Die Superdickmacher

14. Mai 2007, 16:28 Uhr

Nicht nur Chips und Schokolade sind Superdickmacher, sondern auch Croissants, Blauschimmelkäse und panierte Schnitzel. Je mehr Kalorien Lebensmittel pro Gramm liefern, desto mehr Kalorien nehmen wir zu uns, bis wir uns - viel zu spät - endlich satt fühlen. Von Angelika Unger

Kalorienbombe Pizza: Je mehr Kalorien ein Lebensmittel pro Gramm liefert, desto mehr Kalorien nehmen wir zu uns, bis der Magen voll ist©

Die Pizza vom Bringdienst ist heiß und fettig. Sie ist schnell heruntergeschlungen, direkt aus dem Karton, Salami, Oliven, extra Käse. 1000 Kilokalorien kommen da ruckzuck zusammen. Für die vergleichbare Kalorienmenge könnten wir ein Kilo Rahmkohlrabi essen oder sogar zehn Kilo Eisbergsalat. Das würden wir aber kaum schaffen - wir wären vorher längst satt.

Hauptsache, der Magen ist voll

"Die Sättigung hängt von der Essensmenge ab", erklärt der Münchner Ernährungsmediziner Volker Schusdziarra. Ob wir satt sind oder nicht, wird nämlich vor allem dadurch beeinflusst, wie voll und ausgedehnt unser Magen ist. Über den Vagus-Nerv schickt der Magen diese Botschaft ans Gehirn. Dort werden Botenstoffe ausgeschüttet, die dem Körper signalisieren: "Nahrungsaufnahme stoppen!"

Wie viele Kalorien wir bis zu diesem Zeitpunkt in uns hineingestopft haben, scheint den Magen nicht zu interessieren - Hauptsache er ist gut gefüllt. Am "Klinikum rechts der Isar" arbeitet Schusdziarra mit übergewichtigen und fettleibigen Patienten. Bei der Auswertung von 2800 Ernährungsprotokollen fand er beispielsweise heraus, dass Menschen etwa gleich viel Nudeln, Reis und Kartoffeln essen, bis sie satt sind. Dass die Nudelesser dann 200 Kilokalorien mehr gemampft hatten als die Kartoffelesser, spielte für die Sättigung keine Rolle.

Dickmacher, nie Sattmacher

Die Superdickmacher sind daher Lebensmittel mit besonders hoher Energiedichte: Je mehr Kalorien ein Lebensmittel pro Gramm liefert, desto mehr Kalorien nehmen wir zu uns, bis der Magen voll ist. Hundert Gramm Croissant beispielsweise haben 430 Kilokalorien. Wer stattdessen dieselbe Menge Roggenmischbrot isst, nimmt grade mal 210 Kilokalorien. Gerade mal halb so viele - bei gleichvollem Magen.

Besonders verhängnisvoll für die schlanke Linie: kalorienreiche Getränke. Denn sie verlassen den Magen schon nach einer Viertelstunde - und danach ist der Hunger sofort wieder da. Dabei liefert ein Glas Cola immerhin so viel Energie wie 300 Gramm Bohnen oder eine Banane. "Alle kalorienhaltigen Getränke sind Dickmacher, nie Sattmacher", sagt Schusdziarra. "Das gilt nicht nur für Cola, sondern auch für vermeintlich gesunde Getränke wie Saftschorlen und Eistee."

Mit Salamipizza und ein paar Gläsern Cola haben wir unseren Tagesbedarf ruckzuck gedeckt. Und sobald wir mehr Kalorien aufnehmen, als wir verbrauchen, nehmen wir zu. Schon winzige Mengen lassen den Zeiger der Waage nach rechts ausschlagen, sagt Schusdziarra: "Einhundert Kilokalorien am Tag zuviel gegessen, das macht übers Jahr gerechnet fünf Kilo mehr auf den Rippen. Das ist eine halbe Semmel am Tag."

