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Welche Schäden Ihre Police abdecken sollte

Alte Haftpflichtverträge haben manchmal Lücken, die teuer werden können. Neue Policen leisten mehr und kosten weniger. Auf diese Knackpunkte sollten Sie achten.

Von Jonas Tauber

Wenn Kinder für Scherben sorgen, haften die Eltern häufig nicht. Dennoch kann es sinnvoll sein, solche Schäden mitzuversichern.

Wenn Kinder für Scherben sorgen, haften die Eltern häufig nicht. Dennoch kann es sinnvoll sein, solche Schäden mitzuversichern.

Wer seine Haftpflichtpolice schon seit Langem hält, sollte sie auf ihre Aktualität hin überprüfen. Zahlreiche Versicherer haben ihre Bedingungen immer wieder verbessert und Deckungslücken geschlossen. "Viele Verbraucher haben eine Police mit zu geringer Versicherungssumme und veralteten Bedingungen", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

Die private Haftpflichtversicherung hilft, wenn Versicherte ungewollt einen Schaden verursachen. Weil es in schweren Fällen – etwa wenn ein Haus abbrennt oder ein Verkehrsunfall verursacht wird – um Millionenkosten gehen kann, gilt sie als eine der wichtigsten Absicherungen überhaupt. Mit dem Abschluss ist es aber nicht getan, denn veraltete Verträge bieten zu wenig Leistung für zu hohe Kosten. Um sich im Wettbewerb zu behaupten, weiten die Anbieter den Schutz immer wieder aus. Die Liste der möglichen Zusatzdeckungen ist inzwischen ziemlich lang.

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Versicherungssumme

Entscheidend ist eine ausreichende Versicherungssumme, sagt Verbraucherschützerin Boss. "Es sollten mindestens zwischen drei Millionen und fünf Millionen Euro sein." Einige Gesellschaften bieten inzwischen Verträge mit Summen von zehn Millionen Euro und mehr an.

Ausfalldeckung

Als eine der wichtigsten Neuerungen der vergangenen Jahre nennt Boss die Ausfalldeckung. Versicherungsnehmer können sich damit für den Fall absichern, dass sie selbst Opfer eines Haftpflichtschadens werden, der Verursacher aber keine private Haftpflichtversicherung hat und nicht bezahlen kann. "Das hat sich als sehr wichtig erwiesen, da 30 Prozent der Bundesbürger keine Police haben", sagt die Expertin.

Die Ausfalldeckung greift allerdings erst bei Schäden über 2500 Euro. Und es muss gerichtlich festgestellt sein, dass der Anspruch gerechtfertigt ist und der Verursacher nicht dafür aufkommen kann.

Gefälligkeitsschäden

Auch die Absicherung von Gefälligkeitsschäden ist aus ihrer Sicht empfehlenswert. Damit sind Schäden gemeint, die bei Freundschaftsdiensten entstehen. Wenn der Versicherte dem Nachbarn beim Umzug hilft und dabei den Flachbild-Fernseher fallen lässt, ist das bei älteren Verträgen oft nicht abgedeckt. Der Grund: Das Risiko ist von der gesetzlichen Haftung ausgenommen. Inzwischen haben viele Anbieter nachgebessert, weil die Deckungslücke bei den Kunden auf wenig Verständnis stieß. "Die Anbieter suchen nach Möglichkeiten, sich von der Konkurrenz abzuheben, und gerade Themen, bei denen es viel Ärger gibt, bleiben im Gedächtnis haften", erklärt Versicherungsexpertin Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Kindersicherung

Eine sinnvolle Neuerung für Haushalte mit kleinen Kindern sei die Absicherung von Schäden durch deliktunfähige Kinder, sagt Boss. Ähnlich wie bei Gefälligkeitshandlungen sieht das Gesetz hier keine Haftung vor: Kinder unter sieben Jahren sind gesetzlich nicht für die von ihnen angerichteten Schäden verantwortlich zu machen, im Straßenverkehr liegt die Altersgrenze sogar bei zehn. Haftbar sind die Eltern nur dann, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Entsprechend dieser gesetzlichen Regelung schlossen die Versicherer das Risiko in der Vergangenheit aus. Inzwischen ist es bei vielen Tarifen Teil des Schutzes.

Sinnvoll ist das Extra aus folgendem Grund: Man stelle sich vor, die eigenen Kinder werfen dem Nachbarn beim Spielen die Scheiben ein. Rechtlich gesehen müssen die Eltern dafür zwar nicht aufkommen. Der Nachbar dürfte aber ziemlich sauer werden, wenn ihm niemand den Glasbruch bezahlt.

Weitere Extras

Schutz auch im Ausland, die Absicherung ehrenamtlicher Tätigkeit, Mietsachschäden oder der Verlust geliehener Sachen - die Liste der verfügbaren Zusatzdeckungen, mit denen sich Anbieter von der Konkurrenz abdecken wollen, ist lang. Jeder sollte für sich definieren, welche Risiken für ihn wichtig sind, denn natürlich verlangen die Versicherer für einen besonders umfangreichen Tarif auch mehr Geld. Der Jahresbeitrag kann dann bei deutlich über 100 Euro liegen. Wer auf überflüssige Extras verzichtet, kommt dagegen günstiger weg: Laut Finanztest ist ein sehr guter Tarif schon für rund 50 Euro zu haben.

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