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14. Februar 2005, 15:11 Uhr

Bedenklich zu viel Schinkenimitat

Seit rund elf Jahren sinkt der Fleischanteil auf deutschen Pizzen. So wird Schinken etwa immer mehr durch so genannte Schinkenimitate ersetzt: einer Mischung aus viel Gelatine und Wasser und wenig Fleisch.

Am Spinat lässt sich nicht viel manipulieren, am Schinken dagegen schon© Bernd Kammerer/AP

Auf in Deutschland verkaufter Pizza befinden sich oft minderwertige Schinkenimitate. Ein Sprecher des bayerischen Verbraucherschutzministeriums bestätigte am Sonntag einen Bericht des "Spiegels", wonach die Qualität dieser Pizzagrundstoffe seit 1993 stetig und auf ein mittlerweile sehr niedriges Niveau gesunken ist. Nach Angaben des bayerischen Landesamtes für Lebensmittelsicherheit (LGL) werden nicht nur in der Gastronomie schon lange Schinkenimitate mit wenig Fleisch und viel Gelatine und Wasser eingesetzt.

"Gelatineartige Grundmasse"

Betroffen ist laut Ministeriumssprecher Roland Eichhorn allgemein "Kochpökelware" wie Pressschinken für die Weiterverarbeitung im Lebensmittelbereich. Die Imitate bestehen laut LGL aus einer mit kleinen Muskelstücken, Sojaprotein und Molkeneiweiß angereicherten "gelatineartigen Grundmasse", die mit großen Mengen Wasser verlängert wird. Zur optischen Verbesserung als Wasserbinder werden zudem nicht zugelassene Eiweißprodukte, vor allem so genannte Proteinhydrolysate, verwendet.

Diese Stoffe sind zwar nicht gesundheitsschädlich, ihr Einsatz als Wasserbinder verstößt aber gegen das Lebensmittelrecht, wie Eichhorn betonte. Die bayerischen Kontrolleure haben demnach hier einen deutlichen Rückgang der Beanstandungen festgestellt: 2004 waren aus 132 Proben nur 14 beanstandet worden. Allerdings sind hydrolisierte Proteine oft schwer nachzuweisen, weil sie als zulässiger Würzstoff verschleiert werden können.

Fremdwasser, Fremdeiweiß oder Gelatine

Die Gesamtheit der Beanstandungen für Kochpökelware ist zudem unverändert hoch: 2003 waren laut einer auf den Internetseiten der LGL veröffentlichten Statistik mehr als zwei Drittel der Proben betroffen. Beanstandet wurde dabei laut Eichhorn auch Inhaltsstoffe wie Fremdwasser, Fremdeiweiß oder Gelatine, die Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht darstellen.

Bereits in der vergangenen Woche hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitgeteilt, dass in der Bundesrepublik möglicherweise jahrelang Fleisch und Wurst vor allem zur Gewichtserhöhung mit Wasser gestreckt wurden. Das Bonner Bundesamt hatte von einer "Verbrauchertäuschung besonderen Ausmaßes" gesprochen und eine verstärkte Überwachung angekündigt.

Unterdessen warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung vor einer erhöhter Salmonellengefahr in Deutschland. Im Januar habe es gehäuft Erkrankungen durch einen seltenen Salmonellentyp gegeben, der offenbar aus rohem Schweinefleisch stamme, berichtete das Institut in einer in Berlin verbreiteten Mitteilung. Die Behörde empfiehlt, Schweinefleisch nur völlig durcherhitzt zu verzehren.

Samonellenerreger in Hackfleisch nachgewiesen

Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums handelt es sich um den seltenen Salmonellentyp Salmonella Bovismorbificans. Der Erreger sei bundesweit in Hackfleischprodukten mehrerer Hersteller nachgewiesen worden. Die Ware, die das Verfallsdatum 26. Januar 2005 trage, werde nicht weiter vertrieben, könne aber noch in Tiefkühlgeräten von Verbrauchern gelagert sein. Salmonellen können schwere Magen-Darm-Erkrankungen verursachen.

AP
 
 
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