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In diesem Weltkriegs-Bunker lagert das Gold der Zukunft

Ein Frankfurter Rohstoffhändler bietet seinen Kunden eine besondere Geldanlage: Er kauft wertvolle Metalle und Seltene Erden in China und lagert diese tonnenweise in einem renovierten Bunker ein. Der stern hat sich das Hochsicherheitslager angesehen.

Rohstoffhändler Matthias Rüth in seinem Bunker in Frankfurt. In mehreren solcher Lagerräume stapeln sich auf insgesamt 1400 Quadratmetern mehr als 100 Tonnen Technologiemetalle und Seltene Erden.

Rohstoffhändler Matthias Rüth in seinem Bunker in Frankfurt. In mehreren solcher Lagerräume stapeln sich auf insgesamt 1400 Quadratmetern mehr als 100 Tonnen Technologiemetalle und Seltene Erden.

Unter Gallium, Indium oder Germanium können sich wohl nur die wenigsten etwas vorstellen. Dabei hat jeder von uns etwas davon zu Hause: Die seltenen Metalle stecken in Smartphones, Notebooks oder Flachbildfernsehern. Meistens sind sie nur in ganz kleinen Mengen enthalten, aber ohne sie würden all unsere schönen Hightech-Dinge nicht funktionieren. Da immer mehr Menschen auf der Welt solche Geräte haben wollen, sehen manche in den metallenen Spezialzutaten schon das Gold der Zukunft. Denn ebenso wie bei Gold sind die Vorkommen endlich.

Der Frankfurter Rohstoffhändler Matthias Rüth jedenfalls ist überzeugt davon, dass die Preise steigen werden. Seit zwei Jahrzehnten handelt seine Firma Tradium mit sogenannten Technologiemetallen und Seltenen Erden. Rüth kauft die Rohstoffe direkt im Herkunftsland ein - vor allem in China, das in vielen Fällen als Monopolist auftritt - und verkauft sie in Deutschland vorrangig an Industriekunden weiter. Benötigt werden sie in Elektroautos, LEDs oder als Quecksilberersatz in Thermometern.

Als die Chinesen vor einigen Jahren den Export Seltener Erden begrenzten und die Preise in die Höhe schossen, kam Rüth auf die Idee mit dem Bunker. Denn auf einmal wollten nicht mehr nur Firmen die Rohstoffe für ihre Produktion haben. Auch Privatleute fragten nach, ob sie nicht einige der Wundermetalle als erwerben könnten. So wie sich manche eben auch Goldbarren ins Bankschließfach legen.

Metallbarren hinter Stahlbetonmauern: Zu Besuch im Rohstoff-Bunker
Matthias Rüth erstand den Bunker aus dem zweiten Weltkrieg im Jahr 2010 und sanierte ihn aufwendig. Er bietet eine Lagerfläche von 1400 Quadratmetern

Matthias Rüth erstand den Bunker aus dem zweiten Weltkrieg im Jahr 2010 und sanierte ihn aufwendig. Er bietet eine Lagerfläche von 1400 Quadratmetern

Bunker ersteigert und aufwendig saniert

Rüth freute sich über die Anfragen, doch sie stellten ihn auch vor logistische Probleme. Auf seinem kleinen Firmengelände fehlte der Platz, um dauerhaft palettenweise Technologiemetalle einzulagern. Die Lösung kam ihm, als die Stadt Frankfurt im Jahr 2010 einen alten Weltkriegsbunker zur Zwangsversteigerung gab. Rüth erwarb das heruntergekommene Objekt im Frankfurter Osten und rüstete es zum modernen Hochsicherheitslager um, mit Alarmanlage und tonnenschwerer Tresortür am Eingang. Insgesamt steckte Rüth mehr als eine Million Euro in seinen Bunker.

Zwei Meter dicke Stahlbetonmauern umschließen nun 1400 Quadratmeter Lagerfläche auf drei Etagen. Seit 2013 können Kunden hier ihre Schätzchen in Fässern und Kisten einlagern. In den nackten Bunkerräumen reihen sich unter Neonbeleuchtung Paletten von Gallium, Indium, Germanium, Rhenium oder Hafnium aneinander. Auch Seltene Erden wie Neodym sind in den Beständen. Die meisten Paletten sind noch in Plastik verpackt, so wie sie aus angeliefert worden sind. Welche Palette wieviel wert ist, kann der Laie nicht erkennen.

Insgesamt liegen mehr als 100 Tonnen Industriemetalle und Seltene Erden im zweistelligen Millionenwert in dem Bunker. Vor einigen Jahren war das Metall-Arsenal sogar noch deutlich mehr wert. Doch seitdem die Chinesen die Exportbeschränkungen wieder gelockert haben, sind die Rohstoffpreise im Keller. Daher liegen die Metalle auch seit der Einlagerung weitgehend unangetastet im Bunker. Ein Verkauf wäre für Rüths Kunden derzeit mit hohen Verlusten behaftet.

Kunden investierten sechsstellige Beträge

Die Kunden von Tradium haben sehr unterschiedlich viel investiert. Es gibt Einkaufsgemeinschaften, bei denen jeder 25 Euro über einen Sparbrief dazu gegeben hat und es gibt Einzelinvestoren, die Metalle für einen sechsstelligen Betrag gebunkert haben. "Der durchschnittliche Kunde hat für einen fünfstelligen Betrag investiert", sagt Rüth. Dass die Preise für seine Schätzchen so stark gefallen sind, sei kurzfristig ärgerlich, langfristig aber eine Chance. Wer gerade jetzt zugreift, hat besonders viel Luft nach oben, argumentiert Rüth. "Alle sprechen immer von antizyklischem Investieren, aber keiner macht es", hadert der 53-Jährige.

Wer bei Tradium direkt kaufen will, muss allerdings für mindestens 50.000 Euro investieren, externe Vertriebspartner vermitteln auch Technologie-Metalle für kleinere Beträge. Die von Tradium erhobene Lagergebühr im Bunker liegt bei zwei Prozent des Warenwertes. Wenn jemand seine Metallbestände wieder loswerden will, kann er entweder selbst einen Käufer suchen oder das den Experten von Tradium überlassen. Einen für Privatkunden transparenten Markt mit vielen Käufern wie bei Gold und Silber gibt es allerdings nicht.

Als Hauptstandbein der Altersvorsorge ist der Metallkauf nicht zu empfehlen, zu unsicher ist die Entwicklung auf den Rohstoffmärkten. "Natürlich ist das Spekulation", sagt auch Rüth und fügt hinzu: "Bitte keinen Kredit dafür aufnehmen." Der Metallkauf richte sich vielmehr an Menschen, die schon in verschiedene andere Anlageklassen investiert haben und nun noch nach einer Möglichkeit suchen, ihr Portfolio abzurunden. Und natürlich eignet sich die Geschichte vom eigenen Rohstoff-Depot im Weltkriegsbunker auch hervorragend als Party-Gesprächsthema.

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