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Die beste Versicherung für jeden Typ

Experten gehen davon aus, dass es für Versicherte langfristig deutlich teurer wird. Millionen Kassenmitglieder fragen sich: Wie kann ich trotzdem sparen? Ein Führer durch den Krankenkassendschungel.

Von Andreas Hoffmann und Elke Schulze

  Gesundheit ist ein teures Gut - doch auch trotz einheitlicher Beitragssätze lässt sich mit der richtigen Krankenversicherung Geld sparen

Gesundheit ist ein teures Gut - doch auch trotz einheitlicher Beitragssätze lässt sich mit der richtigen Krankenversicherung Geld sparen

In vielen Lebensbereichen gelingt es uns, als aufgeklärte und selbstbewusste Verbraucher aufzutreten – doch vom "mündigen Patienten" ist nur selten die Rede. Natürlich: Ein Arzt ist schließlich Experte, und der Patient befindet sich mit seinen Sorgen und Ängsten in einer seelischen Ausnahmesituation. Zudem finden Sie als Versicherter und Kranker sich schnell in einem Dschungel von Vorschriften wieder. Zwar kann mitunter eine Nachfrage bei der Krankenkasse oder beim Hausarzt weiterhelfen, doch auch die sind Interessenvertreter in einem Gesundheitswesen, das zunehmend ökonomischen Prinzipien unterliegt.

Denn Gesundheit, das wissen die Versicherten nur zu genau, ist ein teures Gut in Deutschland: 15,5 Prozent vom Bruttolohn kostet der Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse. So viel wie noch nie. 7,3 Prozent zahlt der Arbeitgeber, 8,2 Prozent der Arbeitnehmer. Für alle, deren Einkommen über der Bemessungsgrenze von 4050 Euro im Monat liegt, steigen die Beiträge 2014 auf ein Rekordniveau von 627,75 Euro.

Ungewisse Zukunft

Die große Koalition plant zwar, den Beitragssatz auf 14,6 Prozent zu senken, Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen ihn jeweils zur Hälfte tragen. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass die Krankenversicherung billiger wird. Benötigen einzelne Kassen mehr Geld, können sie prozentuale Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern erheben. Experten rechnen mit Zusatzbeiträgen von im Schnitt mindestens 1,5 Prozent des Einkommens in wenigen Jahren.

Wem die eigene Kasse zu teuer wird, der kann zu einem anderen Anbieter wechseln. AOK, Barmer und Co. versuchen, mit Service und speziellen Leistungen bei den Versicherten zu punkten. Sie versprechen Schwerkranken besondere Hilfen, garantieren einen schnellen Termin beim Facharzt oder Hausbesuche. Andere Kassen gewähren Zuschüsse für die häusliche Krankenpflege oder zahlen im Notfall eine Haushaltshilfe. Wieder andere übernehmen - gegen Aufpreis - die Kosten der Zahnreinigung oder erstatten homöopathische Medikamente. Es lohnt sich genauer hinzuschauen.

Welche Leistungen benötige ich?

Der erste Schritt ist, sich selbst genau zu prüfen. Welches Angebot richtig ist, hängt von den eigenen Bedürfnissen ab. Gesunde interessiert anderes als Kranke. Wer unter Diabetes leidet, dem kann zuweilen eine andere Kasse mit einer besseren Behandlung helfen. Wer dagegen selten zum Arzt geht und sparen will, kann einen Teil der Kosten für Medikamente selbst tragen. Dafür erhält er am Jahresende Geld zurück. Manchem ist eine 24-Stunden-Hotline wichtig, dem anderen die Geschäftsstelle um die Ecke oder er wünscht spezielle Vorsorgeuntersuchungen.

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Auf den folgenden Seiten stellt Ihnen stern.de fünf Versicherte vor, die entlang ihrer jeweiligen Bedürfnisse das richtige Krankenkassenpaket für sich gefunden haben.

Die Sparsame

Petra Berger*, 31, rechnet ganz genau. Die Bankangestellte aus Köln hat sich bei ihrer Krankenkasse für einen Tarif mit Selbstbehalt entschieden. Der funktioniert wie eine Teilkaskoversicherung beim Auto, wo man den Schaden teilweise selbst trägt. Berger hat sich verpflichtet, Kosten bis zu 580 Euro selbst zu übernehmen, die sie, ihr 39-jähriger Mann Jan, und ihr zweijähriger Sohn Lukas im Jahr verursachen. Dabei geht es um Ausgaben für Arzneien und Klinikaufenthalte, nicht aber für Arztbesuche oder Vorsorgeuntersuchungen.

