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20. Mai 2005, 14:31 Uhr

Schwarze Liste mit weißen Flecken

Inzwischen werden Zigaretten bis zu 600 Zusatzstoffe beigemischt. Sie können bis zu 10 Prozent des Gewichtes einer Zigarette ausmachen© Oliver Lang/DDP

Die Angaben ähneln sich und meist werden nur fünf bis zehn Stoffe gelistet, zumal auf den ersten Blick überwiegend harmlos und vertraut klingende Stoffe. Der Verbraucher wird sich sehr wahrscheinlich nicht viel dabei denken, wenn er erfährt, dass sich in seiner Zigarette auch noch Kakao und Zucker befinden. Die nötigen Hintergrundinformationen, was mit diesen Stoffen in einer Zigarette passiert, fehlen leider.

Die geringe Zahl an genannten Zusatzstoffen macht einen stutzig angesichts der Vielzahl an Stoffen, die in dem Bericht des DKFZ aufgelistet werden. Zudem drängt sich der Verdacht auf, dass ganz bewusst von den Herstellern nur überwiegend harmlos klingende Substanzen genannt wurden. Alles in allem ist daher davon auszugehen, dass die Liste unvollständig ist.

Doch am allermeisten erstaunt, dass kein einziger Hersteller Ammoniak, Harnstoff oder Soda unter den Zusatzstoffen aufführt. Diese Substanzen werden nach Auskunft des DKFZ jedoch seit Jahren von allen Tabakkonzernen genutzt, um Nikotin noch stärker im Körper wirken zu lassen. Um die Gefährlichkeit einer Zigarette beurteilen zu können, sind daher - neben Nikotin-, Teer- und Kohlenmonoxid-Werten - auch Angaben über die Menge an verwendeten Ammonium-Verbindungen nötig.

Will Renate Künast wirklich Transparenz schaffen, muss hier nachgehakt werden. Zum einen muss weiterhin Druck gemacht werden, wirklich alle Zusatzstoffe zu nennen - was schwierig werden dürfte, da sich die Hersteller auf ihr Betriebsgeheimnis berufen werden. Und es muss dem Verbraucherministerium gelingen, eine für den Verbraucher verständliche Gewichtung zu schaffen, welche Stoffe das meiste Gefahrenpotenzial bergen und worauf sie zu achten haben.

Es wird noch ein weiter Weg bis zu einem EU-weiten Verbot an krebserregenden Zusatzstoffen, das Renate Künast anstrebt. Auskunft eines Sprechers des Verbraucherministeriums war allein schon die Erstellung dieser umfangreichen Liste eine Sisyphos-Arbeit. Der nächste Schritt soll nun sein, die Listen zu überprüfen und von Toxikologen eine Prioritätenliste erstellen zu lassen.

Jens Lubbadeh
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