Steak mit Gemüse: "Kohlenhydratbeilagen man eher als Geschmackskomponenten betrachten"©

Die große Kunst: die Kalorien-Punktlandung

Ein durchschnittlicher Esser, das hat Schusdziarra bei der Auswertung der Ernährungsprotokolle herausgefunden, stopft jeden Tag 1150 Gramm Nahrung in sich hinein. Essen müssen wir, um den Körper mit neuer Energie zu versorgen: "Allein durch die Tatsache, dass wir am Leben sind, verbrauchen wir Energie. Beim Durchschnittsdeutschen macht das im Durchschnitt 1700 Kilokalorien am Tag aus", sagt Schusdziarra. Die große Kunst beim Essen ist die Kalorien-Punktlandung: So viel essen, dass wir satt werden, aber nicht mehr essen, als wir verbrauchen. Rein mathematisch kann das nur mit Lebensmitteln funktionieren, die maximal 1,5 Kilokalorien pro Gramm liefern.

Schusdziarra hat alle Lebensmittel entsprechend der Energiedichte in drei Kategorien eingeteilt:

  • Grüne Lebensmittel sind perfekt zum Sattessen, weil sie pro Gramm maximal 1,5 Kilokalorien liefern. Joghurt, gekochter Schinken, alle Obstsorten außer Avocados und Gemüse sind hier ebenso aufgelistet wie Kartoffeln und mageres Fleisch.
  • Gelbe Lebensmittel liefern pro Gramm zwischen 1,5 und 2,5 Kilokalorien und können, am besten kombiniert mit Lebensmitteln aus der grünen Liste, oft auf den Tisch kommen.
  • Zu den roten Lebensmitteln gehören zum Beispiel Torte, Salami, Nüsse aller Art, Räucheraal, Butter, Schokolade und Cola. Sie liefern pro Gramm 2,5 Kilokalorien oder mehr, darum sollte man nur kleine Mengen essen.

Brot dünner, Belag dicker

"Sie dürfen ruhig auch mal was aus der roten Tabelle essen - so lange sie auf einen Tagesdurchschnitt von 1,5 Kilokalorien pro Gramm kommen", stellt Schusdziarra klar. Das bedeutet: Müsli ja, aber mit frischem Obst und Milch. Brot dünner schneiden und dafür den energiearmer Belag dicker drauflegen. "Fleisch als Naturprodukt, Fisch, Gemüse, Salat - das sollten bei der Hauptmahlzeit die Sättigungskomponenten sein. Die Kohlenhydratbeilagen sollte man eher als Geschmackskomponenten betrachten", sagt Schusdziarra.

Eines jedoch tut Ernährungsmediziner Schusdziarra nie: seinen Patienten Lebensmittel verbieten. "Ich habe eine Achtzigjährige, die sagt: 'Meine Lebensqualität ist das Stückchen Kuchen am Nachmittag mit dem Tässchen Kaffee'. Dann lasse ich ihr das!" Wenn sich die alte Dame an anderer Stelle zurückhält, darf sie auch ihren extrem energiedichten Kuchen genießen. So tüftelt Schusdziarra mit jedem seiner Patienten eine individuelle Prioritätenliste aus. "Wenn ich Menschen frage, was sie unter gutem Essen verstehen, sagen sie: 'so wie immer'. Diäten aber versuchen mit einer Ernährungsweise Millionen Menschen zu erreichen - das kann nicht funktionieren."

Buchtipp

Buchtipp Volker Schusdziarra/ Margit Hausmann: "Satt essen und abnehmen", MMI-Verlag, 16,95 Euro. Das Buch enthält umfangreiche Energiedichte-Tabellen.

