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Ärztliche Fürsorge oder Abzocke?

An den individuellen Gesundheitsleistungen scheiden sich die Geister. Experten halten viele der Leistungen, die Patienten selbst zahlen müssen, für überflüssig. Ein Wegweiser.

Von Andrea Westhoff und Justin Westhoff

Die individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) sind Behandlungsmethoden, die Kassenärzte ihren Patienten gegen Selbstzahlung anbieten. Es handelt sich dabei um Leistungen, die nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gedeckt sind, weil sie über das gesetzliche Maß einer "ausreichenden, zweckmäßigen und wirtschaftlichen" Patientenversorgung hinausgehen. Manche Maßnahmen jedoch sind umstritten: Kritiker bemängeln, dass diese für den Arzt lukrativen Privatabrechnungen in der Arztpraxis beworben werden und inzwischen bei vielen Medizinern einen zweistelligen Prozentsatz der Einnahmen ausmachen.

Über den Nutzen lässt sich streiten

Nun gibt es durchaus IGeL-Angebote, die auch Sachkenner als sinnvoll oder wenigstens akzeptabel bezeichnen. In Zeiten leerer Kassen würde das Wirtschaftlichkeitsgebot durch den Gesetzgeber zu streng ausgelegt, so ein Argument. Selbstverständlich lässt sich trefflich über den wissenschaftlichen Nutzen von Behandlungen streiten, und auch bei manch sinnvoller Behandlungsmethode dauert es eine Weile, bis diese ihren Weg in den Leistungskatalog der GKV findet. Andere IGeL-Angebote hingegen werden von unabhängigen Experten als zweifelhaft oder gar gesundheitsschädlich eingestuft, eine ganze Reihe liegt zwischen diesen beiden Extremen.

Einen Anhaltspunkt, ob eine Leistung sinnvoll ist, kann der "IGeL-Monitor" der Krankenkassen bieten. Auf dieser Website bewertet der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen nach strengen wissenschaftlichen Kriterien den Nutzen verschiedener IGel-Angebote.

AuchVerbraucherzentralen und Patientenorganisationen bieten Beratungen an, wenn der Arzt Leistungen privat abrechnen möchte. Es lohnt sich auch immer, bei der Krankenkasse nachzufragen, ob eine der vermeintlichen individuellen Gesundheitsleistungen nicht doch im Leistungskatalog der GKV steht.

Welche Leistungen Ihre gesetzliche Krankenkasse bezahlt, können Sie mit dem Krankenkassen-Vergleich von stern.de herausfinden. Eine Auswahl medizinischer Angebote, die nicht oder nur bedingt auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen zu haben sind, stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

Akupunktur

Diese Leistung wird mittlerweile in einigen Fällen von der GKV bezahlt. Bevor Sie die Kosten hierfür privat übernehmen, erkundigen Sie sich erst einmal bei Ihrer Krankenkasse.

IgG-Antikörpertest

300 bis 400 Euro kostet ein IgG-Antikörpertest, mit dem eine Nahrungsmittelunverträglichkeit festgestellt werden soll. Die Bestimmung des Immunglobulin G (IgG) soll dabei ein Hinweis auf eine Allergie sein. Doch Experten bewerten das Verfahren als nutzlos. Ein hoher IgG-Wert im Blut gehe nicht mit Allergie-Symptomen einher, so das Fazit des "IGeL-Monitors". Zudem sei für Allergien ein anderer Typ von Immunglobulinen verantwortlich. Das Geld können sich Patienten also sparen. Liegt der Verdacht auf eine allergische Reaktion vor, zahlt die Krankenkasse ohnehin einen Allergietest, etwa den Hauttest.

Augeninnendruckmessung

Dieser Test zur Früherkennung eines Grünen Stars (Glaukom) ist ein Verkaufsschlager unter den individuellen Gesundheitsleistungen. Ein erhöhter Augeninnendruck kann darauf hinweisen, dass sich ein Grüner Star entwickelt. Allerdings ist er kein zuverlässiges Vorhersagekriterium. Liegt kein Verdacht auf ein Glaukom vor, zahlt die Kasse die Messung daher nicht. Als reine Vorsorgeuntersuchung gehört der Test nicht zum GKV-Leistungskatalog und ist eher nicht empfehlenswert. Aber wie bei vielen Vorsorgemaßnahmen kann die GKV die Kosten unter Umständen doch übernehmen: Bei Verdachtsmomenten, nach Augenoperationen oder wenn Grunderkrankungen vorliegen, die das Risiko erhöhen, am Grünen Star zu erkranken, kann die Untersuchung sinnvoll sein.

