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23. Oktober 2009, 16:34 Uhr

Versicherten drohen höhere Beiträge

Union und FDP wollen das Gesundheitssystem radikal ändern. Doch das soll frühestens 2001 geschehen. Die Beiträge sollen zum Teil auf einkommensunabhängige Prämien umgestellt werden. Für die Versicherten wird es teurer.

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Ab 2011 könnte es für die meisten Mitglieder gesetzlicher Krankenkasse teurer werden© Michael Kappeler/DDP

Union und FDP haben sich bei ihren Koalitionsverhandlungen auf einen langfristigen Umbau der Finanzierung des Gesundheitswesens verständigt. Künftig solle ein einkommensunabhängiger Beitrag geschaffen werden, der für Geringverdiener sozial ausgeglichen werden solle, teilten die Unterhändler von CDU, Ursula von der Leyen, und FDP, Philipp Rösler, am Freitag am Rande der Koalitionsverhandlungen in Berlin mit. Der Beitrag für die Arbeitgeber solle hingegen bei steigenden Gesundheitskosten nicht mehr erhöht werden.

"Wir schaffen damit ein robustes Gesundheitssystem, das nicht mehr alle zwei bis drei Jahre reformiert werden muss. Und wir schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Gesundheitsvorsorge und -versorgung besser wird, aber definitiv nicht teurer", sagte Rösler. Union und FDP gehen allerdings von Kostensteigerungen aufgrund des medizinischen Fortschritts und der Alterung der Bevölkerung aus.

Gleich zu Beginn der Legislaturperiode will die Regierung eine Kommission einsetzen, die das neue System erarbeiten soll. Dieses werde dann wahrscheinlich im Jahr 2011 starten, kündigte von der Leyen an.

Von der Leyen für sozialen Ausgleich

Noch bleibe es aber beim alten System. "Wir brauchen im Augenblick den Gesundheitsfonds", sagte von der Leyen, die als künftige Gesundheitsministerin im Gespräch ist. In ihn fließen seit Beginn dieses Jahres die Beitragseinnahmen und Steuermittel und werden von dort an die Kassen verteilt. Der einheitliche Beitragssatz von 14,9 Prozent werde sich nicht verändern, sagte von der Leyen.

Die Pläne für das neue System blieben aber insgesamt zunächst sehr vage. In der Koalitionsvereinbarung heißt es: "Langfristig wird das bestehende Ausgleichssystem überführt in eine Ordnung mit mehr Beitragsautonomie, regionalen Differenzierungsmöglichkeiten und einkommensunabhängigen Arbeitnehmerbeiträgen, die sozial ausgeglichen werden." Ab 2011 könnten die gesetzlichen Krankenkassen dann einen Teil der Beiträge selbst erheben. Das würde eine Abkehr vom einheitlichen Beitragssatz bedeuten. Den Kassenmitgliedern drohen dann höhere Beiträge

Laut von der Leyen werde das neue System aber gerechter. Denn der Sozialausgleich zwischen armen und reichen Kassenmitgliedern, der derzeit über die unterschiedliche Beitragshöhe geschieht, werde dann über "alle Einkommen" laufen. Der Ausgleich werde aus Steuermitteln finanziert. Außerdem soll das neue Konzept transparenter werden. Und die Krankheitskosten würden von den Arbeitskosten abgekoppelt.

Praxisgebühr soll auf den Prüfstand

Union und FDP wollen zudem die Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal auf den Prüfstand stellen, weil das erwünschte Ziel, die Zahl der Arztbesuche zu senken, weitgehend verfehlt werde. Ein Steuerungsinstrument wird aber als unverzichtbar angesehen.

