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Schluss mit Preis-Abzocke im Netz: Minister will schärfere Gesetze

Findige Online-Shops variieren bei den Preisen - je nachdem mit welchem Gerät, Browser oder von welchem Wohnort aus im Netz eingekauft wird. Der NRW-Verbraucherschutzminister will gegen diese Praxis vorgehen - und Gesetze verschärfen.

  Unterschiedliche Preise, je nach Wohnort, Browser oder Endgerät: Der NRW-Verbraucherminister sagt Dynamic Pricing den Kampf an.

Unterschiedliche Preise, je nach Wohnort, Browser oder Endgerät: Der NRW-Verbraucherminister sagt Dynamic Pricing den Kampf an.

Morgens haben Sie am PC gesessen und nach günstigen Reiseschnäppchen gesucht. Abends nehmen Sie das Tablet zur Hand - und plötzlich soll der Spaß fast doppelt so viel kosten? Ist die Nachfrage gestiegen? Das Kerosin teurer geworden? Für Kunden ist die Preisgestaltung im Netz vollkommen intransparent. Und das ist auch gewollt, denn mit sich ständig verändernden Preisen machen Onlineshops gute Geschäfte. Ein Minister aus Nordrhein-Westfalen will diese Praxis jetzt stoppen.

Onlineshops setzen auf individuelle Preise

Das sogenannte "Dynamic Pricing" ist Verbraucherschützern schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Wie genau die Preisgestaltung der Onlinehändler funktioniert, will keiner von ihnen erklären. Klar ist: Nicht alle Kunden bekommen die gleichen Preise angezeigt. Mal spielt die Browserwahl eine Rolle, mal das Endgerät - und manchmal hängt das Angebot vom Wohnort des Kunden ab. Wie die Sendung "Marktcheck" vom "SWR" bereits im Herbst 2015 herausfand, fließen noch weitere Faktoren bei dem Algorithmus hinter dem Dynamic Pricing mit ein: Kundencharakteristika, Einkaufsverhalten, Wettbewerbssituation, Zahlungsbereitschaft - und sogar das Wetter spielen eine Rolle bei der Preisgestaltung.

Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister  Johannes Remmel (Grüne) will mit strengeren Gesetzen gegen diese Praxis vorgehen. Er will schärfere Gesetze gegen die individuellen Preise im Netz prüfen lassen. "Wir müssen solche Praktiken verhindern, bevor sie sich weiter ausbreiten", sagte Remmel den Zeitungen der Funke Mediengruppe. 

Preisänderungen im Netz

Individuelle Preise sind nicht illegal, aber ein Kundenärgernis. So zeigten die Prüfungen des "SWR", dass sich der Preis einer Kamera bei Amazon an einem Tag 275 Mal verändert hatte. Der Marketingexperte Martin Fassnacht von der WHO - Otto Beisheim School of Management geht davon aus, dass auch Browser und Endgeräte Einfluss auf den Preis haben. "Es wird angenommen, dass je nach Zugangsgerät ein unterschiedlich hohes Einkommen vorliegt. Beispielsweise wird von Appleprodukt-Nutzern angenommen, dass sie über ein höheres Einkommen verfügen. Wenn diese also im Internet browsen, kann es sein, dass Händler von ihnen einen höheren Preis verlangen", sagte er dem "SWR". Amazon sagte dem stern, dass das Unternehmen die eigene Preisgestaltung nicht kommentiere würde. Allerdings weist der Onlinehändler die Anschuldigung des "SWR" zurück, dass die genutzten Endgeräte des User Einfluss auf den Preis hätten. 

Onlineshops wehren sich

Der Präsident des Bundesverbandes Onlinehandel, Oliver Prothmann, wies die Kritik zurück. "Ich sehe keine Notwendigkeit für die Politik einzugreifen", sagte er "DPA". Dynamische Preise habe es im Handel schon immer gegeben. "Das Besondere am Onlinehandel ist, dass wir eine extreme Transparenz haben", so Prothmann.

So seien etwa beim Einkauf von Elektronik-Produkten oft stündliche Preisänderungen zu beobachten. Von einer Individualisierung der Preise könne zudem auch der Kunde profitieren, wenn ihm dadurch etwa die Möglichkeit zum Handeln eröffnet werde. Es könne jedoch Sinn machen, gegen möglichen Missbrauch bei der Preisbildung vorzugehen.

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