10. Juni 2010, 12:54 Uhr

Dunkle Materie bloß ein Phantom?

Was hält das Universum zusammen? Bislang vermuteten Astronomen, dass die Dunkle Materie als Sternenkitt dient. Doch eine neue Studie zieht dies nun in Zweifel - und stellt damit auch Newtons Gravitationstheorie und Einsteins Relativitätstheorie zumindest in Teilen in Frage.

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Galaxie Messier 83 - was hält die Sterne zusammen? Die Dunkle Materie möglicherweise doch nicht©

Eine Untersuchung der Universität Bonn weckt Zweifel an der Existenz der sogenannten Dunklen Materie. Wie die Hochschule am Donnerstag mitteilte, hat ein internationales Wissenschaftlerteam Beobachtungsdaten der Milchstraße und des Andromedanebels mit den Vorhersagen der Dunkle-Materie-Theorie verglichen. Dabei seien die Forscher gleich auf fünf schwer erklärbare Widersprüche gestoßen. "Jede einzelne dieser Beobachtungen stellt das Dunkle-Materie-Modell vor Probleme", sagt der Bonner Physiker Pavel Kroupa am Donnerstag. "Zusammengenommen kollidieren sie so stark mit der Theorie, dass diese nicht mehr zu halten scheint. Wir müssen uns auf die Suche nach Alternativen machen."

Astrophysiker suchen seit rund vier Jahrzehnten nach der Dunklen Materie. Der Hintergrund: Galaxien rotieren so schnell, dass die Sterne in ihnen eigentlich aufgrund der Fliehkraft auseinandergetrieben werden müssten. Eine unsichtbare Substanz scheint dies mit ihrer Masseanziehung zu verhindern. Doch die Suche der Wissenschaftler nach dem mysteriösen "Sternenkitt" war bislang vergeblich.

Nachbesserungen bei Einstein und Newton?

Die Bonner Studie stärkt nun den Verdacht, dass die Wissenschaft möglicherweise einem Phantom hinterher jagt. "Wir haben untersucht, wie sich die Vorhersagen der Dunkle-Materie-Theorie mit tatsächlichen Beobachtungsdaten decken", erklärte Kroupa. Zusammen mit Kollegen aus Österreich, Italien, Frankreich und Australien nahm Kroupa dafür die Galaxien vor unserer Haustür unter die Lupe. Doch weder die gemessene Helligkeit noch die Verteilung der rund 60 Zwerggalaxien in der "Lokalen Gruppe" stimmten nach Angaben der Wissenschaftler mit den Vorhersagen des Dunkle-Materie-Modells überein. Das Team fand bei seiner Untersuchung außerdem noch drei weitere Punkte, in denen die tatsächlichen Gegebenheiten der Theorie zuwiderlaufen.

Eine Abkehr von der Theorie der Dunklen Materie hätte nach Angaben der Forscher möglicherweise weitreichende Folgen: Eventuell müssten sowohl Newtons Gravitationstheorie als auch Einsteins allgemeine Relativitätstheorie modifiziert werden, erklärten sie. Eine Alternative zur Dunklen Materie sei etwa die Annahme, dass bei galaktischen Dimensionen ein wenig größere Gravitationskräfte wirkten, als durch Newtons Gravitationsgesetz vorhergesagt werde. "In diesem Fall würden die fünf Probleme entweder direkt verschwinden oder sich relativ einfach lösen lassen", betonte Kroupa.

Die Ergebnisse der Untersuchung werden in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift "Astronomy and Astrophysics" veröffentlicht.

APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
MeisterZee (12.06.2010, 18:55 Uhr)
Vieleicht Alles ganz anders...
Ich erinnere mich daran, das irgendjemand gesagt hat, wenn es möglich wäre, das die Welt simuliert wird, von wem auch immer, dann ist dies schon längst passiert. Viel Mühe hat man sich da gegeben, auch die Heisenbergsche Unschärferelation als Tribut an die begrenzten Resourcen des Simulators ist da. Nur wenn es auf Distanzen geht, scheint man etwas geschlampt zu haben.

Unwahrscheinlich? Spinnereien?
Hans-aus-Brasil (11.06.2010, 17:14 Uhr)
@H.P.
Am Ende wird immer die Frage stehen "was war vor dem Urknall" Und die Wissenschaft kann hier keine Antwort geben. Und wenn dann läuft es immer wieder darauf hinaus daß das Universum wieder in sich zusammenfällt, neuer Urknall usw, usw..... Das Universum ein Loop.
Administrator (11.06.2010, 15:23 Uhr)
Liebe User,
bitte bleiben sie sachlich.

Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
H.P. (11.06.2010, 08:19 Uhr)
Mikrokosmos im Makrokosmos
Wenn wir uns selbst bewusst werden, erkennen wir das wir alles selbst sind, Gott und die Welt, ein Mikrokosmos im Makrokosmos, alles ist so klein wie es groß ist!!
Was ich hier schreibe ist meine eigene Erfahrung und die Erfahrung vieler spiritueller Menschen, ob man uns glaubt oder nicht, es ist die Wahrheit. Die Wissenschaft sollte es nicht verwerfen. Es könnte uns heute helfen uns selbst und die Welt besser zu verstehen.
Seit dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren dehnt sich das Universum aus.
Auch wenn viele Fragen noch ungeklärt sind, haben die Kosmologen doch inzwischen eine recht genaue Vorstellung davon, wie es sich entwickelt hat von den ersten Sekundenbruchteilen nach dem Urknall bis heute. Mit Albert Einsteins berühmter allgemeiner Relativitätstheorie, die den Zusammenhang von Raum, Zeit und Materie beschreibt, können sie diese Ausdehnung zurückrechnen - als würden sie einen Film rückwärts abspielen.
Doch am Ende dieser Rechnung steht ein für Wissenschaftler sehr unerfreulicher Punkt: die so genannte Singularität.

An dieser Stelle bricht die bekannte Physik zusammen, denn das ganze Universum ist hier in einem Punkt vereint - Raum und Zeit existieren nicht. Der bekannte Physiker Stephan Hawking und der Mathematiker Roger Penrose bewiesen, dass eine solche Singularität im Rahmen von Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie unvermeidlich ist.

Ist die sogenannte Singularität ein >>Licht<<, eine imaginäre >>Sonne<< um die sich alles dreht und bewegt?

Wenn das Universum quantenmechanisch klein ist und in einer Nussschale Platz hätte, könnte es auch in uns selbst sein: Der Mensch ein Mikrokosmos, ein Universum im kleinsten!

Dies war meine eigene Selbsterfahrung und die Erfahrung vieler Mystiker!
Hans-aus-Brasil (10.06.2010, 22:57 Uhr)
Wesemann
Natürlich ist Forschung was Wunderebares.
Nur ich denke wir wollen manchmal was erforschen was noch gar nicht in unseren Intelegenzbereich liegt. Die Formeln und Theorien die Teilweise erstelt werden versteht doch nur der, der sie "erfunden" hat, und beweisen kann das ganze dann keiner. Wir sind zwar keine Primaten mehr aber positiv hat sich das nicht ausgewirkt auf unseren Planeten. Mich regt das nicht auf, nur ich schwimme halt gerne gegen den Strom und bejuble eben nicht jeden Artikel über "dunkle Materie, Antimaterie usw" Deswegen komentiere ich. Und wenn ich denke die Sache ist es wert positiv komentiert zu werden tu ich das auch.
Wesemann (10.06.2010, 20:24 Uhr)
@ Hans-aus-Brasil
"alles ohne Grundlage und Beweise" - stimmt so nicht. Viele Vorhersagen der allgemeinen Relativitätstheorie haben sich im Versuch bestätigt.
Ich würde gerne wissen, was Sie so aufregt. Dass wir "unseren Planeten zerstören" ist ein unangebrachtes Totschlagargument. Früher hieß es, diese Forschung verstößt gegen die Lehren der Kirche und ist Ketzerei.
Es ist nun einmal so, Menschen wollen forschen. Ansonsten, und das ist kein Witz, wären wir immer noch Primaten
Hans-aus-Brasil (10.06.2010, 17:34 Uhr)
Lachhaft
Wir wissen noch nicht mal was alles in der Tiefsee unseres Planeten existiert und wollen das Universum erklären. Alles nur Vermutungen und Theorien wie es auch bezeichnet wird von den Wissenschaftlern. Wir zerstören momentan unseren Planeten und Wissenschaftler spekulieren darüber was in einen Sternenhaufen Millionen von Lichtjahren entfernt passiert. Darum heißt es ja auch theoretische Physik. Alles ohne Grundlage und Beweise. Bin ja mal jetzt gespannt auf die Kommentare der "möchtegern Astrophysiker"
sportartmakler (10.06.2010, 16:27 Uhr)
@endbenutzer - als sci-fi-fan hege ich
dieselbe hoffnung wie sie.

allerdings wird ein zusammentreffen mit intelligentem leben dadurch nicht wahrscheinlicher. die entsprechenden zivilisationen auf palnet XY könnten vor millionen von jahren bereits untergangen sein bzw. in ferner zukunft erst wieder entstehen. dieser kleine faktor "zeit" läßt mich leider daran zweifeln irgendwann mal "kontakt" zu haben.
endbenutzer (10.06.2010, 16:05 Uhr)
Muss dann eventuell...
...auch die Annahme Einsteins bezüglich der Lichtgeschwindigkeit revidiert werden? Und schon können die Karten neu gemischt werden in Bezug auf interstellare Reisen hochentwickelter Wesen außerhalb unserer Galaxie..
H.P. (10.06.2010, 15:23 Uhr)
Ist die Welt eine Spiegelung unser selbst?
Astronomen wundern sich darüber, dass Galaxien infolge der Fliehkraft durch ihre Rotation nicht zerreißen. Sie postulieren eine Art unsichtbare (»dunkle«) Materie, die die Welt zusammenhält und bis zu 99 Prozent der Materie im Weltall ausmachen soll. Bisher wurde nichts davon gefunden. Kein Wunder ?
http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/article-dunkle-materie-blo-ein-phantom-52010399.html
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