Wie der Affe zum Mensch wurde

11. April 2013, 20:07 Uhr

Ist Australopithecus sediba der Urahn aller Menschen? Forscher haben die fossilen Skelette aus Südafrika genauer untersucht - und mehr über Fortbewegung und Aussehen der Vormenschen herausgefunden.

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Wissenschaft, Paläontologie, Australopithecus, Mensch, Affe,

Mischform "Au. sediba": Arme und Schulterblatt seien wie bei einem Affen für das Klettern und Hangeln in Bäumen gemacht. Becken, Hände und Zähne erinnerten eher an menschliche Verwandte.©

Halb Affe, halb Mensch - so beschreiben Forscher die etwa zwei Millionen Jahren alten Überreste des Vormenschen Australopithecus sediba. Sie wurden vor wenigen Jahren in Südafrika entdeckt. Arme und Schulterblatt seien wie bei einem Affen für das Klettern und Hangeln in Bäumen gemacht. Becken, Hände und Zähne hingegen erinnerten eher an menschliche Verwandte, berichtet das Team internationaler Wissenschaftler in sechs Studien, die im Fachmagazin "Science" veröffentlicht wurden. Vermutlich war Australopithecus sediba ein direkter Vorfahr der Gattung Homo, aus der schließlich auch der moderne Mensch hervorging.

Die Fossilien wurden im August 2008 im südafrikanischen Malapa, nahe Johannesburg, entdeckt. Es handelt sich dabei um Überreste von drei Individuen, die seitdem unzählige Male von Forschern unter die Lupe genommen wurden. In den jetzt vorgestellten Studien hatten die Wissenschaftler die Knochen noch einmal genauer inspiziert.

Ein gutes Beispiel für die Mischform des Körperbaus ist der Brustkorb, den Forscher um Peter Schmid untersuchten. Schmid war bis zu seiner Pensionierung an der Universität Zürich tätig. Der obere Brustkorb von Australopithecus sediba war demnach sehr eng, wie es auch bei Orang-Utans, Schimpansen oder Gorillas der Fall ist. Die Schultergelenke waren wie bei einem dauerhaften Schulterzucken hochgestellt.

Kleine Fersen, einzigartiger Gang

Der untere Brustkorb hingegen ähnele eher dem des Menschen. Die konische Form des Brustkorbs habe das Hangeln und Klettern in den Bäumen ermöglicht. Schwierigkeiten hatten die Vormenschen hingegen vermutlich beim aufrechten Gang: "Längere Strecken konnten sie wohl nicht rennen, zumal ihnen das energiesparende Armschwingen fehlte", erläutert Schmid.

Ohnehin war der Gang von Australopithecus sediba den Untersuchungen zufolge ziemlich einzigartig: Die Homo-Vorfahren besaßen sehr kleine Fersen, ähnlich denen von Schimpansen, berichten Wissenschaftler um Jeremy DeSilva von der Boston University. Die Füße kippten vermutlich beim Gehen seitwärts stark ein. Dies unterscheide Australopithecus sediba von anderen Australopithecinen und lasse vermuten, dass es mehrere Arten gab, auf zwei Beinen zu gehen.

Mischung von primitiven und modernen Merkmalen

Auch die Untersuchung von Unterkiefer und Zähnen sowie der Wirbelsäule zeigten eine Mischung von primitiven und moderneren Merkmalen. Eine Ausnahmen bilden die Arme, die - abgesehen von den Händen - überwiegend primitive Züge aufweisen und gut für das Klettern geeignet waren. Die Benutzung der Vorderarme zum Greifen und Manipulieren von Gegenständen sei scheinbar später entstanden, vermutlich mit der Entwicklung des Homo erectus, schreiben Forscher um Steven Churchill von der Duke University in Durham.

Noch ist unklar, welche Position in der Entwicklung der Hominiden Australopithecus sediba einnimmt. Es sei denkbar, dass er nicht von der ostafrikanischen Australopithecus Afarensis-Linie abstammt - das ist die Gruppe, aus der auch die berühmte Lucy stammt. Möglicherweise bildet Australopithecus sediba gemeinsam mit Australopithecus africanus eine südafrikanische Schwestergruppe, schreibt Studienleiter Lee Berger von der University of the Witwatersrand in Südafrika in einem einleitenden Essay zu den einzelnen Studien.

kave/DPA
 
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