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3. Dezember 2006, 13:50 Uhr

Warnung vor Acrylamid in Lebkuchen

Von wegen frohe Weihnachten: Nach dem Eklat um Cumarin in Zimtsternen warnen Verbraucherschützer nun vor Lebkuchen. In dem Weihnachtsgebäck fand die Organisation Foodwatch teils hohe Werte des vermutlich Krebs erregenden Stoffs Acrylamid.

© Peter Roggenthin/DDP

In vier von elf untersuchten Lebkuchen-Produkten hat Foodwatch höhere Belastungen mit Acrylamid gefunden als im vergangenen Jahr. Die Organisation bestätigte damit einen Bericht eines Nachrichtenmagazins. Einem Zeitungsbericht zufolge gibt es zudem bei Zimtgebäck weiter Probleme mit dem Duftstoff Cumarin.

Bei den Lebkuchen-Tests schwankten die Acrylamid-Werte stark von Produkt zu Produkt: Im am wenigsten belasteten Produkt wurden im Labor nur elf Mikrogramm Acrylamid pro Kilo gemessen, wie der stellvertretende Foodwatch-Chef Matthias Wolfschmidt sagte. Die Probe mit der größten Belastung enthielt mehr als 60 Mal so viel, nämlich 686 Mikrogramm.

Foodwatch zufolge liegen die bekannten Markenhersteller im Mittelfeld. Der Testsieger mit dem geringsten Acrylamid-Anteil wurde sogar bei einem Discounter gekauft.

Spekulatius weniger belastet

"Man kann sich nicht mehr herausreden", sagte Wolfschmidt. Es gebe offensichtlich eine gute Herstellungspraxis, die das Bundesverbraucherministerium nach einer Übergangszeit zur Pflicht erklären sollte. Die wenig belasteten Lebkuchen seien schmackhaft und überzeugend.

Foodwatch testete auch Spekulatius. Der Organisation zufolge sanken mit einer Ausnahme die Werte der getesteten Anbieter im Vergleich zum Vorjahr. Auch bei diesem Gebäck gibt es deutliche Unterschiede, wenn auch nicht so deutlich wie bei Lebkuchen: Die am wenigsten belasteten Kekse enthielten 30 Mikrogramm pro Kilo, die höchsten 348 Mikrogramm.

Kein Grenzwert für Acrylamid

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie sieht die überwiegend sinkenden Werte als Erfolg der eigenen Strategie. Man habe das Problem sehr ernst genommen und viel Geld investiert, sagt eine Sprecherin dem Spiegel. Laut Wolfschmidt verwendet der Hersteller der Sieger-Lebkuchen eine andere Mehlmischung, tauschte das Backtriebmittel aus und bäckt die Süßigkeiten länger und dafür nicht so heiß.

Acrylamid entsteht bei Bräunungsreaktionen, wenn stärkehaltige Lebensmittel gebraten oder gebacken, frittiert oder geröstet werden. Die Substanz löst im Tierversuch Krebs aus und schädigt das Erbgut. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) treten diese Wirkungen wahrscheinlich auch beim Menschen auf. Allerdings gibt es auch Experten, die vor Vergleichen warnen. Nach wie vor gibt es keinen Grenzwert für Acrylamid, sondern nur einen so genannten Signalwert, der bei 1000 Mikrogramm pro Kilo liegt.

Cumarin-Problem noch nicht behoben

Die Bild am Sonntag berichtete unterdessen, dass trotz erhöhter Grenzwerte für das Zimt-Aroma Cumarin Weihnachtsgebäck noch immer teils stark mit dem Stoff belastet ist, der besonders bei empfindlichen Menschen die Leber schädigen kann. Kontrolleure in Rheinland-Pfalz entdeckten demnach Zimtsterne, die 103 Milligramm Cumarin pro Kilo enthielten. Der Grenzwert liegt eigentlich bei zwei Milligramm. Für Gebäck, das vor dem 1. November hergestellt wurde, gilt ein Grenzwert von 67 Milligramm. Dem Bericht zufolge lagen in Nordrhein-Westfalen 87 von 108 getesteten Produkten über dem niedrigen Wert.

Ministerialdirektor Bernhard Kühnle vom Bundesverbraucherministerium sagte dem Blatt, dass es sich bei dem erhöhten Wert um eine befristete Regelung für bereits hergestellte Weihnachtsbackwaren handele. "Bund und Länder erwarten, dass der Grenzwert von zwei Milligramm Cumarin schleunigst eingehalten wird."

Thomas Seythal/AP
 
 
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