Darmkrebsvorsorge

Die oft beworbene Früherkennung mithilfe einer Darmspiegelung ab dem Alter 55 gehört zu den Kassenleistungen. Das gilt auch für den Teststreifen zur Untersuchung auf Blut im Stuhl (ab 50 Jahren), der aber unzuverlässig ist und bestenfalls als erster Hinweis dienen kann. Für einen weiteren Test, den umstrittenen "immunologischen Darmkrebstest" müssen Sie hingegen selbst zahlen. Ob die "virtuelle Darmspiegelung" mit Hilfe eines Computertomografen besser ist als die klassische Methode, bezweifeln manche Experten. Die Vorbereitung (intensives Abführen) bleibt Ihnen auch hier nicht erspart. Und wenn der Arzt bei der Untersuchung etwas entdeckt, müssen Sie doch noch die klassische Prozedur – Spiegelung und gegebenenfalls Entnahme von Gewebe – über sich ergehen lassen. Unser Rat, jedenfalls ab einem gewissen Alter: Nehmen Sie lieber das Angebot der GKV wahr.

Eigenbluttherapie

Gemeint ist nicht die Entnahme und Aufbewahrung Ihres Blutes vor einer geplanten Operation, sondern die Behauptung, es stärke Immunsystem und Kondition, wenn Sie sich Blut abzapfen und dann wieder zuführen lassen. Uns erinnert das stark an Eigenurinkuren. Mit der Eigenblutbehandlung könnten Sie vielleicht bei der Tour de France mitradeln, allerdings nur als weiterer Dopingfall. Unser Rat: Finger weg!

Knochendichtemessung

Knochenschwund bei Frauen nach den Wechseljahren (die häufigste Form der Osteoporose) ist ein echtes Problem. Der Wert von Knochendichtemessungen aber ist sehr umstritten. Außerdem können bestimmte Medikamente, die gegen Osteoporose eingesetzt werden (Bisphosphonate), erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen. Einige Fachleute sagen, sie sollten nicht zur Vorbeugung eingesetzt werden. Wenn Sie schon einmal im entsprechenden Alter eine Fraktur hatten, kann die GKV die Untersuchung bezahlen. Unser Fazit: als IGeL sehr zweifelhaft.

Lebensprognose

Einige Gynäkologen bieten teure "Präventionsdiagnostik" für das Baby mithilfe von DNA-Tests an. Kind und Eltern erfahren so angeblich, welche Krankheiten im Lauf des Lebens sicher beziehungsweise wahrscheinlich auftreten werden. Abgesehen von der Zuverlässigkeit der Vorhersage lautet unsere Frage: Wer will das wissen? Auch für Erwachsene werden derartige Tests angeboten, mit denen etwa Aussagen über die Herzinfarktwahrscheinlichkeit getroffen werden sollen. Auch hier wird von Experten die Zuverlässigkeit angezweifelt.

Magnetfeldtherapie

Die Behandlung wird häufig von Orthopäden angeboten, zum Beispiel bei Arthrose. Manche verweisen auf wissenschaftliche Studien, die eine Wirkung angeblich belegen, andere wiederum sind der Meinung, dass ein positiver Effekt, wenn es ihn überhaupt gibt, auf Einbildung beruht. Die Kasse zahlt nicht, die Therapie ist nicht billig. Wir sind eher skeptisch, wollen aber keine Empfehlung abgeben.

Ozonbehandlung

Die Sauerstofftherapie wird von der GKV nicht bezahlt. Grund: Die Wirksamkeit wird als recht zweifelhaft bewertet. Unser Fazit: sehr umstritten.

Reiseprophylaxe

Die GKV zahlt Impfungen oder Malariamittel nur, wenn der Betreffende sich nicht auf eine Vergnügungsreise begibt. Sie können diese Vorsorge jedoch auf eigene Kosten machen lassen. Wenn Sie also nach Afrika oder Asien in den Urlaub fahren und dort tropische Krankheiten oft vorkommen, sollten Sie sich von einem sachkundigen Arzt oder einem tropenmedizinischen Institut beraten lassen. Fazit: Die Vorsorge ist unbedingt anzuraten.

Sportmedizinische Untersuchung

Die GKV übernimmt die Kosten für eine Untersuchung nicht, wenn Sie mit anstrengendem Freizeitsport oder gar Leistungssport anfangen möchen, vorsichtshalber aber prüfen lassen wollen, ob zum Beispiel Ihr Herz mitmacht. Dennoch sind solche Untersuchungen in jedem Fall angeraten. Ähnliches gilt für Tauch- oder Flugtauglichkeitsprüfungen. Die hierfür notwendigen Atteste müssen Sie ebenfalls selbst bezahlen. Fazit: bei Bedarf sehr sinnvoll.

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