"Wir sind alle fit und nicht chronisch krank", sagt sie. Ist mal einer erkältet, will sie die Pillen selbst bezahlen. Für den Selbstbehalt zahlt ihr die Kasse einen Bonus von 500 Euro. Das bedeutet: Betragen die Kosten der Bergers nur 400 Euro, machen sie 100 Euro Gewinn. Verursacht die Familie mehr als 500 Euro, etwa wegen einer schweren Krankheit, legt sie Geld drauf - begrenzt. "Wir müssten dann höchstens 80 Euro zahlen." Denn oberhalb von 580 Euro zahlt die Kasse alles.

Kasse zahlt bei Gesundheit

Mit solchen Angeboten an Gesunde wollen viele Kassen punkten: Wer gesund lebt, Sport treibt und zu Vorsorgeuntersuchungen geht, erhält Geld- oder Sachprämien. Einige Kassen bezuschussen Gesundheitskurse wie Rückentraining oder Aqua-Gymnastik, andere den Gang ins Fitnessstudio, mal werden Auslandsimpfungen bezahlt oder es wird ein Ernährungscoach gestellt.

Bei diesen Angeboten muss der Versicherte Bindungsfristen beachten. Früher galt: Bei sämtlichen Wahltarifen verpflichtete sich der Kunde, für mindestens drei Jahre in dem Tarif zu bleiben und nicht zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Mit Inkrafttreten der Gesundheitsreform 2011 ist die Bindungsfrist bei einem Großteil der Wahltarife ("Beitragrückerstattung", "Arzneimittel") auf ein Jahr verkürzt worden. Für Selbstbehalttarife wie ihn Petra Berger abgeschlossen hat, gilt dies jedoch nicht, die Bindungsfrist beträgt hier weiterhin drei Jahre.

Allerdings gilt seit der "Rösler-Reform" auch für Versicherte in Wahltarifen ein Sonderkündigungsrecht (Ausnahme: "Krankengeld-Wahltarife"), das es Versicherten erlaubt, die Krankenkasse ohne Einhaltung der üblichen Kündigungsfrist zu wechseln, wenn diese einen Zusatzbeitrag einführt oder erhöht.

*Name von der Redaktion geändert

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Die Hausarzt-Gebundene

Um Geld zu sparen, hat Angelika Baumann* aus Hannover die Kasse gewechselt und sich dort für einen Hausarzttarif entschieden. Für Baumann ist der Weg zum Doktor ohnehin kurz: Sie ist Arzthelferin.

Mit der Einführung des Hausarztmodells wollte der Gesetzgeber vermeiden, dass ein Kranker durch die Praxen tourt, doppelt und dreifach geröntgt wird und hohe Kosten verursacht. Deshalb muss in diesem Modell der Patient grundsätzlich erst zum Hausarzt gehen, der ihn wie ein Lotse durch das Gesundheitssystem schleust, auf dass er richtig versorgt werde. Ausnahmen sind Kinder-, Augen- und Frauenärzte, die meistens direkt aufgesucht werden können.

Nachhaltige Verbesserung der Versorgung?

Mehrere Millionen Versicherte haben sich für sogenannte Hausarzttarife entschieden, selbst wenn noch längst nicht jede Krankenkasse die "hausarztzentrierte Versorgung" anbietet. Besonders geeignet ist das Hausarztmodell für Patienten, deren Behandlung aufwändig zu koordinieren ist - wenn also zum Beispiel Hausbesuche erforderlich sind, Pflegepersonal benötigt wird oder mehrere Fachärzte eingebunden werden müssen. Versicherte wie Angelika Baumann profitieren aber auch von erweiterten Sprechzeiten des Hausarztes oder verkürzten Wartezeiten.

Kritiker bezweifeln jedoch, dass die Hausarzttarife tatsächlich eine nachhaltige Verbesserung der medizinischen Versorgung ermöglichen. Den Hausärzten fehle die Kompetenz für fachärztliche Diagnosen, so das Hauptargument. Und auch das müssen Versicherte beachten: Mit der Entscheidung für ein Hausarztmodell binden sie sich wie bei den meisten Wahltarifen für mindestens ein Jahr an ihre Krankenkasse.

