Die wichtigsten Begriffe und was sie bedeuten

7. Februar 2011, 12:40 Uhr

Alterungsrückstellungen, Beitragsbemessungsgrenze, Aut-Idem-Regelung - kennen Sie sich aus mit dem deutschen Gesundheitswesen? stern.de erklärt die wichtigsten Begriffe.

Alterungsrückstellung

Finanzielles Vorsorgepolster, das die private Krankenversicherung für ihre Versicherten anlegen muss. Mit diesen Rückstellungen sollen die im höheren Alter steigenden Prämien aufgrund höherer Leistungsausgaben abgefedert werden.

Alternativmedizin

Auch Komplementärmedizin. Bezeichnet Behandlungsmethoden und diagnostische Konzepte, die sich als Alternative oder Ergänzung der wissenschaftlich begründeten Schulmedizin verstehen. Wichtig für Versicherte: Die Kosten für Alternativmedizin werden nur selten erstattet.

Aut idem

Nach der Aut-idem-Regelung (Latein für „oder ein Gleiches“) sind die Apotheker verpflichtet, bei der Verordnung eines Medikaments ein wirkstoffgleiches preisgünstigeres abzugeben. Einzige Ausnahme: Der Arzt schließt den Austausch durch ein Kreuz im Aut-idem-Kasten auf dem Rezeptvordruck ausdrücklich aus. Durch die Regelung erhofft sich der Gesetzgeber Einsparungen im Arzneimittelbereich.

Basistarif

Seit der Einführung der Versicherungspflicht müssen die privaten Krankenversicherer einen brancheneinheitlichen Basistarif anbieten, der vom Leistungsumfang her der GKV entspricht. Dadurch können beispielsweise Selbstständige wieder eintreten, die ihren Versicherungsschutz verloren hatten, weil sie die hohen Kosten nicht mehr tragen konnten. Der Gesundheitszustand spielt im Basistarif keine Rolle, entscheidend für die Prämienhöhe ist das Alter. Die Prämien dürfen den Höchstbeitrag der GKV nicht überschreiten.

Beitragsbemessungsgrenze

Der Betrag, bis zu dem Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung erhoben werden. Bruttoeinkommen das die Beitragsbemessungsgrenze übersteigt, bleibt für die Erhebung der Beiträge außer Betracht. 2014 liegt die Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung bei 48.600 Euro im Jahr (4050 Euro/Monat).

Bindungsfrist

Versicherte müssen sich 18 Monate an eine Krankenkasse binden, danach ist eine Kündigung mit einer Frist von zwei Monaten zum Monatsende möglich. Bei einer Beitragserhöhung besteht ein Sonderkündigungsrecht. Achtung: Bei manchen Wahltarifen ist der Versicherte für drei Jahre an die Kasse gebunden.

Generikum

Eine wirkstoffgleiche Kopie eines bereits unter einem Markennamen auf dem Markt befindlichen Medikaments. Das Nachahmerprodukt kann sich dabei durchaus vom Originalpräparat hinsichtlich enthaltener Hilfsstoffe und Herstellungstechnologie unterscheiden.

Gesundheitsfonds

Seit dem 1. Januar 2009 werden die Einnahmen der GKV zentral in einem Gesundheitsfonds gepoolt. Aus diesem bekommen die Kassen Zuweisungen, aus denen sie die Ausgaben für die Leistungen und ihre Verwaltungskosten finanzieren sollen. Mit der Einführung des Gesundheitsfonds gilt für alle GKV-Versicherten ein einheitlicher Beitrag von 15,5 Prozent vom Bruttoeinkommen. Die große Koalition plant, den Beitrag auf 14,6 Prozent zu senken. Benötigt eine Kasse mehr Geld, kann sie einen Zusatzbeitrag erheben. Ihn muss der Versicherte allein finanzieren.

GKV

Zu den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gehören die Allgemeinen Ortskrankenkassen, die Betriebs- und Innungskrankenkassen, Landwirtschaftliche Kassen, die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See sowie die Ersatzkassen. Die Zahl der Kassen ist rückläufig, Anfang 2014 gab es 132 verschiedene Anbieter.

Hausarztmodell

In der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) übernimmt der Hausarzt als erste Anlaufstelle eine Lotsenfunktion für den Patienten und koordiniert sämtliche Behandlungsschritte. Ziele sind bessere Versorgung und Kosteneinsparungen.

Heil- und Kostenplan

Behandlungsplan des Zahnarztes mit Übersicht über Leistungen (z.B. Zahnersatz) und deren voraussichtliche Kosten. Der Zahnarzt muss das Dokument kostenlos erstellen, als Patient müssen Sie es bei Ihrer Krankenkasse einreichen, um einen möglichen GKV-Anteil zu bekommen, den sogenannten Festzuschuss.

IGeL

Individuelle Gesundheitsleistungen, die Ärzte gesetzlich Versicherten gegen Selbstzahlung anbieten. Diese reichen über das vom Gesetzgeber definierte Maß einer ausreichenden und notwendigen Patientenversorgung hinaus, der Nutzen ist in vielen Fällen umstritten. Zu diesen Leistungen zählen etwa Allergietests, Knochendichtemessungen oder die Magnetfeldtherapie. Die Ärzte sind verpflichtet, mit dem Patienten vor der Behandlung einen Vertrag über die IGeL-Leistungen abzuschließen und eine ordentliche Rechnung zu erstellen.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen

Die Aufgabe des "Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen" (IQWiG) ist vor allem die evidenzbasierte Bewertung des aktuellen medizinischen Wissenstands zu diagnostischen und therapeutischen Verfahren.

