Nun soll sie endlich klappen: die große Gesundheitsreform. Doch statt zu sparen, will die Regierung die Versicherten noch mehr zahlen lassen. Dabei ist das deutsche System teuer und ineffizient. Lernen Sie die sieben größten Verschwender kennen. Von Jan Rosenkranz

Fachärzte und Kliniken unterhalten einen extrem teuren Gerätepark. Allein 100 PET-Scanner zur Diagnose von Krebs (Stückpreis bis 2,5 Milliarden Euro), wie hier im sächsischen Rossendorf, stehen in deutschen Kliniken - den Briten genügen sieben© dpa/zb/Picture-Alliance
Wahrscheinlich hat Stefan Schmid Recht, wenn er sagt, dass er nicht das ganze Gesundheitssystem retten kann. Doch ein nettes kleines Beispiel, wie die Krankenkassen Geld verplempern, kann er liefern. "Bei Toilettensitzerhöhungen", sagt der Jungunternehmer. Seit einem Jahr betreibt er in Dingolfing ein Sanitätshaus nach dem Supermarkt-Prinzip. Toilettensitzerhöhungen kosten bei ihm 39 Euro. "Es ist genau dieselbe, für die die AOK 78,80 Euro zahlt", sagt Schmid. Die Kasse rechnet, wie üblich, nach Standardsätzen ab. Der Duschhocker kostet bei ihm 76,10 Euro - die AOK zahlt 110,20 Euro. "Und ich verdien' schon nicht schlecht", sagt er. "Ich dachte nur immer, die Kassen müssen sparen!"
240 Milliarden Euro lassen sich die Deutschen ihre Gesundheit jährlich kosten, allein 146 Milliarden fließen als Beiträge in die gesetzlichen Krankenkassen. Nur in den USA und in der Schweiz wird pro Kopf mehr Geld dafür ausgegeben. Und: Es wird ständig teurer. Union und SPD verhandeln deshalb mal wieder über eine große Gesundheitsreform. Doch es steht zu befürchten, dass das Großprojekt zur bloßen Finanzreform verkümmert. Statt zu sparen, soll noch mehr Geld ins System kommen.
Muss das sein? Ja, wegen des technischen Fortschritts, sagen die Kassen. Wegen des Alterns der Bevölkerung, sagen die Politiker. Doch schaut man dem Ungeheuer in den Rachen, lassen sich noch andere Gründe für seine Gefräßigkeit finden. Das deutsche Gesundheitssystem ist sagenhaft ineffizient und lädt zur freimütigen Verschwendung ein.
Die Politik nennt das, was im Sumpf aus 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), 250 Krankenkassen, 120.000 niedergelassenen Ärzten und über 2000 Krankenhäusern sinnlos versickert, "Effizienzreserve". Das klingt vornehmer als "Verschwendung". Das Gesundheitsministerium geht von jährlich 20 bis 25 Milliarden Euro aus - etwa so viel, wie alle gesetzlichen Kassen für Arzneimittel ausgeben. Der Allgemeine Patientenverband schätzt die Verschwendung gar auf bis zu 40 Milliarden Euro. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, findet darum schon die Grundannahme, das System sei unterfinanziert, falsch. "Richtig ist daran nur, dass die gesetzliche Krankenversicherung vor allem ein Ausgabenproblem hat."
Übernommen aus ...
Ausgabe 26/2006