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Der Teufel steckt im Kleingedruckten

Zum 30. November locken Kfz-Versicherungen mit anscheinend lukrativen Wechseln. Doch wer eine Versicherung im Ramschladen kauft, kann im Schadensfall tief in die Tasche greifen. Denn Angebote versprechen oft mehr als das Kleingedruckte hergibt.

Von Uwe Schmidt-Kasparek

Mit seinem Landrover verursachte Garry Hart im britischen Ort Selby einen schrecklichen Unfall. Er blieb auf den Schienen liegen und ein Personenzug entgleiste. Mit über 50 Millionen Euro war es der bisher teuerste Autounfall in ganz Europa. Doch er kann wieder passieren - täglich, auch in Deutschland. Trotzdem verkaufen manche Autoversicherer unbekümmert unzureichenden 50-Millionen-Schutz. Dabei ist längst die doppelte Summe üblich. Geringer Schutz kann bei einem Mega-Schaden in den Ruin führen. Wer aktuell bis zum 30. November seine Autopolice wechseln will, sollte daher mit Augenmaß sparen.

Kfz-Versicherungen im Sonderangebot

Wühltischangebote, wie sie beispielsweise vom Kaffee-Röster Tchibo, dem Otto-Versand oder C & A angeboten werden, sind gefährlich. Sie könnten teure Leistungslücken enthalten. "Ob der Kunde zwischen Miedern und Dessous den Versicherungsschutz erhält, den er braucht, ist fraglich", wettert Michael Heinz, Präsident der Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BKV) gegen solche Angebote von der Stange. Mit harten Bandagen kämpfen derzeit die Versicherer um ihre Kunden. "Der Preiskampf tobt seit zwei Jahren", sagt Rolf-Peter Hoenen von der HUK-Coburg, dem zweitgrößten Anbieters am Markt. Im Laufe des Jahres sollen die Preise um rund sechs Prozent sinken. Derzeit sind Preisunterschiede von bis zu 70 Prozent möglich. Gut für die Kunden. Doch der Markt wird immer undurchsichtiger.

Auf allgemeine Musterrechnungen sei kein Verlass mehr, warnt Falko Sturve, Chef der Deutschen Internetversicherung. Grund: Die Versicherer kalkulieren ihre Tarife immer individueller. Assekuranzen, die für den Wenigfahrer und Garagenparker mit VW Golf ein supergünstiges Angebot machen, steigen beim geleasten Range Rover Sport V8, den ein Selbstständiger nutzt, reihenweise aus, wie ein Test des Marktbeobachter Aspect Online zeigt. "Den immer günstigen Autoversicherer gibt es nicht mehr", sagt Aspect Online Geschäftsführer Wolfgang Schütz. Autofahrern bleibt nicht anders übrig, als intensiv zu vergleichen.

Wer beim Beitrag spart, kann beim Unfall zahlen

Der Preis sollte nicht allein ausschlaggebend sein. Gerade Super-Sparer können schnell an einen Magertarif geraten. Der entpuppt sich aber erst im Schadenfall. Wer etwa bei Rot über die Ampel fährt oder die Geschwindigkeit erheblich überschreitet geht dann leer aus, weil grobe fahrlässige Fehler nicht mitversichert sind. Autobesitzer setzen damit für einige 100 Euro Sparvorteil 20.000 Euro oder mehr aufs Spiel. Daher sollten vor allem die rund sechs Millionen Autofahrer, die sich schon den höchsten Schadenfreiheitsrabatt erfahren haben und nur noch 30 Prozent der Grundprämie zahlen, Komfort- und Premium-Tarife wählen. Oft kann man auch bei diesen Tarife noch sparen, weil die Prämien für neue Verträge besonders günstig sind.

Doch selbst in Komfort-Tarifen lauern teilweise Fallen, wie der "Grob-Fahrlässig-Light-Schutz". Hier darf die Assekuranz nach dem Grad des Verschuldens die Leistung einfach kürzen (Concordia) oder bei einem besonders schweren Verkehrsverstoß (DEVK Premium) sowie bei Unfällen mit Handy am Ohr (Basler) die Entschädigung ganz streichen. Insgesamt 25 solcher Mogel-Top-Tarife hat die Unternehmensberatung Nafi aus Höxter ausfindig gemacht. "Niemals war es in der Autoversicherung so wichtig, genau auf die Leistung zu achten", warnt Nafi-Geschäftsführer Wolfgang Höltring.

Tierkollisionen sind nicht immer gedeckt

Das gilt auch für Neuwagenbesitzer, die eine Police mit Neupreisentschädigung abschließen sollten. Denn gerade Neufahrzeuge verlieren in der ersten Zeit extrem viel an Wert. Nach Einschätzung des ADAC liegt der Preisabschlag je nach Modell schon in den ersten 12 Monaten zwischen 25 und 35 Prozent. Bei einem Fahrzeug mit einem Kaufpreis von 30.000 Euro kann der Verlust somit über 10.000 Euro liegen. So zahlt etwa die Itzehoer Top Drive beim Totalschaden oder Diebstahl noch 24 Monate nach der Erstzulassung den vollen Neupreis aus. Weitere Falle: Die Tierkollision. Sie ist nicht immer automatisch mitversichert und teilweise nur auf typische Waldtiere beschränkt. Viele Anbieter, wie die der Online-Versicherer Direct Line aus Brandenburg, sind besser aufgestellt. "Wir zahlen bei jedem Tier. Egal, ob ein Wildschwein, Elch oder Bussard mit dem Auto zusammen stöß", sagt Vorstand Albert Kiel.

Besonders aufpassen müssen Kunden, die ihr Fahrzeug geleast haben. "Kommt es nach zwei Jahren zum Totalschaden und läuft der Finanzierungsvertrag aber vier Jahre, verlangt die Leasinggesellschaft in der Regel eine Ablösesumme, die schnell mehrere 1000 Euro über der Zeitwertentschädigung der Versicherung liegen kann", erläutert Ralph Moser, Versicherungsmakler aus Prutting bei Rosenheim. Für Leasingfahrzeuge ist daher ein extra Lücken-Schutz notwendig.

Vorsicht vor Blendern

Unsicherheit herrscht bei vielen Kunden auch bei der Frage, ob es sinnvoll ist, einen der neuen Tarife mit vertraglicher Werkstattbindung abzuschließen. Solche "Clever"- oder "Select"-Angebote können später einen Haufen Ärger mit sich bringen. Wer im Schadensfall nämlich doch die vertraute Werkstatt nutzen möchte, muss beispielsweise bei der HUK-Coburg 15 Prozent des Reparaturaufwandes aus eigener Tasche tragen. "Günstige Angebote blenden zunächst einmal", sagt Verkehrsanwältin Juliane Eifler aus Neubrandenburg. "Doch viele werden das Kleingedruckte nicht richtig wahrnehmen und sind im Schadenfall die Dummen", glaubt die Juristin von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). "Eine neue Autoversicherung sollte heute besser bei einem Makler abgeschlossen werden", rät VHV Vorstand Manfred Kuhn aus Hannover. Der könne stets ein bedarfsgerechtes Angebot heraussuchen. Selbst ausgefallene Wünsche sind dann erfüllbar - für Schneehasen beispielsweise eine Auto-Police mit Lawinenschutz.

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