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15. August 2003, 11:03 Uhr

Vier Milliarden zum Abschied

Der Familien-Zwist der Tchibo-Besitzer Herz wird jetzt beendet. Mit vier Milliarden Euro wird dem bisherigen Vorstandsvorsitzenden Günter Herz und seiner Schwester der Abschied versüßt.

Das Ende des Familienstreits kommt den Tchibo-Konzern teuer zu stehen: "Kräfte wieder bündeln"© ddp

Der nächste Montag wird ein wichtiger Tag in der Geschichte des Hamburger Tchibo-Konzerns und seiner heillos zerstrittenen Eigentümer-Familie Herz. Die Hauptversammlung des Kaffee- und Handelsunternehmens wird endgültig beschließen, den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Günter Herz und seine Schwester Daniela für rund vier Milliarden Euro aus dem Unternehmen herauszukaufen. So hat es Tchibo bereits am 24. Juni mitgeteilt.

“"Kräfte wieder bündeln"

Tchibo gehört künftig Michael, Joachim und Wolfgang Herz und ihrer Mutter Ingeburg. Der neue Tchibo-Chef Dieter Ammer, der sein Amt erst im Juni angetreten hat, geht nun mit weniger Sorgen, aber auch mit weniger Geld ans Werk. Sein Auftrag lautet nach wie vor, für Tchibo die Mehrheit oder zumindest eine deutliche Aufstockung am ertragsstarken Beiersdorf-Konzern zu erreichen. "Für diesen Fall haben die Familienmitglieder vereinbart, ihre Kräfte wieder zu bündeln", hieß es in der Tchibo-Mitteilung. Die Allianz-Versicherung mit ihrem Paket von 44 Prozent der Beiersdorf-Aktien gilt seit zwei Jahren als verkaufswillig, ohne dass tatsächlich ein Geschäft zu Stande kam.

Bislang hält Tchibo 30 Prozent an Beiersdorf und hat erfolgreich verhindert, dass ein Großkonzern den Hersteller der Weltmarke Nivea in die Hand bekommen konnte. "Tchibo sitzt am längeren Hebel", meint Aktienanalyst Michael Mantlik von der Vereins- und Westbank. Gegen den Willen der Hamburger kann kein anderes Unternehmen die begehrte Marke Nivea ergattern. Den gerade wieder frisch entfachten Medienwind um einen möglichen Einstieg von Procter & Gamble oder L’Oreal oder Unilever hält Mantlik für heiße Luft. "Diese Spekulationen sind sehr weit hergeholt."

Kriegskasse ist leer

Entscheidend für die Beiersdorf-Zukunft wird nun sein, ob sich Tchibo und die Allianz einig werden. Da mit dem Abfluss von vier Milliarden Euro an Günter und Daniela die Kriegskasse deutlich leerer geworden ist, will Tchibo wohl nicht mehr den gesamten Allianz-Anteil haben. Für 20 Prozent der Aktien müsste Tchibo rund zwei Milliarden Euro aufbringen, was zumindest mit der Hilfe von Günter oder mit Unterstützung von Banken möglich ist. Bei der Allianz blieben dann 24 Prozent. Diese Aktien könnte die Versicherung an einen Finanzinvestor oder über die Börse verkaufen- oder einfach behalten.

Eckart Gienke
 
 
 
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