*Name von der Redaktion geändert

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Die Naturheil-Anhängerin

Viele Versicherte wünschen sich ohnehin ganz andere Angebote von ihren Kassen: eine stärkere Förderung alternativer Heilmethoden beispielsweise. Martina Rupping* kam vor etwa zwei Jahren nur durch Zufall dahinter, dass ihr Hausarzt eine homöopathische Zusatzausbildung besaß, die ihre Kasse auch anerkennt.

Die 59-jährige Leipzigerin hatte sich selbst wegen regelmäßiger Rheuma- und heftiger Wechseljahrbeschwerden geraume Zeit Globuli und Tropfen verordnet. "Die setzen Sie jetzt erst mal ab", verlangte der Arzt und machte eine Anamnese. Seither nimmt sie, wenn sich die Schweißausbrüche ankündigen, drei vom Arzt verschriebene Kügelchen und fühlt sich besser damit. "Ich habe gleich bei der Kasse angerufen, als ich hörte, dass es einen Wahltarif geben soll, der die Kosten für solche Arzneimittel übernimmt", sagt Rupping. 13 Euro kostet sie das im Monat. Bis zu 300 Euro werden erstattet. Doch das Angebot lohnt sich nur, wenn sie auch eifrig homöopathische Medikamente kauft. Andernfalls zahlt sie bei dem Tarif drauf.

*Name von der Redaktion geändert

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Der chronisch Kranke

Nachdem Handwerksmeister Jürgen Rummel* aus Karlsruhe einen Herzinfarkt erlitten hatte, machte ihn sein Hausarzt auf ein Sonderprogramm für Herzkranke aufmerksam, das seine Krankenkasse aufgelegt hat. Solche "Disease-Management-Programme" (DMP) gibt es auch für Diabetes, Asthma, Brustkrebs und chronische Lungenerkrankungen. Die große Koalition will auch Angebote für Rückenleiden und Depression auf den Weg bringen.

Mehr Kontrolle

Anfangs plagten Rummel Zweifel. "Vielleicht doktert der Hausarzt zu lange an mir herum, statt mich zum Spezialisten zu schicken", fürchtete er. Sein Hausarzt beruhigte ihn. Alle drei Monate wird bei Rummel ein großes Blutbild gemacht und der Blutdruck überprüft. Außerdem ist er unter ärztlicher Betreuung in einer Herzsportgruppe aktiv. "Gymnastik, Aqua-Jogging, Ergometertraining. Da sind wir verkabelt, alle Daten werden aufgezeichnet und analysiert."

Weil die Kasse die Kurse nur in den ersten beiden Jahren nach dem Infarkt zahlt, sollte er fast 190 Euro jährlich selbst übernehmen. Berger hat sich gewehrt, nun schießt die Kasse 100 Euro zu. Rummels Hausarzt sieht Vorteile, weil durch die DMP die Patienten besser betreut würden. Diese würden aber auch mehr kontrolliert, sagt er. Die Kassen wollen die Versorgung chronisch Kranker direkt steuern.

*Name von der Redaktion geändert

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Die Privatversicherte

Ilona Meyer* hat den Wechsel zu einer privaten Krankenversicherung gewagt. Sie haderte mit den gesetzlichen Kassen. Als sie ihre Tochter Sylvia vor einiger Zeit impfen lassen wollte, musste sie den größten Teil der Kosten selbst tragen. Entscheidend für den Wechsel war aber auch die Beitragshöhe. Seit sie Mit-Inhaberin einer Frankfurter Werbeagentur ist, hätte sie bei ihrer bisherigen Kasse zusammen mit Pflege- und Krankengeldversicherung rund 700 Euro im Monat zahlen müssen. Bei ihrem neuen Anbieter sind es nur 430 Euro. "Ich spare so fast 300 Euro im Monat und habe noch bessere Leistungen", sagt sie.

Wie Ilona Meyer geht es vielen jungen Selbstständigen oder Besserverdienern. Sie können mit einem Wechsel zu den Privaten Geld sparen und freuen sich über die Vorzugsbehandlung beim Arzt. Für ältere Privatversicherte sieht die Situation anders aus: Viele beklagen, dass die Versicherer regelmäßig die Beiträge erhöhen.

