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Milliarden-Schaden durch Chipkartenmissbrauch

Der Missbrauch von Krankenversichertenkarten hat nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) bundesweit einen Milliardenschaden angerichtet.

Durch «wandernde» Chipkarten und durch Gesundheitstouristen wird bundesweit ein Schaden von fast einer Milliarde Euro pro Jahr angerichtet, sagte der stellvertretende KVB-Vorsitzende, Wolfgang Hoppenthaller, der «Welt am Sonntag» (WamS).

Im vergangenen

Oktober hatte Hoppenthaller bereits sogar von einem Schaden in Höhe von zwei Milliarden Euro gesprochen. Damals sagte er, der Schaden in den statistisch erfassbaren Bereichen liege bei einer Milliarde Euro, in den nicht überprüfbaren Bereichen sei er mindestens genauso hoch.

Erneut forderte

der KVB-Vize-Chef «absolut fälschungssichere Chipkarten». Bereits früher hatte Hoppenthaller als mögliche Maßnahme gegen den Betrug die Einführung von Chipkarten mit Passbildern genannt.

Bisher könne «jeder Freak» Chipkarten fälschen, sagte Hoppenthaller laut «WamS». Erst in der vergangenen Woche hatte der groß angelegte Betrugsskandal mit den Chipkarten von Toten für Aufsehen gesorgt. Auch deshalb fordert Hoppenthaller "absolut fälschungssichere Chipkarten" mit Fotos.

Außerdem werden

Chipkarten benutzt, um Kassenleistungen zu erschleichen. Bei dem Betrug mit den so genannten "wandelnden Chipkarten" wenden die Täter verschiedene Techniken an:

* Entweder nutzten mehrere Personen ohne gesetzliche Krankenversicherung gemeinsam eine Chipkarte;

* oder Gesundheitstouristen aus dem Ausland lassen sich mit einer Karte von Verwandten oder Bekannten in Deutschland behandeln;

* es gibt auch Fälle, in denen Personen nicht gesetzlich Versicherte mitversorgen.

"Wenn mit einer Karte im Quartal 20 Verschreibungen und zehn verschiedene Indikationsgebiete wie Diabetes, Leber und so weiter registriert wurden, dann ist das nicht nachvollziehbar", sagte Hoppenthaller der Zeitung. "So ein Patient müsste tot sein. Da liegen Betrug und Missbrauch vor." Indizien für Betrug sind laut Hoppenthaller auch, wenn Karten im Quartal für mehr als sieben Ärzte oder drei Hausärzte in Anspruch genommen werden.

Da die Krankenkassen

nur in Bayern Daten über die Nutzung der Chipkarten herausgeben, hat die kassenärztliche Vereinigung die Daten aus Bayern auf das Bundesgebiet hochgerechnet, sagte Hoppenthaller weiter.

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