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Wo droht nach Griechenland die nächste Schuldenkrise?

Angesichts der drohenden Pleite Griechenlands wächst die Angst, dass die griechische Schuldenkrise weitere Mitgliedstaaten in ihren Strudel zieht.

Drohende Pleite in Griechenland, geplatzte Immobilienblase in Spanien, schrumpfende Wirtschaft in Irland - die Eurozone steckt in der größten Krise ihrer Geschichte. Vielerorts wächst die Angst, dass die griechische Schuldenkrise weitere Mitgliedstaaten in ihren Strudel zieht. Zu der von Experten PIIGS (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) genannten Ländergruppe gesellt sich Belgien, das von einer schweren Staatskrise erschüttert wird.

Griechenland

Schuldensünder Griechenland kam 2009 auf ein Defizit von 13,6 Prozent. Es soll im laufenden Jahr auf 8 Prozent sinken, beschlossen Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank am vergangenen Wochenende im Rahmen eines Rettungsplans. Das beispiellose Hilfspaket sieht für die nächsten drei Jahre insgesamt Kredite von 110 Milliarden Euro vor. Die Staatsschuld lag 2009 bei 115 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) und wird nach Prognose der EU-Kommission weiter steigen.

Portugal

Portugal hat ein schwaches Wirtschaftswachstum und verliert an Wettbewerbsfähigkeit. Die EU-Kommission dringt auf eine energische Haushaltssanierung. Das Staatsdefizit soll von 9,4 Prozent (2009) des BIP auf 8,5 Prozent im laufenden Jahr sinken. Die Staatsschuld wird in diesem Jahr dagegen vermutlich auf 85,8 Prozent (2009: 76,8 Prozent) klettern.

Italien

Staatsschulden sind in Italien ein Dauerbrenner; 2009 lagen sie bei knapp 116 Prozent des BIP und damit sogar leicht über Griechenland-Niveau. 2010 sollen sie gar auf mehr als 118 Prozent steigen, und eine Besserung danach ist nicht in Sicht. Das Defizit verharrt laut EU-Kommission auch 2010 bei 5,3 Prozent. Ratingagenturen stuften die Kreditwürdigkeit Roms bisher nicht herab.

Irland

Der von der Bankenkrise schwer getroffene Inselstaat kam im vergangenen Jahr mit 14,3 Prozent auf ein höheres Defizit als Griechenland. Doch die Regierung legte ein strammes Sparpaket auf und trickste - anders als Griechenland - auch nicht bei den Verschuldungszahlen. Die EU fordert eine kräftige Senkung der Defizitquote. Für 2010 werden 11,7 Prozent erwartet. Die gesamtstaatliche Verschuldung, die 2009 bei 64 Prozent lag, wird 2010 auf 77,3 Prozent zulegen.

Spanien

Spanien leidet ebenfalls schwer unter den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise, das Platzen einer Immobilienblase kostete viele Jobs. An dem Märkten kursierten Gerüchte, wonach Madrid Hilfe von außen beantragen will. Sowohl die Regierung als auch die EU-Kommission wiesen dies zurück. Das Defizit von 11,2 Prozent (2009) soll im laufenden Jahr auf 9,8 Prozent zurückgehen. Die gesamtstaatliche Verschuldung wird 2010 von 53,2 Prozent auf 64,9 Prozent steigen.

Belgien

Beobachter befürchten, dass die Regierungs- und Staatskrise in Belgien auch Folgen für die Finanzmärkte haben könnte. Wie in Italien ist die Staatsverschuldung ein traditionelles Problem: sie belief sich 2009 auf 96,7 Prozent. Für 2010 werden sogar 99 Prozent prognostiziert. Das Defizit verfünffachte sich im Vorjahr auf 6 Prozent des BIP, soll 2010 aber auf 5 Prozent sinken.

DPA/DPA

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