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22. September 2005, 16:20 Uhr

Hubble erspäht rätselhaften "Sternenpfannkuchen"

Eine neu entdeckte Sternengruppe in unserer Nachbargalaxie gibt Forschern Rätsel auf: Die Sterne wirbeln so eng um ein Schwarzes Loch, dass sie eigentlich längst zerstört sein müssten.

Zoom

Die Andromeda-Galaxie besteht aus einem Ring alter, roter Sterne, in dem eine Scheibe junger blauer Sterne um ein Schwarzes Loch kreist© DPA

Das Weltraumteleskop "Hubble" hat in der benachbarten Andromeda-Galaxie eine Art Pfannkuchen aus jungen, blauen Sternen erspäht, den es eigentlich nicht geben sollte. Denn die Sternenscheibe wirbelt eng um ein massereiches Schwarzes Loch im Zentrum unserer Nachbargalaxie, dessen Schwerkraft sämtliche Materie in der Umgebung auseinander reißen sollte.

Die Kolonie junger, heißer Sterne erkläre zwar den rätselhaften blauen Schimmer im Galaxiekern, über den sich Forscher schon lange wundern. Sie sei aber selbst nicht weniger rätselhaft, berichtet ein Astronomenteam um Ralf Bender vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik im Fachblatt "Astrophysical Journal".

Etwa 400 junge Sonnen kreisen in der kleinen Scheibe von nur etwa einem Lichtjahr Durchmesser im atemberaubenden Tempo von 3,6 Millionen Kilometern pro Stunde oder umgerechnet 1000 Kilometern pro Sekunde um das Schwarze Loch. In nur etwa 40 Sekunden könnten sie die gesamte Erde umrunden. "Die Beobachtung dieser Sterne ist, wie einem Magier zuzusehen, der ein Kaninchen aus dem Hut zaubert: Man weiß, dass es da ist, aber nicht, wie es sein kann", sagte Tod Lauer aus dem Astronomenteam.

Wie konnten die Sterne überhaupt entstehen?

Die Daten untermauern auch die Existenz des massereichen Schwarzen Lochs in der Andromeda-Galaxie (M31). Alle anderen Erklärungsversuche für die große Masse-Ansammlung im Kern der Nachbargalaxie würden damit ausgeschlossen, sagen die Forscher. Den Astronomen gelang es sogar, die ungefähre Größe des galaktischen Monsters zu berechnen: Mit 140 Millionen Sonnenmassen ist es etwa dreimal so groß wie bislang angenommen.

"Mit dem Nachweis des schwarzen Lochs im Zentrum der Scheibe blauer Sterne wird deren Entstehung aber schwer verständlich", sagte Bender. Das Gas, aus dem sich Sterne bilden könnten, umrunde das Schwarze Loch so schnell, dass eine Sternentstehung nahezu ausgeschlossen erscheine. "Aber die Sterne sind da."

Zudem scheine die blaue Sternenkolonie keine einmalige Erscheinung zu sein. "Die jungen Sterne sind so kurzlebig, dass es in der zwölf Milliarden Jahre langen Geschichte der Andromeda-Galaxie unwahrscheinlich ist, dass eine solche kurzlebige Scheibe gerade jetzt auftauchen sollte", erläuterte Tod Lauer vom US-Observatorium für optische Astronomie in Arizona. Die Sterne entstanden nach den Hubble-Messungen vor etwa 200 Millionen Jahren. Die Astronomen hoffen nun, aus der Beobachtung auch etwas über andere, weiter entfernte Sternensysteme lernen zu können.

Unsere Nachbargalaxie im Sternbild Andromeda besteht aus weit über 150 Milliarden Sonnen, die drei Millionen Lichtjahre von uns entfernt sind. Die Andromeda-Galaxie mit ihrem Durchmesser von mehr als 100.000 Lichtjahren ist das fernste Objekt, das noch mit bloßem Auge zu sehen ist.

DPA/DDP
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