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19. Oktober 2004, 08:10 Uhr

Fristlose Kündigungen "mutmaßlicher Rädelsführer"?

Nachdem auch das Werk Rüsselheim lahmgelegt wurde und europaweit Standorte von General Motos Solidarität mit den Opel-Mitarbeitern in Bochum bekunden, erwägt die Geschäftsführung jetzt offenbar drastische Schritte.

Protestkundgebungen vor dem Opel-Werk 1 in Bochum. Seit drei Tagen ruhen dort die Produktionsbänder© Roland Weihrauch/DPA/LNW

Die Proteste der Opel-Mitarbeiter gegen den geplanten drastischen Stellenabbau erreichen mit einem europaweiten Aktionstag am Dienstag einen vorläufigen Höhepunkt. Die Produktion im Bochumer Werk steht den sechsten Tag in Folge still. Einem Pressebericht zufolge erwägt das Opel-Management fristlose Kündigungen für mutmaßliche Anführer des wilden Streiks. Bundeskanzler Gerhard Schröder mahnte die Beschäftigten und den Opel- Mutterkonzern General Motors (GM) zu einer Verhandlungslösung.

Die Tageszeitung "Die Welt" berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, die Kündigung "mutmaßlicher Rädelsführer" der Bochumer Proteste solle mit Verstößen gegen das Betriebsverfassungsgesetz begründet werden. Zunächst wolle Opel jedoch die Entwicklung beim Aktionstag abwarten. GM will in Europa 12 000 der insgesamt 63 000 Stellen abbauen. Nach Angaben des Betriebsrats sollen in Deutschland 10 000 Jobs verschwinden, davon jeweils 4000 in Rüsselsheim und Bochum.

Unterdessen dauern die Protestaktionen vor den Toren des Opel-Werks Bochum auch am Dienstagmorgen an. Verstärkung erhielten die Opel-Arbeiter von einer Abordnung Porsche-Beschäftigter, die ihre Solidarität mit ihren Kollegen in Bochum bekundeten. "Das zeigt, dass alle gemerkt haben, worum es geht", sagte das Bochumer Opel-Betriebsratsmitglied Franco Biagiotti dem ZDF-Morgenmagazin.

Zum heutigen Aktionstag werden 10.000 Teilnehmer in Bochum erwartet© Bernd Thissen/EPA

Opel-Vorstand und Gesamtbetriebsrat suchen gemeinsame Lösungen

Der Opel-Gesamtbetriebsrat und Vorstand haben sich bei den Verhandlungen über die drastischen Sparpläne des US-Mutterkonzerns General Motors(GM) angenähert.

Gemeinsames Ziel sei es, die Standorte Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern über 2010 hinaus als Autowerke erhalten zu können, teilte Opel am Dienstag mit. Zudem solle der geplante Stellenabbau sozial verträglich gehalten werden. Der Gesamtbetriebsrat hatte auch die Zusage gefordert, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. Diese sind der Opel-Erklärung zufolge aber nicht ausgeschlossen, gleichwohl sollen vorher alle sinnvollen betrieblichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Die Verhandlungen sollen zügig fortgesetzt werden, hieß es.

Rüsselsheim auch lahmgelegt

Wegen der Proteste in Bochum droht auch der Stillstand der Produktion im Stammwerk Rüsselsheim. Wie die Nachrichtenagentur AP am Montagabend aus Kreisen der Belegschaft erfuhr, werden voraussichtlich ab (dem heutigen) Dienstagnachmittag wegen fehlender Teile aus Bochum die Bänder in Rüsselsheim still stehen müssen. Allein im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim werden rund 15.000 Beschäftigte zu einer Informationsveranstaltung im Rahmen des Aktionstages erwartet, mindestens 10.000 Teilnehmer erwartet der Opel-Betriebsrat in Bochum.

An dem Aktionstag sollen sich Arbeitnehmerangaben zufolge alle Standorte von GM-Europe beteiligen - von Portugal, über Spanien, Belgien und Großbritannien bis nach Schweden. Der Europäische Metallgewerkschaftsbund rechnet eigenen Angaben zufolge mit insgesamt 40.000 protestierenden Beschäftigten.

DPA, AP

 
 
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