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Brot Gemüse Kartoffeln Kilokalorien Magen Salami Schokolade
KOMMENTARE (9 von 9)
 
bjoernana (15.05.2007, 17:07 Uhr)
Hartz IV und Übergewicht
Tatjana hat schon recht: auch mit 127 kann man sich gesund ernähren (was übrigens nicht heissen soll, dass ich diesen Betrag gerechtfertigt oder gar angemessen finde!). Aber: was ist mit dem Training? Kann sich ein HartzIV-Empfänger notwendige Ausrüstung, Schwimmbadbesuche, oder das Fitnessstudio leisten?
Gesunde Ernährung ist, wenn auch schwer, mit HartzIV machbar, ein ganzheitlich gesunder Lebensstil kaum. Daran muss gearbeitet werden- oder gilt etwa das Motto "Die Deutschen müssen gesünder leben! Außer die HartzIV-Empfänger, das können wir uns nicht leisten!"?
bjoernana (15.05.2007, 16:57 Uhr)
@gurdrun
Ich habe Sie nicht beurteilt, jedenfalls nicht schriftlich im Forum, ich habe lediglich Ihren Artikel kommentiert. Wir möchten doch hier miteinander reden, oder? Sehen Sie, das "Prinzip der Leserkommentaren" ist mir durchaus bekannt, andernfalls könnte ich wohl kaum welche verfassen;).
Und nein, ich glaube, wir haben noch nicht zusammen gefrühstückt. Aber das können wir ja nachholen, wenn Sie wert darauf legen...
Auch ich schreibe nur meine persönliche Meinung, und wenn die die ist, dass ich Ihren Kommentar unsachlich, einfältig und polemisch finde, brauche ich damit wohl kaum hinterm Berg zu halten- oder sollten Sie das "Prinzip der Leserkommentare" am Ende nicht verstanden haben?! Dann natürlich...
Titania (15.05.2007, 11:26 Uhr)
*gähn*
Och nee, bitte nicht schon wieder die Leier, daß man sich von Hartz IV nicht gescheit ernähren kann. 127 Euro im Monat macht immer noch 4,20 Euro am Tag. Mehr gebe ich auch am Tag nicht für Lebensmittel aus. Morgens und Abends 2 Scheiben Vollkornbrot mit Käse oder Wurst, Mittags Nudeln mit ner selbstgemachten Tomaten - oder Bolognesesoße, dazu ein Salat, zwischendurch Äpfel, Wasser und Tee als Getränk... Ist alles gar nicht so teuer, jedenfalls nicht teurer als Konserven, Fertiggerichte und McDonalds... DIESES Geheule kann nun wirklich keiner mehr hören, zumal es für Alkohol und Zigaretten immer noch zu reichen scheint.
Mimi1412 (15.05.2007, 09:27 Uhr)
127 Euro im Monat...
hat ein Hartz-"Kunde" im Monat for Lebensmittel und Getränke. Wieviel Gemüse und hochwertiges Fleisch bekommt er dafür? Ob er da wohl 30 Tage lang satt wird?
gudrun13 (15.05.2007, 07:10 Uhr)
@bjoernana
Haben wir schon zusammen gefrühstückt oder was? Ich beurteile doch auch nicht Sie! Ich schreibe einen Komnmentar zu diesem Artikel. Mit MEINER persönlichen Meinung! Oder sollten Sie das Prinzip der Leserkommentare noch nicht verstanden haben? Dann natürlich ...
Medley (14.05.2007, 21:27 Uhr)
Propaganda Blabla....
....für ein Buch. Wenn's denn so wäre, dann wäre unser Körper aber schön dumm. Denn wenn er nicht in der Lage wäre bei der Nahrungsaufnahme zwischen 500 Gramm gesammelte Gräser und 500 Gramm Mammutfleisch zu unterscheiden, dann wäre wahrscheinlich der Homo Sapiens schon als Steinzeitmensch ausgestorben.
Unfug! Natürlich bewertet der Magen nicht nur die Menge, sondern auch die Art(Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Vitanmine, Spurenelemente, usw.) und die kalorische Dichte der gegessenen Mahlzeit, ansonsten hätte man auch idR. nach zwei Stückchen Sachertorte(Sehr viele Kalorien) nicht das entprechende Sättigungsgefühl einen ganzen Walfisch verspeist zu habe.
Den sogenannten "Ernährungsexperten" Volker S. kann man daher in die Abteilung: "Ich behaupte mal was irgendetwas und schmeiße ein paar pseudowissenschaftliche Zahlen durch die Landschaft, schreibe ein Buch darüber und fülle mir damit den Magen.....äh, sorry, die Brieftasche" abheften.
