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Der Mann, der die Deutsche Bank retten will

Deutschlands größtes Geldhaus wankt. Die Bilanz ist tiefrot, beim Aktienkurs fehlt nicht mehr viel zum historischen Tief. Der neue Chef macht Mut: Er sehe Licht am Ende des Tunnels.

John Cryan

John Cryan, Chef der Deutschen Bank, sieht sein Geldhaus auf gutem Weg.

Rekordverlust, gekappte Boni, keine Dividende - John Cryan weiß, dass er Aktionären, Mitarbeitern und Kunden der Deutschen Bank viel zumutet. Doch der Brite ist überzeugt, dass er und sein runderneuertes Vorstandsteam auf dem richtigen Weg sind.

Wie die Deutsche Bank wieder erfolgreich werden will

"Wir brauchen Zeit, Entschlossenheit und Geduld - Entschlossenheit ist das Wichtigste", sagt der 55-Jährige. Fast drei Stunden nehmen sich Cryan und seine Vorstandskollegen Jürgen Fitschen (Co-Chef), Marcus Schenck (Finanzen) und die neue IT-Chefin Kim Hammonds am Donnerstag Zeit, um zu erklären, wie sie die Bank nach einem Rekordverlust wieder in die Erfolgsspur führen wollen. Bei ertragreichen Firmenkunden will die Bank zulegen, im Investmentbanking soll beispielsweise verlorener Boden im Geschäft mit Aktien wieder gutgemacht werden. Analysten und Anleger zweifeln, ob die Bank mit dieser Strategie wirklich wieder mehr verdienen wird.

Die Manager sehnen sich danach, wieder vorrangig über das Tagesgeschäft berichten zu können - doch bis es soweit ist, wird es noch eine Weile dauern. Zumindest in den nächsten zwei Jahren dürften Rechtsstreitigkeiten und Aufräumarbeiten im Konzern operative Fortschritte überlagern. 2015 schlugen die Kosten für Abfindungen, juristische Auseinandersetzungen und Abschreibungen mit fast 13 Milliarden Euro zu Buche.

Abbau von Altlasten

Cryan persönlich drückt beim Abbau von Altlasten aufs Tempo. "Ich werde mich selbst engagieren, um mit Ermittlern zu sprechen und akzeptable Einigungen finden. Wir müssen aufräumen." Das Dilemma: Schnelle Lösungen könnten teuer werden, andererseits will die Bank die rechtlichen Unsicherheit schnell vom Tisch haben.

Hoffnungen, dass sich der deutsche Branchenprimus ein für alle Mal reinwaschen könnte, zerstreut Cryan jedoch: Auseinandersetzungen vor Gerichten und mit Finanzaufsehern werden nach seiner Einschätzung noch länger zum Alltag der Branche gehören.

"Persönlich verantwortlich für Verlust"

Bei allen Belastungen beweist Cryan Humor: "Eine deutsche Zeitschrift hat mich "Der eiskalte Aufräumer" genannt - hoffentlich hat meine Frau das nicht mitbekommen." Bezogen auf die Bank würde er auch lieber Erfolgsmeldungen verkünden. "Ich fühle mich persönlich verantwortlich für den Verlust." Es mache ihn dennoch stolz, eine Institution wie die Deutsche Bank zu führen. Es gebe "sehr beglückende Momente, wenn man sieht, wie viel diese Bank für viele Menschen bedeutet".

Der Aktienkurs allerdings ist so tief abgerutscht, dass sich der Vorstand bereits die Frage gefallen lassen muss, ob Deutschlands größtes Geldhaus nicht zum Übernahmekandidaten zu werden drohe. Cryan räumt ein, der Absturz an der Börse - die Deutsche Bank ist nur noch rund 23 Milliarden Euro wert - stimme ihn nicht zufrieden. Aber ein erfolgreicher Umbau werde den Kurs wieder nach oben treiben. "Wir sollten nicht versuchen, den Aktienkurs zu managen, wir sollten versuchen, die Bank zu managen", betont der seit Juli amtierende Manager.

Boni-Verzicht kein Dauerzustand

Auch der Verzicht auf lukrative Boni soll kein Dauerzustand werden. "Wir sind in einer Branche, in der es ums Geldverdienen geht. Wir werden sehen, was wir tun können." Langfristig, das ist Cryan klar, darf die Deutsche Bank bei den Gehältern den Anschluss an die weltweite Konkurrenz nicht verlieren, um Talente halten zu können. So macht der neue starke Mann Anlegern und Mitarbeitern Mut: "Nicht jeder Tag ist leicht, aber wir sehen Licht am Ende des Tunnels."

kg/DPA
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