Während Kanzlerin Angela Merkel (CDU) anfangs gesagt hatte, sie wolle am Fonds festhalten, hatte die FDP immer wieder betont, ihn abschaffen zu wollen. Die CSU hatte auf Veränderungen gepocht: Weniger Geld sollte bundesweit umverteilt werden. Einen Teil der Beitragsmittel für die Kassen sollten diese direkt einziehen und behalten, so dass die regionale Wirtschaftskraft besser abgebildet werde. Dagegen hatten sich die von der Umverteilung profitierenden Ostländer gewehrt.

DPA/AP
KOMMENTARE (10 von 38)
 
brainuser (24.10.2009, 13:56 Uhr)
Her mit der Bürgerversicherung
Auch, wenn ich mich wiederhole:

Alle Bürger werden dort versicherungspflichtig. Wer mehr als das aktuelle GKV-Niveau möchte, kann sich gerne und ganz freiheitlich zusätzlich absichern. Kennen wir ja heute schon.

Dazu den Wettbewerb unter Apotheken öffnen. Versandapotheken, Apothekenketten und den Verkauf über Drogerien, Supermärkte etc. zulassen.

Die zu schnelle, wegen jeder Kleinigkeit ausgelöste Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung, reduzieren. Z. B. durch einen Eigeneinteil von 5-10 Euro pro Besuch, Ausnahmen für Härtefälle. Höchstgrenze für Eigenanteil pro Jahr einziehen. Ebenso für Medikamente.

Einführung der elektronischen Gesundheitskarte unter Einhaltung aller Datenschutzbestimmung, um endlich Transparenz in die Abrechnungen ärztlicher Behandlung zu bekommen, Doppeluntersuchungen und Fehlbehandlungen zu reduzieren. Hebt bestimmt ein nicht unerhebliches Einsparpotential.

Kommunale Behandlungszentren und Tele-Med-Auskünfte ausbauen, um die Gesamt-Effizienz der Versorgung zu steigern.

Wann wird endlich mal Nägel mit Köpfen gemacht, um das System krisenfest und zukunftssicher zu gestalten?

Es gibt so viele, dem Grunde nach logische Möglichkeiten.
Corazito3333 (24.10.2009, 00:04 Uhr)
Robin Hood aber umgekehrt
unten abzocken, oben verteilen und es geht weiter....die millionäre/millidäre horten die millionen, geil....aber daß wußtet ihr doch und wolltet ihr.....................
dentix07 (23.10.2009, 18:40 Uhr)
Wiederholen machts nicht wahrer
@ acenes
Wieso immer die Mär von ?gierigen? Ärzten? 1. ist in den Jahren seit der 1. Ehrenberg'schen Gesundheitsreform genau dies ?Sparen? immer wieder exerziert worden. 2. Ist es für jeden AG (dank Gewerkschaften) selbstverständlich eine angemessene Entlohnung für seine Arbeit verlangen zu dürfen, warum dürfen Ärzte aber keine wenigstens betriebwirtschaftlich deckendes Honorierung verlangen? Erzähl' mal 'nem Klempner er soll für seine Arbeit noch Geld mitbringen! Der zeigt Dir (ganz korrekterweise) einen Vogel!
@ Laserstrahl
Welche ?aufgeblähten Institutionen? meinst du? Etwa die KV-/KZVen? Ich wiederhole es zum tausendsten Mal: Die KV-/KZVen sind so wie sie sind weil sie als KdÖR genau so vom Gesetzgeber gestaltet werden, und werden aus dem Honorar der Ärzte bezahlt. Genau wie Du evtl. den Mitgliedbeitrag für einen Sportverein bezahlst! (Oder bezahlt ? weil Du ja Geld von Ihm erhältst ? Dein Chef Deinen Beitrag?)
Mein Vorschlag an euch Beide: Studiert Medizin, gründet 'ne eigene Praxis und berichtet nach zwei, drei Jahren, ob Ihr Ärzte immer noch für ?gierig? haltet! Ich garantiere Ihr würdet Eure Meinung schneller korrigieren als Ulla ?Alicante? sagen kann!
laui (23.10.2009, 17:57 Uhr)
Hoffentlich kommt die "elektronische Gesundheitskarte" auf den Prüfstand
Auch wenn sich die Bitkom derzeit für die Rechte chronisch Kranker stark macht.

