Was bringen die neuen Versorgungsformen?

17. September 2011, 10:50 Uhr

Hausarztmodelle, integrierte Versorgung, Programme für chronisch Kranke - der Gesetzgeber fordert von den gesetzlichen Krankenkassen spezielle Versorgungsangebote. Doch was bringen die Modelle? Von Andrea Westhoff und Justin Westhoff

Krankenkasse, GKV, Wahltarif, neue Versorgungsformen, DMP, Hausarztmodell

Die gesetzlichen Krankenkassen sind verpflichtet, versorgungsorientiete Wahltarife anzubieten©

In den vergangenen Jahren sind einige neue Arten der Krankenversorgung eingeführt worden, die zum einen die Qualität der Behandlung verbessern, zum anderen Kosten verringern sollen. Damit haben sich einige Rechte und Pflichten verändert, die auch Vorteile für die Patienten bringen. Konkret sind dies sogenannte Disease-Management-Programme für chronisch Kranke (DMP), Hausarztmodelle sowie Ansätze zur integrierten Versorgung.

Programme für chronisch Kranke

Wenn Sie an einer dauerhaften Krankheit leiden, ist es durchaus sinnvoll, sich von einem bestimmten Arzt betreuen zu lassen, der den Überblick über Ihre Entwicklung, die Behandlungen einschließlich der Medikamente sowie über Ihre Lebensführung hat. Solche Disease-Management-Programme (DMP) gibt es derzeit für:

Diabetes Typ I und II
• Die koronare Herzkrankheit (KHK)
Asthma / chronisch obstruktive Lungenerkrankung
• Brustkrebs.

Die große Koalition will auch Angebote für Rückenleiden und Depression auf den Weg bringen.

Sie können sich freiwillig für die kostenlose Teilnahme an einem DMP entscheiden. Die Kassen bieten als Anreiz einige Vergünstigungen an, etwa Prämienzahlungen oder auch Ermäßigungen bei Zuzahlungen. Dafür verzichten Sie zum Teil auf Ihr Recht der freien Arztwahl. Es haben sich bereits mehrere Millionen Versicherte in solch ein Programm eingeschrieben. Untersuchungen zeigen vor allem am Beispiel der Diabetiker, dass die Chroniker-Programme die Versorgung verbessern.

Wenn für Sie diese erst seit wenigen Jahren angebotene Form der ärztlichen Versorgung attraktiv ist, fragen Sie einfach den Arzt Ihres Vertrauens, ob er am entsprechenden DMP teilnimmt. Beraten Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt, ob eine Teilnahme für Sie möglich und sinnvoll ist. Mit Ihrer Teilnahmeerklärung schließen Sie einen Vertrag ab, der insbesondere bedeutet, dass Sie bereit sind, Ihren "Behandlungsprozess aktiv zu unterstützen". Das heißt konkret, dass Sie beispielsweise an den ärztlich empfohlenen Schulungen teilnehmen. Sollte Ihr Hausarzt kein DMP anbieten, informieren Sie sich bei ihrer Krankenkasse.

Die Chroniker-Programme sind aber keine neuartigen Therapien, sondern wirken eher koordinierend und unterstützend. Alle Therapieentscheidungen werden zwischen den mitbehandelnden Ärzten abgesprochen. Die Patienten bekommen für Laien verständliche Informationsbroschüren, zudem werden Kurse und Schulungen angeboten. Ein DMP umfasst auch Erinnerungen an Arzttermine (per Brief oder E-Mail), zum Beispiel für den Zuckerkranken der einmal jährlich zum Augenarzt gehen sollte. Ein Versuch kann es in jedem Fall wert sein: Die DMP-Teilnahme können Sie jederzeit und ohne Angabe von Gründen kündigen.

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