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18. August 2004, 15:33 Uhr

Von den Geheimnissen des Universums

Es hat einen Anfang, aber kein Ende. Seit dem Urknall vor 13,5 Milliarden Jahren dehnt sich das All aus, gebiert dabei immer neue Feuerbälle, birgt rätselhafte Energien. Von Horst Güntheroth

Blick aus der Ferne: Sternenkundler der Antike in einem Stich aus dem 19. Jahrhundert© AKG

Mensch heißt auf Griechisch "Anthropos": derjenige - so die alten Hellenen -, der nach oben schaut. Staunend. Fragend. Zu den Sternen. Sie leuchten vom nächtlichen Firmament und fordern des Zweibeiners neugierigen Geist heraus - seit Anbeginn seiner Existenz.

Wer in dunkler, wolkenloser Nacht das Schauspiel der funkelnden Himmelslichter auf sich wirken lässt, ist ergriffen von der majestätischen Kulisse. Und manch einer schaudert angesichts der eigenen Nichtigkeit. Ahnt, dass er eingebunden ist in etwas Gigantisches, in einen unfassbaren Kosmos, eine geheimnisvolle Ordnung. Für unsere Ahnen war der Himmel die Sphäre vollkommener Harmonie, der Wohnort der Götter.

Dem Wissenschaftler öffnet sich nachts ein Fenster ins All - eine Einladung, Antworten auf die großen Fragen der Menschheit zu finden. Die Astronomie ist die älteste aller Naturwissenschaften. Seit Jahrtausenden wird sie betrieben, war ein Motor für menschliche Kultur und Zivilisation. Doch erst seit wenigen Jahrzehnten gelingt es Forschern, ein umfassendes Bild vom Kosmos zu entwerfen.

Mit immer besseren Teleskopen, mit Hilfe von Satelliten und Sonden sind Astrophysiker inzwischen tief ins All vorgedrungen. Sie haben unser Sonnensystem mit seinen neun Planeten ausgekundschaftet und das Meer aus Raum und Zeit jenseits unserer kosmischen Heimat. Dabei spürten die Wissenschaftler Milliarden und Abermilliarden Sterne auf und erkannten: Es sind allesamt Sonnen, ähnlich der unseren. Glutbälle, in deren Innern Wasserstoff zu Helium verschmilzt und dabei enorme Strahlung freisetzt.

Der Raum zwischen den Sternen ist zum größten Teil leer. Und unvorstellbar riesig. Die Distanzen im All sind so enorm, dass Astronomen sie in Lichtjahren messen. Ein Lichtjahr ist die Entfernung, die ein Lichtstrahl in einem Jahr zurücklegt. Der Abstand zwischen Sonne und Erde beträgt nur einen winzigen Bruchteil davon, hierfür braucht das Licht lediglich acht Minuten. Schon die nächsten Sterne sind mehrere Lichtjahre von unserer Sonne entfernt.

All die Himmelslichter verteilen sich nicht gleichmäßig im Raum, sondern konzentrieren sich zu gewaltigen Galaxien. Eine davon ist unsere Milchstraße - allein sie besteht aus 100 Milliarden Sternen. Die Galaxien wiederum formieren sich zu noch größeren Strukturen, die Astronomen Haufen und Superhaufen nennen (siehe Poster). Dabei sind die Archipele im All in ständiger Dynamik. Sterne sterben, neue werden geboren. Und seit dem Urknall, mit dem - so die Theorie der Astrophysiker - vor 13,5 Milliarden Jahren die Geschichte des Universums begann, fliegt alles auseinander. Immer weiter, bis in alle Ewigkeit.

Angesichts solch gewaltiger Kräfte und Dimensionen erreicht die menschliche Vorstellungskraft ihre Grenzen, auch die der Wissenschaftler. Zugleich gelingt es ihnen, dem Universum ständig Neues zu entlocken. Explosionsartig wächst das Wissen moderner Astrophysik. Und beinahe jede Erkenntnis wirft neue Fra-gen auf. "Je mehr wir vom Kosmos entdecken, desto weniger verstehen wir", sagt der Münchner Astrophysiker Professor Harald Lesch.

Was Wissenschaftler bis heute über das All herausgefunden haben, fesselt die Menschen. Wissbegierig strömen sie zu Vorträgen in Schulen, Volkshochschulen und Universitäten. Schulklassen und Familien pilgern in die Planetarien, um sich die Wunder von Raum und Zeit vor Augen führen zu lassen. Eineinhalb Millionen Besucher zählten die deutschen Sternentheater allein im vergangenen Jahr. Das Geschäft mit den Kosmos-Büchern boomt. Die höchste Auflage erreichte dabei ein Werk des englischen Physikers Stephen Hawking: "Eine kurze Geschichte der Zeit" wurde weltweit von 25 Millionen Menschen gekauft - obwohl die Abhandlung über moderne astrophysikalische Theorien nicht leicht zu verstehen ist. Hierzulande stand das Buch 90 Wochen hintereinander auf der Bestsellerliste.

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