Verstärkter Kampf gegen die Lungenkrankheit SARS

7. April 2003, 14:29 Uhr

Immer mehr Todesfälle treiben die internationale Wissenschaft an, die Krankheit zu erforschen und in den Griff zu bekommen.

Schutz vor der tödlichen Lungenkrankheit SARS soll der Mundschutz bieten©

Die gefährliche Lungenentzündung SARS fordert in China und Südostasien immer mehr Opfer. Wissenschaftler in vielen Länder forcieren ihren Kampf gegen das Schwere Akute Atemwegsyndrom. Die Zahl der Toten in China stieg nach Angaben des Gesundheitsministeriums auf 51. So starb ein finnischer Mitarbeiter der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) am Sonntag in Peking an SARS. Zwei Menschen erlagen der Krankheit am gleichen Tag in Hongkong. Malaysia meldete den ersten SARS-Toten. Weltweit hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zum Samstagabend 89 Tote und 2416 Infizierte registriert.

In China täglich zirka zehn neue Infizierte

Der Vizedirektor des Gesundheitsamtes von Peking, Guo Jiyong, betonte am Sonntag, der 53-jährige Finne habe die Krankheit "importiert". Er habe in Genf gearbeitet und sei nach einem fünftägigen Besuch in Bangkok am 23. März in Peking eingetroffen, um dort eine Konferenz vorzubereiten. In China gibt es derzeit offiziellen Angaben zufolge 1247 SARS-Infizierte. Täglich kämen im Schnitt etwa 10 hinzu, berichtete das Gesundheitsministerium. Unter den jetzt 19 offiziell registrierten Erkrankten in Peking, von denen 4 gestorben sind, sei noch ein weiterer Ausländer, ein Kanadier.

China könne SARS unter Kontrolle halten

Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao hat am Sonntag beteuert, dass sein Land die Ausbreitung der gefährlichen Lungenkrankheit SARS unter Kontrolle halten könne, berichtete der China News Service. Der neue Regierungschef drängte alle Ebenen der Regierung, sämtliche Maßnahmen zur Eindämmung des Schweren Akuten Atemwegsyndroms zu ergreifen. Die SARS-Krise ist die erste große Herausforderung der neuen Regierung Chinas, die im März eingesetzt worden war.

In Peking mehr Tote als offiziell bekannt gegeben

Nach Informationen des stern sind in Peking weit mehr Menschen an SARS gestorben als offiziell eingeräumt wird. Nach Auskunft von Ärzten und Krankenschwestern, seien allein im Militärhospital Nr. 302 zehn Menschen dem Atemwegsyndrom erlegen. Dort gebe es mehr als 40 SARS-Fälle. Im Xiehe-Krankenhaus im Stadtzentrum sollen mindestens drei Menschen an SARS gestorben sein. Ferner sind ein Pekinger Arzt und eine Krankenschwester gestorben.

Bessere Kooperation mit chinesischen Behörden

Die Kooperation mit den chinesischen Behörden sei inzwischen viel besser, sagte Chris Powell von der WHO. Er ist Sprecher des WHO-Teams, das in Südchina den Ursachen für das Atemwegsyndrom nachgeht. Auf der Suche nach den Ursprüngen der rätselhaften Krankheit hat die WHO «noch einen langen Weg» vor sich, betonte Powell. Die Fortschritte bei der Suche nach dem Ursprung von SARS seien sehr gut. "Aber ich denke, niemand kann erwarten, dass unser Team den ersten Patienten und die Ursache der Krankheit finden wird."

Patienten sind in unterschiedlichem Ausmaß ansteckend

Der zum WHO-Team gehörende Frankfurter Virologe Wolfgang Preiser sagte, die Gruppe untersuche, warum einige Patienten mit SARS hoch ansteckend seien und andere nicht. Preiser hielt es für "gut möglich", dass eine Kombination von Faktoren für Ausbruch und Verlauf der neuartigen Krankheit verantwortlich ist. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf das neue Virus der Familie der Coronaviren und als weitere Faktoren auf Chlamydien genannte Mikroorganismen und Paramyxoviren. In den bisherigen Untersuchungen sei nichts gefunden worden, "was gegen die ursächliche Rolle des Coronavirus spricht", sagte der Virologe. Doch seien die Wissenschaftler "weit von einer Bestätigung entfernt".

Suche nach Impfstoff in den USA

In den USA teilte das Nationale Gesundheitsinstitut mit, es habe die Suche nach einem Impfstoff gegen SARS aufgenommen. US-Präsident George W. Bush unterzeichnete unterdessen einen Erlass, wonach die Behörden künftig Quarantäne über Personen verhängen dürfen, die sich möglicherweise mit SARS infiziert haben.

Deutschem Patienten geht es gut

Dem ersten deutschen Infizierten geht es inzwischen gut. "Alles ist ok", sagte einer der Ärzte der Lungenfachklinik im sauerländischen Hemer (Nordrhein-Westfalen) am Samstag, wo der 72-Jährige seit zwei Wochen behandelt wird. Der Mann werde noch einige Tage im Krankenhaus bleiben. EU-Gesundheitskommissar David Byrne will nach einem Bericht des Magazins "Focus" die europäische Seuchenbekämpfung besser organisieren. Das Aufkommen von SARS bestätige sein Vorhaben, im Mai dieses Jahres der EU-Kommission vorzuschlagen, ein Zentrum zur Krankheitsvorbeugung und -kontrolle aufzubauen.

Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen in Singapur

Im Kampf gegen die Lungenkrankheit SARS verschärft Singapur seine Schutzmaßnahmen weiter. Allen ankommenden Flugpassagieren aus Gebieten mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) soll künftig die Temperatur gemessen werden, wie die Singapurer Zeitung "Straits Times" am Montag meldete. Menschen mit Fieber könnten Träger der Lungenkrankheit sein. Die Temperatur sei ein guter Indikator, wird Regierungschef Goh Chok Tong zitiert.

In dem tropischen Stadtstaat sind derzeit 106 SARS-Fälle bekannt. Sechs Patienten starben bislang an der mysteriösen Lungenerkrankung. Etwa 1000 Menschen wurden vorsorglich zu Hause unter Quarantäne gestellt, nachdem sie mit Trägern der Krankheit Kontakt hatten.

Neun Todesopfer in Kanada

In Kanada ist eine neunte Person an der gefährlichen Lungenkrankheit SARS gestorben. Die Gesundheitsbehörden teilten auf einer Pressekonferenz am Sonntag mit, der Patient sei bereits am 1. April in einem Krankenhaus in Toronto verstorben, aber man sei zunächst von einer anderen Todesursache ausgegangen. Als ein Verwandter des Toten Symptome des Schweren Akuten Atemwegsyndroms gezeigt habe, sei der Fall erneut untersucht worden.

In Kanada sind bislang die meisten SARS-Erkrankungen außerhalb Asiens aufgetreten: Es haben sich vermutlich mehr als 200 Menschen angesteckt, überwiegend im Großraum von Toronto. Die Krankheit wurde wahrscheinlich von einer Kanadierin eingeschleppt, die im vergangenen Monat von einer Reise aus Hongkong zurückkehrte.