Der Apfel ist mit das klimafreundlichste Obst: Nahezu überall in Deutschland angebaut sind seine Transportwege kurz und weil er sich so leicht lagern lässt, auch über lange Zeit verfügbar. Ganz anders sieht das bei Erdbeeren Exoten aus. Von Maren Wernecke

Äpfel werden in Deutschland fast überall angebaut - die Transportwege daher eher kurz© Norbert Millauer/DDP
Heimische Äpfel Noch vor rund 30 Jahren hatten Apfelbäume im erwerbsmäßigen Anbau große Kronen und hohe Stämme. Inzwischen prägen Niederstammformen das Bild. Dadurch stehen auf derselben Fläche heute 10 bis 20 Mal so viele Bäume. Die Äpfel können von Hand gepflückt werden und sind ohne Leiter erreichbar, was die Pflege erleichtert. Bei den kleinen Kronen kann beim Pflanzenschutz sehr gezielt gearbeitet werden. Gedüngt werden Apfelbäume vor allem mit organischem Dünger und Grünschnitt. Allerdings können die Bäume durch ihre tiefen Wurzeln auch von sich aus viele Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen.
Da Äpfel fast überall in Deutschland angebaut werden, von Baden-Württemberg bis Brandenburg, entstehen auch durch den Transport in der Regel keine hohen Emissionen. Nach aktuellen Berechnungen von Wissenschaftlern der Technischen Universität München erzeugt der Transport eines Kilos Bodensee-Äpfel nach München etwa 76 Gramm Kohlendioxid. Kommt das Kilo Äpfel aus Italien liegt der Wert fast drei Mal so hoch.
Durch moderne Lagerungstechniken sind heimische Äpfel bis etwa April oder Mai vorrätig. Direkt nach der Ernte werden sie in so genannte CA-Lager gebracht. In diesen Lagerhallen wird die Luftzusammensetzung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit streng kontrolliert (engl. controlled atmosphere). Der Sauerstoffgehalt wird von 21 Prozent bis auf wenige Prozent heruntergefahren und der Kohlendioxid-Gehalt angehoben. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 95 Prozent und Temperaturen von etwa zwei Grad Celsius gekühlt, altern und schrumpeln die Früchte kaum: So erhalten sie auch über Monate hinweg ihre Frische und Qualität. Die CA-Lagerung gilt als wenig energieaufwändig.
Nach Angaben der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft müssen Äpfel pro Jahr durchschnittlich 17 Mal pro Jahr mit Pestiziden behandelt werden, vor allem mit Pilz- und Insektenschutzmitteln. Zunehmend erfolgt die Bekämpfung mit biologischen Mitteln - das zahlt sich aus. Wie die Zeitschrift Öko-Test vergangenes Jahr ermittelte, sind selbst Äpfel aus konventionellem Anbau kaum mit Pestizidrückständen belastet. Äpfel zeichnen sich vor allem durch ihren hohen Kaliumgehalt aus und durch den quellfähigen Ballaststoff Pektin, der ein guter Magenfüller ist und Schadstoffe aus dem Körper transportiert.

Erdbeeren gehören erst ab Mai auf die Speisekarte - alles vorher ist klimaschädlich importiert© David Hecker/DDP
Früh-Erdbeeren Erdbeeren sind klassische Saisonware, die erst ab Mai auf die Speisekarte gehören. Bei Erdbeeren, die wir im Februar, März oder April im Laden finden, handelt es sich um Importe. Die roten Beerenfrüchte brauchen verhältnismüßig wenig Nährstoffe, sind aber empfindlich und verderben schnell. Solange es für Erdbeeren draußen noch zu kühl ist, gedeihen sie meist unter Folien. Dort wachsen sie besonders schnell - aber auch Schimmelpilze und Bakterien fühlen sich wohl. Entsprechend oft müssen Pflanzenschutzmittel herhalten, vor allem Pilzvernichtungsmittel werden häufig gespritzt.
Besonders negativ fällt die Umwelt-Bilanz aus, wenn die Erdbeeren mit dem Flugzeug eingeflogen werden müssen. Beispiel: Südafrika. Der Flug-Transport eines Kilos Erdbeeren nach München verursacht den Ausstoß von rund zwölf Kilo Kohlendioxid. Der Lkw aus Italien dagegen kommt auf 220 Gramm, der Lkw aus Oberbayern auf 60 Gramm. Ihr hoher Gehalt an Vitamin C (höher als bei Orangen oder Äpfeln) und Mineralstoffen machen Erdbeeren zu gesunden Früchtchen - zumindest, wenn sie Zeit haben, voll auszureifen und sie nicht voller Pestizid-Rückstände stecken.
stern.de präsentiert diese Woche alle Bereiche unserer Nahrung im Hinblick auf ihre Klimabilanz
Teil 1 - Fleischgenuss ohne CO2-Reue