Bleibende Hirnschäden können die Folge von Kindesmisshandlung sein. Die linke Gehirnhälfte entwickelt sich nicht in dem gleichen Maße weiter wie die rechte Seite.

95 Prozent der Fälle von schweren Misshandlungen sind Wiederholungstaten
Schwere Misshandlungen und sexueller Missbrauch im frühen Kindesalter können bleibende Hirnschäden verursachen. Sie verändern vor allem die Entwicklung des so genannten limbischen Systems, wie der amerikanische Psychiater Martin Teicher in »Spektrum der Wissenschaft« berichtet. In Kernspintomographien konnte der Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen frühen Misshandlungen und einer Verkleinerung der beiden limbischen Hirnregionen Hippocampus und Amygdala im Erwachsenenalter nachweisen.
Der Hippocampus ist den Angaben zufolge wichtig für die Bildung und Wiedergewinnung von Gedächtnisinhalten. Daher schneiden laut Teicher Erwachsene, die als Kinder misshandelt wurden, bei Gedächtnistests meist schlechter ab als Kontrollpersonen ohne solche Erfahrungen. Die Amygdala habe die Aufgabe, den emotionalen Gehalt einer Erinnerung zu erzeugen - beispielsweise Gefühle, die mit Furcht und aggressiven Reaktionen zusammenhingen.
Die Forscher um Teicher verglichen unter anderem 15 gesunde Freiwillige mit 15 Patienten aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie, die nachweislich schwer misshandelt oder sexuelle missbraucht worden waren. Bei diesen hatte sich die rechte Gehirnhälfte, die vor allem räumliche Informationen verarbeitet und sich besonders mit negativen Gefühlen befasst, den Angaben zufolge genau so entwickelt wie bei den Kontrollpersonen. Doch die linke Hälfte, die darauf spezialisiert ist, Sprache wahrzunehmen und auszudrücken, hinkte deutlich hinterher.