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Wie wir in Zukunft unsere Lebensmittel einkaufen

Die Discounter räumen Markenware in die Regale, Supermärkte tüfteln an Liefermethoden und Onlineshops verkaufen Lebensmittel: Die Art, wie wir einkaufen, erlebt eine Revolution. Der Wochenendeinkauf scheint ein Auslaufmodell.

  Deutschlands Supermärkte rüsten sich für die Zukunft.

Deutschlands Supermärkte rüsten sich für die Zukunft.

Alles können wir heute bestellen: Matratzen und maßgeschneiderte Hemden, Wein, Windeln, Werkzeug. Doch es gibt kaum eine Warengruppe, bei der wir uns so schwertun, sie in den virtuellen Einkaufskorb zu legen, wie Lebensmittel. Das mag zum einen psychologische Gründe haben, zum anderen fehlen aber auch noch die Angebote, die Verbraucher überzeugen. Doch so antiquiert der Samstagseinkauf mit der Familie oder das Hetzen zur Kasse zehn Minuten vor Ladenschluss auch sein mag: Die Art, wie wir Lebensmittel einkaufen, steht vor großen Veränderungen.

Preiskampf beim Discounter

Das wissen vor allem die Händler. Denn auch wenn Kunden nach wie vor brav zum Einkaufen in den Supermarkt trotten – sie erwarten längst mehr. So stellt die Aldi-Gruppe immer mehr Markenprodukte in die Regale. Den Anfang machte im vergangenen Jahr der Energydrink Red Bull. Kaum hatte Aldi die kleinen Döschen ins Sortiment aufgenommen, purzelte der Preis auch bei anderen Supermärkten. Und zwar so stark, dass sich Aldi und Lidl 2015 einen erbitterten Preiskampf lieferten.

Inzwischen finden Kunden allerlei namenhafte Produkte beim Discounter. Denn die jahrzehntelange Prämisse "Hauptsache billig" wird von "Günstig ja, aber bitte mit Auswahl" abgelöst. Und mit jedem weiteren Produkt, das die Discounter verkaufen, erhöht sich der Druck auf die Hersteller und Konkurrenten. Denn den Preis bestimmt nicht der Markt oder gar der Hersteller - sondern Aldi. 

Luxus-Läden im Ausland: Lidl und Aldi: Sind diese schicken Filialen die Zukunft der Discounter?
  Diese Filiale, die Lidl gerade im britischen Rushden eröffnete, bezeichnet der Discounter als "store of the future". Schon von außen lockt der Laden mit großzügigen Glasfronten.

Diese Filiale, die Lidl gerade im britischen Rushden eröffnete, bezeichnet der Discounter als "store of the future". Schon von außen lockt der Laden mit großzügigen Glasfronten.

Aldi setzt auf Luxus

Das ist aber nur ein Teil der Strategie. Die beiden größten Discounter Deutschlands – Aldi und Lidl – experimentieren mit schickerem Ambiente. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen alle Produkte auf Euro-Paletten in den Markt geschoben wurden und Kundenservice ein weitgehend unbekannter Begriff in der Discounterwelt war. Mit Kundentoiletten und Café-Ecken möbelt Aldi die eigenen Filialen auf. Im Ausland werden inzwischen gläserne Tempel gebaut, das Warenangebot erweitert und luxuriöser präsentiert. 

Das setzt die sogenannten Vollsortimenter unter Druck. Mit günstigen Eigenmarken haben sie das Preisniveau an das der Discounter angepasst. Nun tüfteln sie an Serviceleistungen, die Aldi und Co. nicht bieten. Der Lieferservice von Rewe funktioniert vor allem in Ballungsgebieten: Kunden shoppen online und lassen die Ware liefern, wenn sie zu Hause sind. Das Konzept ist aber teuer. Auch Shopwings, ein Start-up aus der Unternehmensschmiede Rocket Internet der Samwer-Brüder, setzte auf diesen Trend – und musste nach nur zehn Monaten aufgeben. Kunden waren nicht bereit, für den Service zu zahlen. Bislang konnte sich die Lebensmittellieferung nicht im großen Stil durchsetzen.

Auch Amazon will Lebensmittel liefern

Sollte sich das ändern, bekommen Rewe, Edeka und Co. auch schnell ganz andere Konkurrenten als Discounter. Amazon hat zwar den Start von Fresh, einem Liefersystem für frische Lebensmittel, seit Jahren verschoben. Doch mit "Amazon Pantry" startete 2015 ein Vorläufer. Reiniger, Hundefutter oder Getränke: Alles, was nicht gekühlt werden muss, können Kunden sich schon jetzt vom Onlinehändler nach Hause liefern lassen. Dazu tüftelt Amazon auch an smarten Liefermethoden. Die Drohne könnte künftig in Großstädten Produkte liefern. Noch wirken diese lenkbaren Flugkörper wie eine technische Spielerei. Dennoch könnten bald Lebensmittel mit surrenden Fliegern nach Hause kommen.

Prognose: Lebensmittel im Netz einkaufen

In Großbritannien hat sich der Online-Lebensmitteleinkauf längst etabliert. Bis 2018 könnten die Umsätze aus diesem Bereich mehr als 17 Milliarden Euro ausmachen, bereichtet die "Wirtschaftswoche". Der Markt für im Netz bestellte Lebensmittel in Deutschland ist noch winzig. Doch die Gesellschaft für Konsumforschung erwartet in diesem Bereich enorme Zuwächse. Laut einer Studie könnte in Deutschland der Anteil der Netz-Lebensmittelshopper auf zehn Prozent steigen, der jährliche Umsatz würde bei rund 20 Milliarden Euro liegen. Gut für denjenigen, der sich früh auf dem Markt etabliert.

Online-Shops vs. Abholbox

Daher haben alle größeren Supermärkte und Discounter inzwischen auch einen Online-Shop. Doch was dort gekauft werden kann, unterscheidet sich sehr. Bei Edeka kann man ausgewählte Produkte einkaufen und bekommt diese innerhalb von drei Tagen nach Hause geliefert. Das kostet knapp vier Euro Versandkosten. Aldi Nord informiert auf der Seite nur. Abgesehen vom Blumen- oder Fotobestellservice können Kunden nicht im Netz einkaufen. Seit einigen Tagen experimentiert eine Rewe-Filiale in der Nähe von München mit einem weiteren System: Dort können Kunden im Netz einen Einkaufskorb füllen und diese Box dann später unabhängig von den Öffnungszeiten abholen. Beim Konzern nachgefragt, heißt es, dass diese Art des Einkaufens nicht zu den tragenden Säulen des Geschäftsmodells zählt. Also ist die Abholbox nur ein weiterer Testballon auf dem Weg zum Einkauf der Zukunft. 

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