Lassen Sie sich nicht alles bieten!

3. März 2004, 14:57 Uhr

Der neue Computer kaputt, das Kleid in der Reinigung ruiniert, von der Bank in die Schuldenfalle getrieben: Das kann jedem passieren. Händler, Handwerker und Dienstleister setzen auf die Arglosigkeit ihrer Kunden.

Neuer Fön mit Totalschaden - manchmal ein Fall fürs Amtsgericht. Mit Fernsehrichterin Barbara Salesch inszenierte Fotografin Mareike Föcking ein alltägliches Ärgernis©

Als Goyko Kleensang einen neuen Computer brauchte, entschied er sich bewusst gegen ein Billigangebot vom Lebensmittel-Discounter. "Ich wollte ein Markenprodukt aus dem Fachhandel, weil ich unterwegs viel am Rechner arbeite und keinen Ärger brauchen kann." Kleensang fuhr Anfang April 2002 fünfzig Kilometer aus Windhagen nach Köln und erstand ein Sony Vaio Notebook für 2499 Euro bei Saturn. "Anfangs war alles prima", erinnert sich Kleensang. Bis auf das Netzteil, das den Akku manchmal auflud und manchmal nicht. Die Sony-Hotline riet, das Gerät einzuschicken. Dazu konnte sich der 39-Jährige nicht entschließen. Er brauchte das Notebook, und es funktionierte ja auch am Netz.

Bald darauf tauchte das nächste Problem auf. Bei Rückkehr aus dem Stand-by-Modus zeigten sich im Display rötliche Farbverschiebungen. Nach zwanzig Sekunden normalisierte sich das Bild. Kleensang arbeitete weiter mit dem Notebook. Bis zum Oktober 2003. Da flackerte der Bildschirm nach dem Start rötlich, wurde dann dunkel und nie wieder hell. Weil er sein Notebook schnell zurückhaben wollte, schickte Kleensang es auf Empfehlung von Saturn gleich zu Sony in Köln. "Mit der Bitte um Garantiereparatur." Knappe zwei Wochen später traf ein Kostenvoranschlag ein. Da die einjährige Werksgarantie abgelaufen war, wollte Sony Display und Netzteil für 740,81 Euro erneuern. Kleensang beschwerte sich bei der Sony-Hotline, telefonierte mit Saturn. Es half alles nichts. Per Nachnahme traf das Gerät wieder in Windhagen ein. 69,99 Euro Kostenvoranschlagpauschale waren fällig.

Von der Verbraucherzentrale erfuhr der gebeutelte Kunde, dass es neben der freiwilligen Garantie des Herstellers auch eine gesetzliche Gewährleistungspflicht des Händlers gibt. Zwei Jahre lang haftet der Verkäufer dafür, dass die Ware beim Verkauf frei von Mängeln ist. Treten in den ersten sechs Monaten Fehler auf, muss der Händler kostenlos reparieren oder Ersatz leisten. Es sei denn, er kann nachweisen, dass die Probleme erst nach dem Verkauf aufgetaucht sind. Das kann er in der Regel nicht. Nach diesem halben Jahr liegt die Beweislast beim Käufer. Er muss nun plausibel machen, dass der Mangel schon beim Verkauf bestand.

Das Display von Kleensangs Notebook gab erst nach 18 Monaten den Geist auf. Und bei Saturn in Köln, wo er mit dem defekten Notebook auftauchte und sich auf die gesetzliche Gewährleistungspflicht berief, schickte man ihn wieder weg. Geiz ist geil.

Kleensangs Problem ist kein Einzelfall. "Es sind uns in letzter Zeit Fälle bekannt geworden, in denen die Firma Saturn Verbrauchern im Rahmen der zweijährigen Gewährleistungsfrist trotz eines festgestellten Mangels ihre Mängelansprüche verweigert", schrieb die Verbraucherzentrale NRW im vergangenen August an Saturn. "Dies geschieht hinsichtlich unterschiedlicher Produkte von verschiedenen Herstellern, sodass sich der Eindruck eines systematischen Vorgehens aufdrängt."

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