Im brancheneinheitlichen Basistarif müssen sie jeden annehmen, der selbstständig oder Beamter ist oder als Angestellter ein Jahr lang mehr als die Versicherungspflichtgrenze von 4.462,50 Euro im Monat verdient hat. Und zwar unabhängig von seinem Gesundheitszustand. Der Wechsel in den Basistarif bringt aber einen Nachteil: Der Privatpatient wird wieder auf Kassenniveau behandelt.

In jedem Fall ist es heute für Privatversicherte leichter, den Anbieter zu wechseln. Wer früher bei einem neuen Versicherer unterschrieb, verlor viel Geld. Denn die Unternehmen legen von den Prämien etwas zurück, um steigende Kosten im Alter zu mildern, wenn die Leute oft zum Arzt gehen. Bei einem Wechsel behielt der Versicherer bisher diese Rückstellungen ein, seit 2009 muss er dem Kunden einen Teil mitgeben. Auch deswegen sind die Prämien in der privaten Krankenversicherung gestiegen. Beobachter wissen längst: Die Preisschraube für Privatpatienten dreht sich schon seit einiger Zeit schneller als für Kassenmitglieder.

Die Umstellung auf Unisextarife Ende Dezember 2012 hat diese Entwicklung noch einmal verstärkt: Für Männer sind Neuverträge nun deutlich teurer, für Frauen aber meist nicht günstiger. Da die alten Bisextarife für junge gesunde Neueinsteiger geschlossen sind, könnte es langfristig auch hier teurer werden.

*Name von der Redaktion geändert

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Mitarbeit: Björn Erichsen, Friederike Krieger/print

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Hallo, ich habe am 20 März 15 einen Vertrag über 12 Monate mit einem Fitness-Studio abgeschlossen. Die Kosten (9,98 € 14-Tägig, 39,99€ Verwaltung einmalig, 19,99 Trainer und Servicepauschale Jährlich) sollten per Einzugsermächtigung abgebucht werden. Kürzlich bekam ich überraschend einen Brief von einem Inkassobüro mit der Zahlungsaufforderung für die gesamten 12 Monate inkl. der Verwaltung und Servicepauschale + Auslagen des Gläubigers (63,38€), Zinsen (1,42€), Geschäftsgebühr (45€), Auskunftskosten (5€) , Auslagenpauschale (9€) Hauptforderung 320,28€ Offene Forderung 444,08€ Nach dem ich mich bei der Firma erkundet habe, sagten sie mir, dass Zahlung zurückgegangen ist da mein Konto nicht gedeckt sei. Fakt war das sie einen Zahhlendreher in der Kontonummer hatten obwohl im meinem Durchschlag die Richtige Kontonummer angegeben wurde. Aber im Original hat jemand aus einer 3 eine 8 geändert. Nach Überprüfung konnte ich Feststellen das es diese Kontonummer gar nicht gibt und das diese vom System gar nicht angenommen wird. Spätestens da hätte man mich doch hinweisen oder fragen können was mit dem Konto sei. Es kam nie ein zu einem Zahhlungsrückgang, noch zu einer Zahlungserinnerung Mahnung seitens des Fitnessstudios. Die AGB´s habe ich nie zu Gesicht nie bekommen und auch nicht gelesen - diese stehen (nach meiner Recherche) im Internet aber auch nicht definiert wie man in Zahlungsverzug kommt. Leider habe ich unterschrieben das sie mir bekannt sind. Dies steht ganz kleingedruckt im Durchschlag. Ich habe der Firma vorgeschlagen die offenen Beiträge bis jetzt zu bezahlen und für die Zukunft eine neue Einzugsermächtigung zu erteilen, was sie aber abgelehnt haben und mir gesagt haben ich soll dies mit dem Inkassobüro klären. Der Fitnessvertrag ist somit gesperrt seit einem Monat. Da ich aber mit den Gebühren, Mahnspesen von dem Inkassobüro nicht einverstanden bin weiß ich nicht ob ich diese bezahlen muss. Ich habe dem Inkassobüro auch vorgeschlagen die offenen Beiträge zu begleichen und diese dann wie vertraglich vereinbart abgebucht werden. Sie haben mir angeboten diese in einem Jahr zu einem monatlichen Beitrag von 35€ abzuzahlen. Dies währen Mehrkosten von 100€, ist das rechtens? Bitte Antworten sie mir in einer Sprache die ich auch versteh - mit langen Gesetzestexten kann ich leider nicht umgehen Und was Sie denken was ich tun soll was rechtens ist. Vielen Dank im Voraus

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