18. Dezember 2002, 15:01 Uhr

Lärm doch nicht schädlich fürs Ohr?

Entgegen der landläufigen Meinung, kann ein andauernd hoher Geräuschpegel nach Ansicht des Gießener Gehörforschers Prof. Gerald Fleischer gut für die Ohren sein.

Besuch von Rockkonzerten doch nicht so schädlich, wie angenommen?©

Ein andauernd hoher Geräuschpegel kann nach Ansicht des Gießener Gehörforschers Prof. Gerald Fleischer gut für die Ohren sein. Lärm sei auch dann nicht schädlich, wenn er sehr laut sei - wie beispielsweise in einer Disco, er schule das Gehör vielmehr. Schädlich hingegen seien plötzliche Knallgeräusche, berichtete Fleischer. Wie jedes andere Organ so müsse auch das Gehör trainiert werden. Mit dieser These stößt er in Deutschland bei anderen Wissenschaftlern jedoch auf heftige Kritik und Unverständnis.

«Dass man durch Anpassung des Ohres Hörschäden verhindern kann, ist wissenschaftlich nicht abgesichert und völlig spekulativ», sagte Prof. Manfred Hülse vom Uniklinikum der Universität Heidelberg in Mannheim auf Anfrage. «Jedes Organ bricht irgendwann einmal zusammen, wenn es ständig überfordert wird.» Der Direktor der Klinik, Prof. Karl Hörmann, ergänzt: «Lärm über eine gewisse Dauer und Intensität führt ganz sicher zu einem Hörschaden. Es hängt allerdings vom einzelnen Menschen ab, wann er eintritt.»

Fleischer leitet die Arbeitsgruppe Hörforschung am Klinikum der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Seine Erkenntnisse basieren auf Studien in China, bei denen sein Team 2001 zwei Monate durch China reiste und die Hörfähigkeit von 1150 Menschen erfasste. Das Ergebnis: Menschen in völlig stillen Gegenden hörten schlechter als in Ballungsräumen. Die wissenschaftliche Ergebnisse sollen erst im kommenden Jahr veröffentlich werden. Am Dienstag präsentierte jedoch ausgerechnet der Hörgerätehersteller-Verband Pro Akustik eine laienverständliche Zusammenfassung der Studie unter dem Titel «Das intelligente Ohr».

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