aber jetzt schon.

"Die große Samwer-Show - Die Milliardengeschäfte der Zalando-Boys" läuft am Dienstag, 26.8., um 21 Uhr im ZDF

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