bjoernana (14.05.2007, 21:15 Uhr)
???
Den Artikel von Gudrun verstehe ich nicht, Sie?
Ich finde staatliche Verbote im Prinzip auch eher vermeidenswert, aber was will man tun, wenn eine Nation verfettet? Die Renten müssen die erwähnten vitalen 95-Jährigen später eh selbst zahlen, und davon abgesehen sollte Gudrun nicht die Dimension der Belastung des Gesundheitssystemes durch die Dicken vergessen. Soviel dazu.
Ihre Fotostrecke ist unterhaltsam. Allerdings wird dem Betrachter durch die Bildunterschriften suggeriert, er dürfe keinen Fisch, noch nicht einmal Avocado essen. Das ist nachweislich Unsinn. So haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass pflanzliche Fette (z.B. die der Avocado) keinesfalls die Bildung von Körperfett zur Folge haben. Ebenso die in Fisch enthaltenen Omega3-Fettsäuren, die übrigens auch im Zusammenhang mit Magarinen beworben werden, dort allerdings meist in Kombination mit schädlichen Transfettsäuren Verwndung finden.
Menschen, die sich mit dem Thema nicht befasst haben, müssen den Eindruck gewinnen, um schlank zu werden, müssten sie sogar die Öl-Essig-Vinaigrette beim Blattsalat weglassen. Kein Wunder, dass Menschen wie Gudrun sich schnell empören und lauthals kreischen "was dürfen wir denn überhaupt noch essen?". Das führt doch zu nichts! Sie begeben sich in eine Entbehrungssituation und sind frustriert, werden depressiv.Nach ein paar Monaten sind zwar ein paar Kilo (Wasser, Muskeln und auch ein bisschen Fett) verschwunden. Jedoch: das Bindegewebe ist schlaff und die Figur nicht wirklich schöner und einen Monat gegessen wie vor der Diät sind ruckzuck mehr Pfunde drauf als vorher, weil der Körper "gelernt" hat, mit der, während der Diät zugeführten, Energiemenge (einer kleinen also), seinen Bedarf zu decken und nun jede Kalorie doppelt zu Buche schlägt.
Die Angstmacherei vorm Essen muss aufhören. Es muss aufgezeigt werden, dass die richtige, leckere, Ernährung und Sport der Schlüssel zum Normalgewicht sind. Anders geht es nicht, außer mit masochistischer Selbstkasteiung (ist aber weder gesund noch schafft Hungern eine Schöne Figur). Jemand, der 2-3 mal in der Woche eine Krafttraining absolviert und die übrigen Tage, wenn es die Zeit zulässt, schwimmt, läuft, walkt o.ä., muss ganz sicher nicht auf Avocados und Räucherfisch verzichten.
Also rein in die Turnschuh, ein bisschen mehr Obst und Gemüse auf den Speiseplan, weniger fettes Fleisch oder Käse, weiger Süßes. Das beseutet Verzicht auf nichts, ein gutes Körpergefühl und verhilft einen im Handumdrehen zur Traumfigur!
sternchen2007 (14.05.2007, 17:33 Uhr)
Was für eine Erkenntnis!
Das ist ja das uralte Weight Watchers System - dazu braucht die Menschheit doch nicht noch ein Buch...
gudrun13 (14.05.2007, 17:27 Uhr)
Warum zählen Sie eigentlich nicht auf ...
WAS man essen kann. Ich denke, die Liste wäre kürzer :)
Sollte nicht anstatt immer neue Horrormeldungen über Kalorien, Joule, Energiedichte, Energiegehalt usw. zu bringen den Menschen das Essen generell untersagt werden. Einige Pillen tun es doch auch. Und überhaupt - WER will eigentlich dass die Menschen bis zum 95. Lebensjahr gesund, schlank und aktiv sind. WER soll die Renten bezahlen?
Ich fasse also zusammen: Alkohol ist schädlich, Süßigkeiten sollen mit einer Strafsteuer belegt werden, geraucht werden soll auch nicht (wobei ich Nichtraucherin bin). WAS bleibt übrig im Zeitalter von AIDS???
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