Die Krankenversicherung sinnvoll aufrüsten

27. November 2011, 08:15 Uhr

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nicht mehr alles. Für bestimmte Risiken können Sie aber Zusatzversicherungen abschließen - etwas für Krankenhausaufenthalte oder Zahnersatz.

Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird seit einigen Jahren deutlich eingeschränkt. Vor allem teure Behandlungen wie etwa beim Zahnarzt übernehmen die Kassen nur noch zum Teil. Doch dafür gibt es inzwischen private Zusatzversicherungen. Bei diesen arbeiten die GKV in der Regel mit privaten Anbietern zusammen, mit denen sie spezielle Konditionen (Gruppentarife) ausgehandelt haben. Die Barmer GEK etwa kooperiert mit der HUK Coburg, die DAK mit der Hanse Merkur und die Techniker mit Envivas.

Derartige Gruppentarife sind häufig günstiger als der Abschluss direkt beim Anbieter. Das Problem: Bei einem Wechsel der Kasse kann man die Gruppentarif-Zusatz-Police nicht mitnehmen. Diesen Nachteil haben kassenungebundene Tarifangebote nicht. Doch auch wenn eine Krankenkasse mit einem "rabattierten" Gruppentarif des privaten Partners wirbt, sollten Verbraucher Vergleichsangebote einholen.

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Zahnzusatzversicherung

Um die hohen Kosten von Zahnbehandlungen zumindest mindern zu können, bieten Versicherungen verschiedene Policen an. Einige ersetzen die Behandlungskosten in Höhe von bis zu 90 Prozent. Kostenpunkt: Ab 7 Euro pro Monat - die eigentliche Versicherungsprämie hängt stark vom Eintrittsalter, den Vorerkrankungen und dem gewünschten Versicherungsschutz ab.

Allerdings gilt es bei diesen Versicherungen besonders, auf die genauen Vertragsdetails zu achten: Oft wird mit hohen Erstattungsquoten geworben, in Wahrheit bezieht sich der Prozentsatz jedoch manchmal nur auf einen kleinen Teil der Behandlung.

Auslandskrankenversicherung

Wer in Deutschland gesetzlich oder privat krankenversichert ist, genießt den Schutz seiner Krankenversicherung in den meisten europäischen Staaten nur mit Einschränkungen: Normalerweise wird nur das erstattet, was im jeweiligen Land den dort versicherten Bürgern zusteht - und das ist in sehr vielen Fällen deutlich weniger als in Deutschland. Und wer seinen Urlaub außerhalb Europas verbringt, hat über seine "normale" Krankenversicherung fast immer gar keinen Versicherungsschutz.

Abhilfe schafft in allen Fällen eine private Auslandskrankenversicherung - und die ist meist schon für wenige Euro im Jahr zu haben. Als "absolutes Muss" sieht Stiftung Warentest diese private Zusatzversicherung an. Sie ist hauptsächlich für Notfälle gedacht und zahlt in der Regel für ambulante und stationäre Behandlungen, die verordneten Medikamente, Verbands- und Heilmittel sowie schmerzstillende Zahnbehandlungen, einfache Zahnfüllungen oder Reparaturen von Zahnersatz. Ebenfalls enthalten sind der Transport zum nächsten Krankenhaus oder Notarzt sowie bei einem Krankenhausaufenthalt ärztliche Leistungen, Sachmittel, Unterbringung und Verpflegung. Auch ein Rücktransport nach Hause ist abgedeckt, sofern dieser vom Arzt verordnet wurde.

Kleinere Behandlungen im Ausland zahlen Sie zunächst selbst. Das Geld bekommen Sie anschließend daheim vom Versicherer zurück. Bei größeren Behandlungen regelt der Versicherer die Bezahlung direkt mit dem Arzt oder der Klinik. In EU-Ländern verlangen manche Auslandskrankenversicherungen außerdem, dass Sie die Behandlung zuerst mit Ihrer normalen Krankenkasse abrechnen.

