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Sparchance für Autofahrer

Während die Rekord-Spritpreise die Geldbeutel der Autofahrer strapazieren, tun sich bei Autoversicherungen neue Sparchancen auf: Die Prämien für Kfz-Policen sind auf breiter Front am Rutschen. Mit einem Wechsel sollte man dennoch warten.

Viele Auto-Versicherer kämpfen zurzeit mit Billigtarifen, günstigen Zweitmarken und Sonderrabatten um Kunden. Einsparungen um 30, 40 Prozent seien bei einem Anbieterwechsel drin, betont Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Das kann etliche hundert Euro Ersparnis im Jahr ausmachen. Wer wechseln will, sollte allerdings bis etwa Mitte Oktober abwarten, rät Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dann müssten alle Tarife für 2006 unter Dach und Fach sein. In den nächsten Wochen sei daher noch "viel Bewegung im Markt" zu erwarten.

Kündigung bis Ende November möglich

Wer zu einem billigeren Anbieter umsteigen will, kann seine alte Versicherung zum Jahresende auflösen. Das Kündigungsschreiben muss jedoch bis zum Stichtag am 30. November beim Versicherer sein. Sonst verlängert sich der alte Vertrag zu den bisherigen Konditionen automatisch. Ein Wechsel außerhalb dieser Frist ist nur dann möglich, wenn man ein neues Auto anmeldet oder außerplanmäßig die Beiträge erhöht werden. In diesem Herbst dürfte es sich besonders lohnen, Ausschau nach einer günstigeren Kfz-Police zu halten. "Diesmal rechnet sich’s deutlich, manche Tarife sind jetzt schon gravierend nach unten gegangen", weiß Grieble. "Leichter sparen kann kein Autofahrer zurzeit."

Innerhalb ein- und derselben Gesellschaft sind Prämienabsenkungen für Neuverträge um fünf bis zehn Prozent nach Beobachtungen des Verbraucherschützers keine Seltenheit. Selbst Fahranfänger, die wegen ihres hohen Schadensrisikos immer kräftig zur Kasse gebeten werden, können jetzt auf bessere Tarife hoffen. In der Branche sei eine knallharte Rabattschlacht um die Kundschaft im Gange, berichtet Grieble. Hintergrund: die Kfz-Police gilt als Türöffner für den Verkauf weiterer Versicherungsprodukte. Der Trend geht ganz offenbar auch zu billigen Zweitmarken, Sparpolicen und günstigen Internet-Tarifen, die einige große Gesellschaften parallel zu ihrem sonstigen Angebot auf den Markt bringen - und sich mit den Kampfpreisen selbst Konkurrenz machen.

Nicht auf eigene Faust suchen

Möglich seien die Preissenkungen unter anderem aufgrund der seit Jahren rückläufigen Schadenszahlen, meint Klaus Brandenstein vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Noch 1970 hätten die Versicherer 170 Schadensfälle pro 1000 Fahrzeuge begleichen müssen. Die Zahl sei heute auf 75 Schäden gesunken. "Und das schlägt sich nicht zuletzt auch in den Prämien nieder", so der GDV-Sprecher. Während sich der Benzinpreis verdoppelte und für einen Neuwagen bis zu 30 Prozent mehr hingeblättert werden muss, ist die Autoversicherung nach seinen Berechnungen in den letzten zehn Jahren unterm Strich deutlich billiger geworden. 1995 mussten Autofahrer für ihre Haftpflicht-Police im Schnitt noch 289 Euro zahlen. Bis Ende 2005 dürften durchschnittlich nur noch 257 Euro Jahresprämie anfallen, so Brandenstein.

Bei der Vollkasko-Versicherung gab es den größten Preissturz von 423 Euro in 1995 auf derzeit unter 310 Euro Jahresbeitrag im Schnitt. Der Teilkasko-Bereich blieb GDV-Angaben zufolge vergleichsweise konstant. Verbraucherschützerin Weidenbach rät von Versuchen ab, sich auf eigene Faust durch den "Dschungel" an Rabatten, Sondertarifen und Tarifsenkungen zu kämpfen. Das Wirrwarr sei eher noch größer geworden, hat Grieble beobachtet. Und warnt: "Die eine Versicherung, die für alle am besten ist, gibt es nicht." Empfehlungen von Bekannten seien daher mit Vorsicht zu genießen.

Hilfe - gegen Gebühr

Wer die billigste Lösung sucht, kann sich über die computergestützten Analysen und Vergleiche der Verbraucherschützer helfen lassen. Die persönlichen Lebensumstände, Fahrzeugmodell, Wohnort, Kilometerleistung, Geschlecht oder Beschäftigung im öffentlichen Dienst, Garage ja oder nein - all diese Faktoren spielen unter anderem eine Rolle, wenn es um den individuell günstigsten Tarif geht. Wer sich den aktuell optimalen Anbieter herausfiltern lassen will, kann sich an die Verbrauchzentrale Baden-Württemberg wenden unter der Hotline-Nummer 0900-1774443 (1,75 Euro pro Minute). Um die Telefonkosten so gering wie möglich zu halten, sollte der Kfz-Schein mit den nötigen Daten parat liegen. Den Erfahrungen zufolge dauert die Schnellsuche dann nur etwa fünf bis sechs Minuten und kostet etwa zehn Euro. Stiftung Warentest in Berlin bietet ebenfalls einen Computerservice an, der mit 16 Euro berechnet wird.

Berrit Gräber/AP/AP

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