Die Tricks der Lebensmittelindustrie

1. März 2013, 09:00 Uhr

Idyllische Almwirtschaft, Vitaminzusätze, verbesserter Geschmack: Hersteller nutzen die Etiketten für allerlei Verheißungen - die Wahrheit sieht häufig ganz anders aus. Von Esra Özer

Gouda ist der beliebteste Schnittkäse: Mehr als 110.000 Tonnen kauften die Deutschen im Jahr 2011. Doch wie ist es um die Qualität des Käses bestellt? Und sind die Scheiben aus dem Kühlregal genauso gut wie die von der Käsetheke? Stiftung Warentest hat 20 junge, in Scheiben zu kaufende Gouda untersucht. Zu diesem Käse, der vier bis sechs Wochen reift, greifen Verbraucher besonders häufig.

16 Produkte stammten aus dem Kühlregal, zwei von der Käsetheke und zwei weitere aus der Selbstbedienungstheke. Das Fazit der Tester: Geschmacklich ist deutlich zu erkennen, ob der Gouda traditionell im Laib heranreift oder ob er industriell im Block und in Folie eingehüllt hergestellt wird. Aromatisch ist der Rindengouda der anderen Version klar überlegen. Alle fünf untersuchten Produkte - die Thekenware von Galeria Kaufhof, Karstadt Feinkost Perfetto, Kaufland, Rela und Frico aus dem Kühlregal - schnitten mit "sehr gut" ab. Sie sind cremig, aromatisch und leicht pikant-würzig.

Irreführende Werbeversprechen

Rundum überzeugt waren die Tester allerdings nur von Gouda von der Käsetheke: Die Testsieger sind der Beemster Gouda, den es bei Galeria Kaufhof gibt und der Gouda von Karstadt Feinkost Perfetto. Sie überzeugten im Geruch und im Geschmack.

Schadstoffe waren bei den meisten untersuchten Produkten kein Problem. Lediglich der Theken-Gouda von Real war mit einem Weichmacher belastet, der von der Folie auf das Lebensmittel überging. Das sei zwar nicht akut gesundheitsschädlich, sollte aber vermieden werden, kritisiert Warentest.

Zumeist wird Gouda heute allerdings im Block gepresst und reift im Anschluss in einer speziellen Folie heran. Auch diese Produkte können sich sehen lassen, schreiben die Tester. Zwölf dieser Produkte sind gut, drei sind befriedigend. Die Testsieger in dieser Produktgruppe stammen von Rewe/ja und vom Bioanabieter Söbbeke.

Vier der untersuchten Gouda werben mit der Aufschrift "laktosefrei". Sie enthalten weniger als 0,1 Gramm Laktose per 100 Gramm. Allerdings sei das Werbeversprechen irreführend, da nicht bei allen Produkten erkenntlich sei, dass es sich um einen natürlichen Vorgang handelt. Denn: Gouda baut bei der Reifung ohnehin Milchzucker ab, ist somit von Natur aus laktosefrei und für Menschen mit dieser Unverträglichkeit geeignet. Die laktosefreie Marke Minus-L sei daher unnötig teuer, kritisiert Warentest.

Mehr zu dem Test gibt es unter www.warentest.de.

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