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Was Krankenkassen für Sport und Vorsorge zahlen

Wer sich regelmäßig bewegt und Vorsorge betreibt, kann über die Bonusprogramme der Krankenkassen mehrere hundert Euro im Jahr sparen. Bei den Prämien gibt es große Unterschiede zwischen den Anbietern.

Von Jonas Tauber

Bonuspunkte gibt es beispielsweise für die Mitgliedschaft im Fitnessstudio und die Teilnahme an Präventionskursen

Bonuspunkte gibt es beispielsweise für die Mitgliedschaft im Fitnessstudio und die Teilnahme an Präventionskursen

Mit Bonusprogrammen belohnen die gesetzlichen Krankenkassen Versicherte, die sich gesundheitsbewusst verhalten. Weil rund 95 Prozent der Leistungen aller Anbieter aufgrund gesetzlicher Vorgaben identisch sind, können gute Programme durchaus ein Argument für oder gegen eine Kasse sein.

Das Prinzip: Wer sich sportlich betätigt und das etwa über die Mitgliedschaft im Fitnessstudio nachweist, bekommt Bonuspunkte gutgeschrieben. Weitere Punkte gibt es für die Teilnahme am Bewegungskurs. Belohnt wird außerdem, wer an der Krebsvorsorge teilnimmt oder zur professionellen Zahnreinigung geht. Ab einer bestimmten Punktzahl profitieren Versicherte von Geld- und Sachprämien. Was für Prämien es für welche Punktzahl gibt, unterscheidet sich von Kasse zu Kasse. Viele der anerkannten Maßnahmen sind allerdings für den Versicherten kostenpflichtig. Die Kassen erstatten diese Kosten in der Regel nicht.

Mindestens drei Maßnahmen erforderlich

Im Schnitt sind mindestens drei Maßnahmen erforderlich, um eine Prämie zu erreichen, sagt Thomas Adolph, Geschäftsführer vom Vergleichsportal gesetzlichekrankenkassen.de und Versicherungsmakler. Eine Auswertung des Unternehmens ergab, dass es dafür eine durchschnittliche Prämie von 43,87 Euro gibt.

Beispiel: Ein 35-jähriger Versicherter ist Mitglied in einem Fitnessstudio, besucht jährlich eine Vorsorgeuntersuchung und nimmt einmal im Jahr an einem Präventionskurs teil. Dafür gibt es bei den sechs größten Kassen:

1. Techniker Krankenkasse: 50 Euro Geldprämie
2. Barmer GEK: 30 Euro Geld- oder Sachprämie
3. DAK Gesundheit: 25 Euro Geld- oder Sachprämie
4. AOK Bayern: Sachprämien, zum Beispiel ein Strandhandtuch oder ein Expander-Set
5. AOK Baden-Württemberg: Sachprämien, zum Beispiel einen Kulturbeutel oder einen Fön
6. IKK classic: 50 Euro Geldprämie

Bis zu 600 Euro sind möglich

Mit der derzeit höchsten Prämie wirbt derzeit laut Adolph die Kasse Securvita: 600 Euro pro Jahr kann ein Versicherter bei deren Bonusprogramm "Healthmiles" erreichen. Allerdings sind dafür 3500 Punkte nötig. Zur Einordnung: Für die Mitgliedschaft im Fitnessstudio, den gesundheitsfördernden Rückenkurs und das Hautkrebsscreening gibt es zusammen 250 Punkte.

Adolph hält die Bonusprogramme neben den besonderen Leistungen einer Krankenkasse – etwa die Erstattung alternativer Behandlungen - für ein wichtiges Leistungsmerkmal. "Neben den Mehrleistungen sind sie ein entscheidendes Auswahlkriterium für die Kassenwahl, gerade für ein gesundes, zumindest etwas sportliches Klientel."

Das sieht Regina Berendt, Gesundheitsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, ähnlich. "Wenn ich sage, das ist für mich ein zentrales Thema – sei es, dass ich sowieso viel Sport mache oder chronisch krank bin und das Programm als Anreiz für einen besseren Lebenswandel nützen will – dann kann es ein Wechselgrund sein."

Allerdings machen die Kassen es Versicherten nicht leicht, sich einen ersten Überblick zu verschaffen. "Das Unschöne für die Verbraucher ist, dass die Bonusprogramme sehr komplex und schwer zu vergleichen sind", sagt Behrendt. Jeder Kasse ist es selbst überlassen, wie sie ihr Bonusprogramm gestaltet.

Vergleichsrechner helfen

Für einen ersten Überblick empfiehlt Behrendt den kostenpflichtigen Vergleichsrechner auf finanztest.de. Hier können Interessenten für den Preis von drei Euro die Angebote von einem Großteil der deutschen Krankenkassen auf bestimmte Merkmale hin - wie etwa die Bonusprogramme – untersuchen. Einen kostenlosen Überblick gibt es auf stern.de.

Vergleichsrechner ersetzen allerdings nicht die individuelle Beratung. "Der Vergleichsrechner von Stiftung Warentest errechnet seine Ergebnisse anhand eines Musterkunden", sagt Berendt. "Nach dieser Vorrecherche sollten Verbraucher noch einmal gezielt bei den Kassen nachfragen, wie sich das Programm für ihre individuelle Lebenssituation darstellt."

Bisher nutzt eine Minderheit der Versicherten die Bonusprogramme. Bei der Barmer etwa sind es nach eigenen Angaben 5,8 Prozent der über 8,6 Millionen Versicherten. Marktführer Techniker Krankenkasse will die Teilnehmerzahl an seinem Programm nicht nennen.

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