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3. Juni 2008, 16:17 Uhr

Zurück ins Reich der Gasriesen

Der Titan Explorer soll den Saturnmond vier Jahre lang umkreisen© Nasa

Auch die europäische Weltraumagentur Esa plant im Rahmen ihres Cosmic-Vision-Programms mit der Laplace-Mission erstmals einen Trip ins Jupiter-System. Hier steht neben den Monden Io, Callisto und Ganymed ebenfalls Europa im Zentrum des Interesses. Es ist daher wahrscheinlich, dass sich Nasa und Esa bis Jahresende auf ein gemeinsames Konzept einigen werden. Die Esa könnte einen Lander für Europa zur Jupiter-Mission beisteuern, ähnlich der europäischen Abstiegssonde Huygens, die 2005 auf dem Saturn-Mond Titan gelandet ist. Japan hat ebenfalls Interesse angemeldet, eine Tochtersonde mitfliegen zu lassen. Vielleicht wird am Ende des Workshops bereits Klarheit über das genaue Design, die Aufgaben und den Zielort einer neuen internationalen Sonde ins Reich des Gasriesen herrschen.

Pfeilförmige Geschosse an Bord

Auch der benachbarte Gasriese, der Ringplanet Saturn, bleibt für die Astronomen interessant. Eine der jüngsten Entdeckungen im Saturn-System betrifft seinen Mond Enceladus. Auf ihm hat die amerikanische Sonde Cassini Geysire nachgewiesen, die Eiskristalle und Wasserdampf fast 500 Kilometer hoch ins All speien. Flüssiges Wasser unter der Oberfläche ist wahrscheinlich, Leben damit möglich. "Es wäre großartig, eine Sonde in einer Umlaufbahn um Enceladus zu haben, um so Temperaturveränderungen bei den Geysiren zu beobachten", so der Wunsch Julie Castillos aus der Abteilung Planetary and Life Detection Sciences beim JPL. "Auch könnten wir so den gesamten Mond beobachten, denn bislang haben wir nur von etwa der Hälfte seiner Oberfläche gute Bilder."

An die Entdeckungen der Nasa-Sonde will Europas Weltraumagentur Esa anknüpfen, die als Nachfolger für das amerikanisch-europäische Cassini-Huygens-Projekt die Mission TANDEM plant, die "Titan AND Enceladus Mission". "Wir wollen zunächst eine Sonde in eine Umlaufbahn um die beiden Saturn-Monde Enceladus und Titan schicken", erläutert Athena Coustenis vom Labor für Weltraumwissenschaften des Observatoriums Paris. Diese Sonde werde Penetratoren an Bord haben - pfeilförmige Geschosse, die auf Enceladus einschlagen. "So wollen wir Informationen über den inneren Aufbau des Mondes erhalten, darüber, was die Geysire verursacht, warum sie nur am Südpol auftreten und ob es dort auch Wassereis gibt." Auf einem zweiten Raumschiff werden Experimente platziert sein, die Nachbarmond Titan vor Ort untersuchen sollen. Es soll einen Ballon aussetzen und mehrere Sonden, die auf der Oberfläche landen.

Ein Ort voller organischer Moleküle

Ebenfalls mit einem Ballon will die Nasa zu diesem zweitgrößten Mond unseres Sonnensystems: Der Titan Explorer soll den Himmelskörper vier Jahre lang umkreisen und dabei sowohl einen Ballon als auch eine Abstiegssonde absetzen, wie Hunter Waite von der Abteilung für Weltraum- und Ingenieurswissenschaften am Southwest Research Institute in Texas erläutert. "Wir wollen Titan nicht nur mit einer hohen Auflösung global kartografieren, sondern auch teilweise fotografieren und mit einem Radar untersuchen. So würden wir Informationen erhalten über den mineralogischen Aufbau des Mondes." So soll der Lander vor Ort die chemische Zusammensetzung des Bodens bestimmen. "Titan ist ein Ort voller organischer Moleküle, die wir untersuchen wollen, indem wir Proben seiner Oberfläche entnehmen", so die Planungen des amerikanischen Astronomen.

Da beide Projekte, Europas Tandem und Amerikas Titan Explorer, technisch anspruchsvoll und mehrere Milliarden Euro teuer wären, haben Esa und Nasa nun eine Arbeitsgruppe gegründet, die einen Vorschlag erarbeiten soll, wie beide Missionen - ähnlich dem Cassini/Huygens-Projekt - zusammengelegt werden können. 2020 könnte die Reise ins Saturn-System beginnen.

Von Guido Meyer
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