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Lampen-Hersteller dürfen beim Stromverbrauch tricksen - sagt die EU

Hersteller von Leuchten dürfen den Stromverbrauch auf der Verpackung deutlich niedriger ausweisen, als er tatsächlich ist. Möglich macht das eine Gesetzeslücke, die der EU bekannt ist. Und die sie beibehalten will.

  Hersteller von Leuchten dürfen beim Verbrauch ihrer Produkte schummeln.

Hersteller von Leuchten dürfen beim Verbrauch ihrer Produkte schummeln.

Lampen-Hersteller haben längst erkannt, dass der Stromverbrauch ihrer Leuchten unschlagbare Argumente für einen Kauf bieten. Und so werben sie mit enormem Einsparpotenzial und immer höheren Energieeffizienzklassen. Doch offenbar stimmen die Angaben auf der Verpackung von Lampen und LED oft gar nicht. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, tricksen die Hersteller vorsätzlich bei den Angaben. Möglich mache dies ein Schlupfloch, dass der EU seit Jahren bekannt sei, so die Zeitung. Doch die EU will offenbar nicht gegen die Praxis vorgehen, sondern klammert die Hersteller explizit aus strengeren Vorgaben aus. Für die Kunden bedeutet die Trickserei höhere Energiekosten.

Der "Süddeutschen Zeitung" liegt ein Papier der Welthandelsorganisation vor, in dem Leuchten-Hersteller von schärferen Regeln bei der Messtoleranz ausgenommen werden. Und das hat einen erschreckenden Grund: Viele Lampen müssten bei strengeren Kontrollen direkt vom Markt genommen werden. Die Lampen seien so ineffizient, dass sie bei den derzeitigen Vorgaben gar nicht verkauft werden dürften, berichtet die Zeitung.


EU: Schummeln beim Energieverbrauch

Bislang gibt es eine akzeptierte Fehlertoleranz bei den Messdaten. Dass diese aber so groß ist, dass Stromschlucker zu Energiesparern deklariert werden, zwingt die EU eigentlich zum Handeln. Doch die Behörde scheint wenig Eile dabei zu haben. Bereits seit 2011 weiß die EU-Kommission, dass eine ganze Branche dieses Schlupfloch ausnutzt. Die schwammige Vorgaben der EU ermöglicht den Herstellern ein kreative Auslegung der Messtoleranz. 

Bis zu zwei Milliarden Euro Mehrkosten

Dieser schlampige Umgang hat nun Auswirkungen: Wie der Umwelt-Dachverband EEB schätzt, könnte die EU die gesteckten Stromsparziele bis 2020 um 10,2 Terawatt-Stunden pro Jahr verfehlen. Durch eine Zehn-Watt-LED, so rechnet die "Welt" vor, entstünden durch den zusätzlichen Stromverbrauch Mehrkosten von rund 30 Cent pro Jahr. Doch europaweit läppert sich das. Jeder EU-Bürger komme auf vier Euro Extra-Kosten, so die EEB. Insgesamt entstehen durch die Energie-Trickserei Mehrkosten von zwei Milliarden Euro, so die "Welt". 


LED-Siegeszug ist ungebremst

Verbraucherschützer sind entsetzt, dass die Leuchten-Hersteller weiterhin von den schärferen Richtlinien ausgenommen werden sollen. "Es ist nicht zu rechtfertigen, dass die Lampen-Hersteller aus der Verantwortung genommen werden", sagte ein Sprecher des Europäischen Verbraucherverbands BEUC der "Süddeutschen Zeitung". Verbraucher trauen offenbar den Angaben der Hersteller. Der niedrige Stromverbrauch der LED hat sicherlich zum Erfolg des Leuchtmittels beigetragen.

Zwischen 2007 und 2013 legten LED in Europa ein Umsatzwachstum von 497 Prozent hin. Der Anteil der Innenbeleuchtung liegt bei 40 Prozent, berichtet die "Elektrowirtschaft". Im Jahr 2020 werden die Europäer rund 14 Milliarden Euro für LED-Leuchten ausgeben, schätzt die Unternehmensberatung McKinsey in einer Studie


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