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Wird Schokolade künftig zum Luxus-Produkt?

Schlechte Nachrichten für Naschkatzen: Schokolade ist deutlich teurer geworden. Denn weltweit steigt die Nachfrage nach Schokolade - und das bei deutlich höheren Rohstoffpreisen, so die Hersteller. Aber ganz richtig ist das nicht.

Schokolade wird teurer

Rohstoffe sind teurer: Preise für Schokolade ziehen an. 

Im Online-Shop von Ritter Sport sieht es noch gut aus: Dort bezahlen Kunden noch 95 Cent für eine Tafel Schokolade. Doch die magische Schwelle von einem Euro für 100 Gramm Schokolade wird immer öfter überschritten. Für eine Tafel Milka-Schokolade zahlen Kunden inzwischen in Supermärkten schon fast 1,10 Euro. Experten erwarten, dass 2016 einige Hersteller ihre Preise deutlich nach oben korrigieren werden.

Dass die Kosten für Kakaobohnen steigen würden, ist schon seit einigen Jahren bekannt. Trockenheit hat der Kakaoernte zugesetzt. dazu kommt die enorme Nachfrage nach Schokolade in den Schwellenländern. Sich Schoko-Produkte zu kaufen, ist in China oder Indien ein Statussymbol der zunehmend wachsenden Mittelschicht. Das Resultat: Auch in Deutschland steigen die Schoko-Preise. So zumindest äußert sich der Geschäftsführer des Süßwarenhandelsverbandes Sweets Global Network, Hans Strohmaier, gegenüber der "Deutschen Presse Agentur". Doch die gestiegenen Rohstoffpreise sind nur ein Teil der Wahrheit.

China hat Appetit auf Schokolade

Schon 2015 stieg der Schokoladenpreis um rund fünf Prozent. Dennoch griffen Verbraucher weiterhin zu. Rund neun Kilo Schokolade isst jeder Deutsche pro Jahr. Auch in den Jahren zuvor war der Verbrauch stabil. Doch die Nachfrage in den Schwellenländern - vor allem in China - lässt nun die Schokolade teurer werden. Seit 2009 hat sich dort der Schoko-Konsum verdoppelt. Allerdings auf bislang niedrigem Niveau: Rein statistisch isst jeder Chinese nur 200 Gramm Schokolade im Jahr. Laut dem Marktforschungsunternehmen Euromonitor könnte in China 2019 Schokolade für 3,7 Milliarden Dollar verkauft werden.

Mais statt Kakao

Dieser Hunger auf Schokolade trifft auf erschwerte Produktionsbedingungen. In Westafrika, vor allem in Ghana und an der Elfenbeinküste, werden rund 70 Prozent des weltweiten Kakaos angebaut. Und diese Region hat zunehmend mit Dürre und einem schweren Pilzbefall der Kakaopflanze zu kämpfen. Laut der "Washington Post" habe man dort angefangen statt Kakao Mais anzubauen, da die Pflanzen deutlich widerstandsfähiger seien. Damit sinkt die Produktionsfläche für Kakao - und somit auch der Ertrag. Und das bei steigender Nachfrage. Darüber hinaus habe auch die Ebola-Epidemie Einfluss auf die gestiegenen Preise. Aktuell kostet eine Tonne Kakao an der Londoner Terminbörse mehr als 2100 Pfund (2800 Euro). Anfang 2013 waren es rund 1400 Pfund (1870 Euro).

Doch China und Dürre sind nicht die einzigen Gründe für die Verteuerung. Auch das Geschäft der Spekulanten an den Rohstoffbörsen treibt den Preis nach oben. Hedgefondsmanager setzen auf Kakao im Depot. Sie wetten darauf, dass die Ernten nicht ausreichen - und verteuern so den Kakao durch Spekulationsgeschäfte. Auch eine künstliche Verknappung des Kakaos auf dem Weltmarkt hat den Preis in der Vergangenheit nach oben getrieben.

Handel treibt den Preis für Schokolade

Doch laut dem Schoko-Blog "Chclt.net" ist nicht der Kakao der Preistreiber, sondern der Handel selbst. Zwischenhändler, Marketing, Filialen - all das kostet Geld. Und je teurer eine Tafel Schokolade ist, desto höher sind die Ausgaben für den Handel. Vor allem, wenn das Produkt Bio-Zutaten enthält oder fair trade ist - diese zusätzlichen Infos müssen vermittelt werden. Und das kostet Geld.


Bei Schokolade aus dem Discounter liegt der Kostenanteil für Kakao geschätzt bei rund 24 Prozent, bei Supermarkt-Schoki bei rund 20 Prozent und bei Premium-Schokolade wird 14 Prozent des Kaufpreises für Kakao benötigt. Zum Vergleich: Der Kostenanteil des Handels beträgt laut Schätzungen bei Discounter-Schokolade 27 Prozent, beim Supermarkt 36 Prozent und bei der Premium-Schokolade sogar 43 Prozent. Bei Luxus- und Spezialitätenprodukten landet die Hälfte des Kaufpreises beim Handel, so der Schoko-Blog.

kg
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