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Wie sich Städte verzweifelt gegen Onlinehändler stemmen

Das Internet setzt kleineren Händlern schwer zu - bis 2020 droht rund 45.000 Geschäften in Deutschland das Aus. Um nicht als Geisterstadt zu enden, bemühen sich die Städte um Online-Strategien. Mit mittelmäßigem Erfolg.

  Eine Fußgängerzone in Wuppertal.

Eine Fußgängerzone in Wuppertal.

Der Online-Handel boomt. Und die Einkaufsstraßen vor allem in kleinen und mittleren Städten leiden darunter. Denn immer weniger Kunden machen sich noch auf den Weg in die Innenstädte.
Bei einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Textilwirtschaft (BTE) im mittelständische Modefachhandel bezeichneten 69 Prozent der befragten Händler die rückläufige Kundenfrequenz als ihre größte Sorge.

Schon warnt die Fachzeitschrift "Textilwirtschaft" vor dem "Horrorszenario Geisterstadt". Nach einer Schätzung des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln droht rund 45.000 Sportartikelhändlern, Spielwarenläden, Boutiquen und Elektronikgeschäften in Deutschland bis 2020 das Aus.

Wuppertal gegen Amazon und Co.

Doch immer mehr Kommunen versuchen, sich gegen das allmähliche Sterben ihrer Innenstädte zu wehren und das Internet mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Vorreiter war Wuppertal, das den lokalen Händlern mit dem Projekt "onlineCity Wuppertal" (OCW) schon seit 2014 die Möglichkeit bietet, mit einem gemeinsamen Internetauftritt um Kunden zu werben. Es ist eine Art lokaler Einkaufsstraße im World Wide Web, die Amazon und Co. die Stirn bieten soll.

Und Wuppertal ist nicht allein. Das niedersächsische Wolfenbüttel, das nordrhein-westfälische Attendorn und das baden-württembergische Göppingen sind inzwischen dem Beispiel gefolgt. Und auch Dortmund und Heilbronn werden in Kürze eine virtuelle Einkaufsstraße für lokale Händler eröffnen, wie Roman Heimbold vom Start-up Atalanda berichtet, das die Marktplätze im Hintergrund managt.

Online-Marktplätze sind keine Lösung

Die Erfolgschancen der Online-Marktplätze sind allerdings umstritten.
Der E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein ist skeptisch: "Der Versuch, durch lokale Online-Marktplätze die Innenstädte zu beleben, wird nicht funktionieren. Stadtväter, die das glauben, haben eine rosarote Brille auf und ignorieren die Realität."

Zu klein und zu unattraktiv sei das Angebot auf den lokalen Seiten, meint er. "Es wird eine Handvoll Idealisten geben, die lokal im Internet nach Angeboten suchen, um die Händler in der eigenen Stadt zu unterstützen, aber für die überwiegende Mehrheit ist das kein Thema."

Online-Kuchen verteilen

Ziel von Online-Projekten müsse es in erster Linie sein, die lokalen Händler an das Internet heranzuführen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, ein Stück vom Online-Kuchen abzubekommen. Dabei sei es egal, ob die Bestellungen aus der Heimatstadt oder aus dem Ausland kämen, meint Heinemann. Vielversprechender als ein Alleingang wie in Wuppertal oder Attendorn sei deshalb eine Zusammenarbeit mit einem der etablierten Online-Riesen.

Mit seinem Institut eWeb Research Center ist Heinemann maßgeblich am Pilotprojekt "Mönchengladbach bei Ebay" beteiligt, das im Oktober 2015 startete. Bereits in den ersten 100 Tage hätten die 70 teilnehmenden Händler mehr als 32 000 Artikel verkauft und damit einen Umsatz von mehr als einer Million Euro erzielt, berichtet er.

Nur 39 Bestellungen in Wuppertal

Das ist eine ganz andere Dimension als in Wuppertal. Dort gingen bei den 60 beteiligten Händlern im vergangenen Dezember trotz Weihnachtszeit gerade einmal 39 Online-Bestellungen ein, wie OCW-Projektleiterin Christiane ten Eicken einräumt. Doch für die Wuppertalerin ist die Zahl der Bestellungen gar nicht so entscheidend. "Es geht nicht nur um die Online-Bestellungen. Es geht darum, den Kunden klarzumachen, dass in der eigenen Stadt ein breites Angebot vorhanden ist, das mit Amazon konkurrieren kann."

Auch Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH), sieht das ähnlich. "Ein lokaler Online-Marktplatz ist kein Selbstläufer", meint der Experte. "Aber er kann den Läden vor Ort helfen, mit Informationen zur Warenverfügbarkeit und Reservierungsmöglichkeiten ihre Sichtbarkeit und ihre Attraktivität zu steigern und zusätzliche Kunden in die Läden zu locken."

Allerdings seien die Hürden hoch, betont er. Denn vor Ort müsse dann auch ein richtig gutes Einkaufserlebnis geboten werden. "Jedes Konzept, das nicht brutal an den Bedürfnissen des Kunden orientiert ist, wird nicht funktionieren."

kg/DPA
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