Abefr gerade als eigenverantwortungsbewuster chronisch Kranker, Allergiker, Implantatsträger etc.
trage ich ein ohne Technik lesbaren schriftlichen Allerie-, Implantatspass etc. bei
mir, der auch von einem Ersthelfer, einem Notarzt u.s.w. sofort (im
Ausland in entsprechender Landessprache) lesbar ist. Ohne Kreuztest,
bzw. Überprüfung der Angaben darf der Arzt, um Verwechslungen der
Notfalldokumente zu vermeiden, weder die Daten von schriftlichen
Notfalldokumenten noch die Daten von einer Gesundheitskarte als
Tatsache glauben. Allerdings muss er beim Verabreichen eines Mittels
sicherheitshalber auf ein potentiell Allergieauslösendes verzichten.
Besuche ich Vertretungsweise einen einen anderen, fremden Arzt, so
habe ich als chronisch Kranker die wichtigsten Dokumente meiner
Krankheit bei mir, die Übrigen Infos, erwarte ich von Arzt zumindest,
sollte er im persönlichen Gespräch und Untersuchung mit mir erfahren
und nicht aus einer Datenbank als gegeben hinnehmen.
Und wenn ich, um eine zweite Meinung einzuholen, einen anderen Arzt
aufsuche, so möchte ich nicht, dass er bereits vorhandene Aufnahmen
und Diagnosen einfach nur nachplappert, sondern eigene, evtl. andere
Aufnahmen erstellt und sich eine eigene Meinung bildet - die die
erste Diagnose bstätigt oder wiederlegt.
Auf das Risiko absichtlich oder versehentlich manipulierter,
zerstörter oder verfälschter Daten einer Zentralen Datenbank, sowie
der potentiellen Möglichkeit unautorisiert diese Daten abzurufen oder
missbrauchen möchte ich jetzt nicht hinweisen. Auch in einer Praxis
können Daten "geklaut" werden, dann sind es jedoch nur die der
Patienten dieses einzelnen Arztes und nicht die aller Patienten einer
Stadt, eines Bundeslandes, der Republik, bzw. die aller Diabetiker
oder Hüftimplantatsträger in Deutschland.
Administrator (23.10.2009, 17:06 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Bitte bleiben Sie auch in dieser Debatte sachlich. Aufrufe zur Gewalt (Anzünen von Autos gehört dazu) werden ebenso gelöscht, wie Beleidigungen.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Laramie (23.10.2009, 16:26 Uhr)
Die Waehler wollten das so
Die Waehler bekommen jetzt genau das was sie wollten. Ich freue mich schon auf das Gejammer der CDU und FDP Waehler wenn sie begreifen was fuer Konsequenzen das fuer sie hat , aber das wird wohl mindestens noch bis 2011 dauern wenn sie es ueberhaupt je begreifen und mit ihren geliebten Rechten ueberhaupt in Verbindung bringen. Dazu sind die wahrscheinlich nicht faehig oder sie Verdraengen es .
knilch_59 (23.10.2009, 15:16 Uhr)
Böses am Rande
Wer glaubt, dass Krankenkassenbeiträge etwas mit Volksgesundheit zu tun haben, irrt. Wer aus der Frequenz der Arztbesuche oder der Menge der ausgegebenen Medikamente einen Zusammenhang mit Lebenserwartung oder Lebensqualität herstellen möchte, irrt. Es gibt keine gesunden Menschen, sondern nur unzureichend Untersuchte.
.
Hinter vergleichsweise wenigen Menschen, denen ärztliche oder pharmazeutische Kunst wirklich hilft, versteckt sich eine erdrückende Mehrheit, für die Gesundheitsleistungen ein Konsumgut sind. Und da man an Medikamente nur über den Weg der Verschreibung kommt, ist Ärzten und Apothekern ein Gesundheitsmonopol zugewiesen worden, das völlig unverdient ist!
