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Wie billig kann Benzin eigentlich werden?

Der Ölpreis fällt und fällt - kostet die Tankfüllung bald so viel wie ein Brötchen? Leider nein, denn die Steuern bleiben trotzdem hoch. So billig kann Benzin theoretisch werden.

Tankstelle

Die Benzinpreise sind gefallen, aber nicht annähernd so stark wie der Ölpreis

Öl ist derzeit so wenig wert, dass selbst folgende Meldung zwischenzeitlich für möglich gehalten wurde: Wer Rohlöl kauft, muss nichts bezahlen, sondern bekommt sogar noch Geld oben drauf! Das ging aus einer Preisliste der Raffineriegruppe Flint Hills Resources hervor, in der die Ölsorte North Dakota Sour mit minus 0,50 Dollar ausgewiesen wurde. Zwar korrigierte die Firma kurz darauf den Wert auf plus 1,50 Dollar. Aber 1,50 Dollar für ein Fass Öl (159 Liter) sind immer noch ein lächerlicher Preis. Zumal die gleiche Sorte im Juni noch bis zu 47 Dollar gekostet hatte.

Ganz so tief wie das qualitativ schlechte Billigöl aus North Dakota sind die Sorten Brent und WTI nicht gefallen. Aber auch die beiden wichtigsten Referenzsorten sind abgestürzt - auf unter 30 Dollar je Fass. Und die Talfahrt dürfte weitergehen: Wegen eines weltweiten Überangebots erwarten Experten einen Absturz auf 20 Dollar oder sogar noch tiefer.

Wie billig wird Benzin für Autofahrer?

Autofahrer reiben sich angesichts dieser Entwicklung die Hände. Der Liter Superbenzin kostet an der Tankstelle aktuell 1,20 Euro oder weniger, Diesel liegt bei 90 Cent. Die Frage ist: Wie tief kann der Preis noch sinken? Kostet die Tankfüllung bald weniger als das belegte Brötchen im Tankstellenshop? Braucht man für den Gang an die Zapfsäule weniger Münzgeld als für den Fahrkartenautomaten der U-Bahn?

Allzu kühne Hoffnungen sollten Autofahrer lieber nicht hegen. Denn: Selbst wenn der Ölpreis sich noch einmal halbieren sollte, der Benzinpreis kann es nicht. Schließlich macht der Preis für den Rohstoff nur einen kleinen Teil des Benzinpreises an der Tankstelle aus. Und je kleiner dieser Teil wird, desto stärker fallen anteilig die übrigen Kostenblöcke ins Gewicht.

Energiesteuer ist immer gleich

Bevor Sie also beim nächsten Tankvorgang den Tankwart anraunzen, warum er den niedrigeren Ölpreis nicht vollumfänglich an seine Kunden weitergibt, sollten Sie sich folgendes vor Augen führen: Der mit Abstand größte Kostenblock ist die Steuer.

So liegt die Energiesteuer für Benzin inklusive Ökosteuer fix bei 65,4 Cent je Liter. Ganz egal, ob ein Fass Öl gerade 100 oder zehn Euro kostet. Bei Diesel sind es 47,04 Cent je Liter. Dazu kommt, dass die Mehrwertsteuer von 19 Prozent bei Kraftstoffen nicht nur auf den Wert der Ware, sondern auch auf die Energiesteuer erhoben wird. Selbst wenn Shell und BP für ihr Benzin an der Tankstelle null Euro berechnen würden, fielen für den Verbraucher also rund 78 Cent Steuern je Liter an.

Rechnet man nun noch ein, dass die Mineralölkonzerne Fixkosten wie Verarbeitung und Transport haben, die selbst dann anfallen, wenn Öl gar nichts kosten würde, liegt die natürliche Untergrenze für den Benzinpreis deutlich über den 78 Cent. Experten sehen daher nicht nicht mehr allzu viel Spielraum nach unten. "Wenn der Ölpreis fällt, wird auch der Benzinpreis sinken", sagt Jürgen Albrecht vom ADAC. "Das Potential ist aber vergleichsweise gering." 

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