Lassen Sie sich unbedingt die freie Arztwahl von Ihrer Versicherung bestätigen. Leider haben sich an beliebten Urlaubsorten oft deutsch sprechende Privatärzte angesiedelt, die gerne auch überhöhte Honorare nehmen. Fragen Sie daher vorher nach den Behandlungskosten und achten Sie darauf, dass die Rechnung nicht überhöht ist. Fragen Sie gegebenenfalls bei der Hotline des Versicherers nach, ob die Kosten voll übernommen werden oder ob man Ihnen einen günstigeren Arzt vor Ort empfehlen kann.

Krankenhaus-Zusatzversicherung

Anspruch auf ein Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus, eine Behandlung durch den Chefarzt oder die freie Klinikwahl haben nur privat Versicherte. Um als gesetzlich Versicherter die gleiche Leistung zu bekommen, muss man sich zusätzlich versichern. Eine Zusatzversicherung für die Chefarztvisite im Zweibettzimmer ist allerdings nicht billig, schnell kommen zwischen 240 und 480 Euro im Jahr zusammen.

Nicht empfehlenswert ist dagegen nach Ansicht von Stiftung Warentest eine Krankenhaustagegeld-Versicherung. Sie zahlt bei einem Klinikaufenthalt einen vereinbarten Tagessatz. Laut Zeitschrift "Finanztest" sei sie jedoch als Absicherung gegen krankheitsbedingten Verdienstausfall, etwa für Selbstständige, nicht geeignet. Dafür braucht man eine Krankentagegeld-Versicherung.

Krankentagegeld

Erkrankt ein Arbeitnehmer bekommt er in der Regel nach 42 Tagen kein Gehalt mehr ausgezahlt, und die Krankenkasse übernimmt die Lohnfortzahlung - allerdings nicht in voller Höhe, sondern maximal 90 Prozent und höchstens 83,13 Euro pro Tag. Die Krankentagegeld-Versicherung gleicht Teile der Differenz aus. Sinnvoll ist sie vor allem für Selbstständige oder gutverdienende Angestellte, deren Gehalt deutlich über der Lohnfortzahlung liegt. Für drei bis fünf Euro pro Monat lassen sich im Krankheitsfall rund 15 Euro pro Tag ausgleichen. Die Stiftung Warentest empfiehlt, sich so zu versichern, dass es dem Nettogehalt plus Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung entspricht.

Private Pflegezusatzpolicen

Sie können dazu beitragen, finanzielle Risiken für den Pflegefall abzufedern. Denn die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt selten alle Kosten, die dabei anfallen. Durch die private Zusatzversicherung erhält der Versicherungsnehmer im Leistungsfall (je nach Tarif) entweder eine bestimmte Pflegerente, anteilig die tatsächlichen Kosten erstattet oder ein Tagegeld, über das er frei verfügen kann. Die Prämien sind umso höher, je älter der Antragsteller bei Versicherungsbeginn ist.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich privat/zusätzlich gegen die Pflegekosten im Alter zu versichern, sollte daran denken, dass diese Policen verhältnismäßig teuer sind: Zwischen 50 bis 100 Euro muss man monatlich einrechnen. Die Verbraucherzentrale Bayern weist zudem daraufhin, dass eine Unterbrechung der Zahlungen, sei es wegen Arbeitslosigkeit oder wegen eines finanziellen Engpasses, in der Regel dazu führt, das bis dahin eingezahlte Geld und den Versicherungsschutz zu verlieren.

Brillen- und Kontaktlinsen-Versicherung

Sie sollen gegen Verlust und Beschädigung von Brillen und Kontaktlinsen helfen. Doch Reparatur- und Ersatzkosten sind meist überschaubar und müssen daher nicht versichert werden. Achtung: Häufig sind diese Leistungen auch Teil von Pakettarifen und verteuern diese unnötig.

Vorsicht vor Paketangeboten

Im Paket mit unter Umständen sinnvollen Policen werden auch oft unnötige Versicherungen angeboten. Wie zum Beispiel die Ambulante Zusatzversicherung oder ein Ergänzungstarif für Brillen- und Heilpraktikerdienste. Das treibt die Versicherungskosten unnötig in die Höhe. Manche Pakete enthalten auch mehrere Bausteine. Der Versicherte sollte immer prüfen, ob er auch wirklich alle Bausteine benötigt - und überflüssigen Ballast besser loswerden.

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