.
Warum soll Blut abnehmen und ein Blutbild heute noch eine ärztliche Leistung sein. Das kann ALDI genauso gut, aber billiger! Wozu Labor"Mediziner", warum müssen Radiologen mehr als eine anatomische Grundbildung haben?
.
Im Gesundheitswesen stellen wir uns so an, als ob jeder von uns immer den Rolls-Royce fahrbereit vor der Tür haben muss. Dementsprechend ist das unser mit Abstand größter Wirtschaftszweig mit rund 500 Milliarden Euro Umsatz jährlich. Und das ohne jeden Wettbewerb und jegliche demokratische Kontrolle, weil ja angeblich Gesundheit unser "höchstes Gut" ist. Also in erster Linie ein Gegenstand wirtschaftlicher Betrachtung.
.
Es geht nur ums Geschäft, nicht um Gesundheit und schon gar nicht um Soziales: Die Frage ist nicht, was brauchen die Versicherten wirklich, sondern wie finanzieren wir Ärzte und Apotheken!
snoopy3 (23.10.2009, 15:07 Uhr)
FDP-Die Partei der Besserverdienenden
Also doch!
Westerwelle und Seinesgleichen haben jetzt die Katze aus dem Sack gelassen:
Die FDP sieht sich nach wie vor als "Partei der Besserverdienenden".
Ich habe daran auch nie gezweifelt und brauche mir angesichts meines Wahlverhaltens keine Vorwürfe machen.
Merkel hat durch ihre Wahllüge wegen des Gesundheitsfonds ebenfalls ihren Heiligenschein verloren.
Auch das war keine Überraschung für mich.
Der Arbeitgeber wird geschont und von seinem sozialstaatlichen Beitrag - den Lohnnebenkosten - zur sozialen Absicherung seiner Arbeitnehmer entlastet.
Die Rechten Pro-Arbeitgeber-Parteien sind wieder an der Macht.
Mit dem deutschen Michl kann man es ja machen. Der pennt aus Tradition.
Malt (23.10.2009, 13:48 Uhr)
Ja also...
...wundert sich da überhaupt noch einer? Hat denn IRGENDWER erwartet, dass es anders laufen wird? Also JEDEM, der hier an was anderes geglaubt hat sollte man, mit Verlaub, die Wahlberechtigung entziehen, denn wer so blauäugig ist hat es sich schlichtweg nicht verdient mitbestimmen zu dürfen. Ich weiß noch, dass dieses Thema vor der Wahl noch mal ganz kurz aufgeflammt ist und gleich erstickt wurde, damit auch bei der Wahl ja nichts schief geht... deswegen haben sich hier auch die Medien mal wieder elegant zurück gehalten um vor der Wahl bloß keine unbequemen Fragen zu stellen (ich erinner nur an dieses TV-Schmusen von Merkel und Steinmeier).... ich mein, ist ja nicht so, dass die "Gesundheitsreform" ein Themna wäre, welches aus heiterem Himmel kam... aber ne, da wurde lieber für den Impfstoff gegen die Schweinegrippe Werbung gemacht...
OttoB (23.10.2009, 13:46 Uhr)
Wer die Politik verfolgt hat
für den war es klar was mit CDU/FDP passiert und für jeden Nichtwähler war es klar das er schwarz/gelb unterstützt.
Wer nur den eingeübten Meinungen der Medien glaubt, die böse Linke will die DDR zurück, einzige Politikerin die je gelogen hat war Frau Ypsilanti, Oskar läuft schon wieder weg usw. der soll jetzt bezahlen und nicht jammern, es kommt noch mehr.
Die Mehrheit und nicht nur die Super Reichen wollten es so.
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