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So beurteilen 220 Top-Ökonomen Merkels Flüchtlingspolitik

Bringen die vielen Flüchtlinge wirtschaftlich mehr Vor- oder Nachteile? Brauchen wir höhere Steuern, um deren Unterhalt zu finanzieren? Das ifo-Institut hat 220 deutsche Wirtschaftsprofessoren um ihre Meinung gefragt - und kontroverse Antworten bekommen.

  Syrische Flüchtlinge auf dem Weg nach Deutschland 

Syrische Flüchtlinge auf dem Weg nach Deutschland 

Was der Flüchtlingszustrom für die Wirtschaftskraft des Landes bedeutet - darüber gibt es in Deutschland sehr unterschiedliche Ansichten. Während die einen hoffen, die Neuankömmlinge könnten das Nachwuchsproblem vieler Unternehmen lösen, fürchten die anderen hohe Belastungen der Sozialsysteme.

Selbst unter Top-Ökonomen ist das Thema höchst umstritten. So steht der Präsident des ifo-Instituts Hans-Werner Sinn auf der Seite der Skeptiker, während sein Kollege Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die finanziellen Belastungen entspannt sieht

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und das ifo-Institut haben nun das bisher umfangreichste Meinungsbild deutscher Ökonomen eingeholt. 220 Wirtschaftsprofessoren gaben in der Umfrage ihre Einschätzung zur Flüchtlingskrise ab. Eine relative Mehrheit sieht den Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland demnach kritisch: 40 Prozent der Befragten erwarten, dass die derzeit ankommenden Asylbewerber eher wirtschaftliche Nachteile für das Land bringen. 23 Prozent sehen eher Vorteile, der Rest bewertet Vor- und Nachteile ausgeglichen.


Streitpunkt Mindestlohn

Bei der Frage, wie Asylbewerber mit niedriger Qualifikation in den Arbeitsmarkt integriert werden sollten, sind die VWL-Professoren gespalten. 56 Prozent halten es laut der Umfrage für notwendig, den Mindestlohn für diese  abzusenken, 37 Prozent lehnen das ab. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass eine Mehrheit der Befragten die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns generell als Fehler betrachtet.

Weitgehend einig sind sich die Ökonomen, dass die Zuwanderungsströme besser kontrolliert werden müssen. Drei von vier Befragten fordern eine bessere Sicherung der Außengrenzen des Schengen-Raums. Gleichzeitig warnen sie laut "FAZ" davor, auch nur temporär nationale Grenzen im Schengen-Raum zu schließen. Das würde hohe Kosten verursachen.

Und wie sollen die Kosten für Unterbringung, Versorgung und Betreuung der Flüchtlinge finanziert werden?  Die meistgenannte Lösung ist: Neuverschuldung. 45 Prozent der Professoren wollen neue Schulden machen. 36 Prozent würden die Steuern erhöhen. Weitere beliebte Optionen: Reduzierung internationaler Zahlungen (24 Prozent), Anhebung des Renteneintrittsalters (22 Prozent) und Kürzung der Sozialausgaben (21 Prozent).

Positiver als die deutsche Flüchtlingspolitik beurteilen die Experten - zumindest aus ökonomischer Sicht - die Einwanderungspolitik der USA, Kanadas und Australiens. Die angelsächsischen Einwanderungsländer selektieren insgesamt deutlich stärker nach beruflicher Qualifikation, während das im deutschen Asylrecht keine Rolle spielt.

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