Kassenärztliche Vereinigung

Den nach Bundesländern aufgeteilten Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) gehören automatisch alle Ärzte an, die zur ambulanten Behandlung von GKV-Patienten zugelassen sind. Die KV soll die ärztliche Versorgung in den Regionen sicherstellen, vertritt die Interessen der Kassenärzte und handelt für sie die Honorare mit den Krankenkassen aus.

Kopfpauschale

Konzept zur Finanzierung der GKV durch gehaltsunabhängige Beitragszahlungen.

Kostenerstattungsprinzip

Neben dem regulären Sachleistungsprinzip kann der GKV-Versicherte sich auch nach dem Kostenerstattungsprinzip versichern. Wie bei den privaten Krankenversicherern muss er dann die in Anspruch genommenen medizinischen Leistungen vorfinanzieren. Achtung: Die Kasse zahlt immer nur so viel, wie es dem Wirtschaftlichkeitsgebot entspricht.

Künstlersozialkasse

Die Künstlersozialkasse ermöglicht freischaffenden Künstlern und Publizisten Zugang zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Die Versicherten zahlen dabei lediglich die Arbeitnehmerbeiträge.

Lifestyle-Präparate

Oberbegriff für Produkte, die in erster Linie der Verbesserung des Wohlbefindens und des Aussehen Lebens dienen und von der Krankenkasse nicht übernommen werden. Dazu zählen etwa Potenzmittel wie Viagra, Haarwuchsmittel oder Mittel zur Rauch-Entwöhnung.

PKV

In der privaten Krankenversicherung (PKV) können sich Beamte, Freiberufler und Selbständige versichern, ebenso Arbeitnehmer deren Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt. In der PKV bemessen sich die Beiträge nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem gewählten Leistungsumfang sowie Alter und Gesundheitszustand des Versicherten.

Palliativversorgung

Oder Palliativpflege. Beschreibt die pflegerischen Maßnahmen, die der Lebensqualität von Patienten mit unheilbaren Erkrankungen und der Unterstützung der Angehörigen dienen. Schwerpunkt dieses Konzeptes ist die Vorbeugung und Linderung von Leiden.

Sachleistungsprinzip

Beim in der GKV üblichen Sachleistungsprinzip regelt die Kasse die finanzielle Abwicklung der Leistungen direkt mit den Leistungserbringern wie Apotheken, Krankenhäusern oder den Kassenärztlichen Vereinigungen.

Satzungsleistungen

Über die Pflichtleistungen hinaus bieten viele Kassen Mehrleistungen nach eigenem Ermessen an, etwa ambulante Vorsorgekuren, höhere Zuschüsse für Rehabilitationskurse oder alternative Heilmethoden. Diese Leistungskataloge finden Versicherte in den Satzungen der Krankenkassen. Der Versicherte erhält mit der Krankenversichertenkarte Zugang zu den Leistungen.

Überforderungsklausel

Die Überforderungsklausel schützt Versicherte vor unzumutbaren Belastungen durch Zuzahlungen. Je nach Leistungsfähigkeit des Versicherten hat eine vollständige oder teilweise Befreiung von der Zuzahlungspflicht zu erfolgen.

Versicherungspflicht

Seit dem 1. Januar 2009 gilt für die fast 81 Millionen Bundesbürger die Versicherungspflicht, im Krankheitsfall soll niemand in Deutschland ohne Schutz dastehen. Entscheidend dafür, ob man in die GKV eintreten muss oder sich privat absichern darf, ist bei Angestellten die Versicherungspflichtgrenze.

Vertragsarzt

Der Vertrags- oder Kassenarzt ist jeder im Rahmen der GKV zur Behandlung von sozialversicherten Patienten zugelassene Arzt. Organisiert ist das Vertragsarztwesen in den Kassenärztlichen Vereinigungen.

Versicherungspflichtgrenze

Die Versicherungspflichtgrenze (auch als Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) bezeichnet) bestimmt, ab welcher Höhe des jährlichen Brutto-Arbeitsentgelts ein Arbeitnehmer nicht mehr in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert ist. 2014 liegt die Grenze bei 53.550 Euro im Jahr (4462,50/Monat).

Wahltarife

Spezielle Tarife der GKV, bei denen Versicherte etwa durch Selbstbehalte Beiträge sparen können oder Zusatzleistungen wie Zahnersatz oder eine besondere Behandlung im Krankenhaus erhalten.

Wirtschaftlichkeitsgebot

Das Wirtschaftlichkeitsgebot ist ein Grundprinzip der GKV, die nur die Kosten für Leistungen übernimmt, sofern diese ausreichend und zweckmäßig sind und das Maß des Notwendigen nicht überschreiten.

Zusatzbeiträge

Der Zusatzbeitrag ist ein einkommensunabhängiger Betrag, der vom Mitglied direkt an die Krankenkasse zu leisten ist. Reicht das Geld der Kasse nicht für alle notwendigen Leistungen, kann sie seit 2011 Zusatzbeiträge in beliebiger Höhe erheben. Die große Koalition plant neue Regeln für die Zusatzbeiträge: Künftig sollen die Kassen sie nicht mehr pauschal, sondern in Prozent vom Einkommen der Mitglieder erheben.

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