Laleh und Ladan sind tot

10. Juli 2003, 14:01 Uhr

Die ganze Welt war von ihrem Schicksal in den Bann geschlagen: Die siamesischen Zwillinge Ladan und Laleh Bijani wünschten sich eine Trennung so sehr, dass sie die große Gefahr in Kauf nahmen. Kurz nacheinander starben beide an den Folgen der gefährlichen Trennungs-Operation.

Die Zwillinge zu Beginn der Operation©

Tödliches Ende der "Operation Hoffnung": Rund 50 Stunden nach Beginn der weltweit ersten Trennung erwachsener Siamesischer Zwillinge am Kopf sind die Schwestern Ladan und Laleh Bijani am Dienstag kurz nacheinander in Singapur an den Folgen des Eingriffs gestorben. Die 29-jährigen Frauen aus dem Iran hatten nach Angaben der Raffles-Klinik zu viel Blut verloren, als sich die Trennung ihrer Gehirne dem Ende näherte. Im Krankenhaus kam es nach der Todesmeldung zu dramatischen Szenen: Freunde der Zwillinge brachen in Tränen aus. Die Klinikleitung zeigte sich tief betroffen. Auch im Iran weinten die Menschen, als sie die traurige Nachricht erfuhren.

Am frühen Nachmittag brach der Kreislauf der ersten Schwester zusammen

Noch am Dienstagvormittag (Ortszeit) war Hoffnung auf einen erfolgreichen Ausgang der Operation aufgekeimt, nachdem die Klinik von der erfolgreichen Trennung der eng miteinander verwachsenen Gehirne der Schwestern berichtet hatte. Am frühen Nachmittag versagte dann bei Ladan der Kreislauf, woraufhin sie gegen 14.30 Uhr (Ortszeit) starb. Laleh habe sich zu diesem Zeitpunkt noch in kritischem Zustand befunden, hieß es von dem Privatkrankenhaus. Etwa eine Stunde später brach auch ihre Blutzirkulation zusammen. Gegen 16.00 Uhr gaben die Mediziner schließlich ihre Rettungsversuche auf.

Ernste Probleme hatte es nach Angaben des Vorsitzenden der Raffles-Klinik, Loo Choon Yong, bereits am Montag gegeben, als ein in den Köpfen eingepflanzter Bypass verstopfte. Daraufhin sei den Angehörigen angeboten worden, die Operation abzubrechen. "Wir haben sie gefragt, was der Wunsch von Ladan und Laleh wäre. Da wurde uns gesagt, ihr Wunsch sei es, unter allen Umständen fortzufahren."

"Wir sind sehr traurig"

Aber auch wenn man den Eingriff gestoppt und die Schwestern auf die Intensivstation gebracht hätte, wäre die Gefahr von Infektionen groß gewesen, sagte Loo. "Wir wussten, dass das Risiko groß sein würde. Wir wollten helfen, die Wünsche der Zwillinge zu erfüllen." Der Leiter der Operation, der Singapurer Neurochirurg Keith Goh, sagte: "Wir sind sehr traurig." Immer würden sich die Ärzte an sie erinnern. "Wenigstens konnten wir bei ihrem Traum helfen, getrennt zu werden."

Der iranische Botschafter Shaban Shahidi-Moaddab zeigte sich ebenfalls tief bewegt von dem Tod der Schwestern. Ladan und Laleh seien in seiner Landessprache die Namen von zwei sehr zarten Blumen. "Heute haben diese Blumen aufgehört, zu existieren."

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