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22. September 2004, 12:18 Uhr

Aufbruch zu den Sternen

Galaktisch: Mehr als 100.000 Menschen waren in der "Langen Nacht der Sterne" am 18. September unterwegs, um mit den fernen Welten am Himmel näher vertraut zu werden.

Kuffner Sternwarte in Wien: der Himmel im Visier historischer Instrumente© Josef Bolleros/Anzenberger

Um Punkt 20.59 Uhr taucht die internationale Raumstation ISS am klaren Darmstädter Abendhimmel auf - wie auf Bestellung - und zieht mit 28.000 Kilometer pro Stunde über das European Space Operations Center (Esoc) hinweg, das Kontrollzentrum der europäischen Weltraumagentur Esa. Sekunden später knackst es in den aufgestellten Lautsprechern, dann meldet sich US-Astronaut Mike Fincke mit "Hello everyone at Esoc" aus dem Orbit. Viele Besucher auf dem Gelände winken dem hellen Punkt am Firmament zu. Zehn Minuten lang berichtet der Mann im All über das Leben an Bord und beantwortet Fragen, dann verschwindet die ISS im Funkschatten.

Zum ersten Mal seit 25 Jahren öffnete das Darmstädter Kontrollzentrum am vergangenen Samstag seine Pforten für die Öffentlichkeit. Mehr als 100 Mitarbeiter aus 15 Ländern hatten die Esa-Veranstaltung vorbereitet - deren 3000 Eintrittskarten innerhalb von zweieinhalb Tagen sämtlich verkauft waren. Am Samstagnachmittag fiel beim Internet-Auktionator Ebay der Hammer für ein Drei-Euro-Ticket bei 25 Euro. Die Besucher erlebten Weltraumforschung live: In den Kontrollräumen der Missionen "Cassini-Huygens", "Rosetta", "Mars Express" und "Envisat" saßen Ingenieure an ihren Bildschirmen und hielten Kontakt zu Sonden, die Mars und Saturn umkreisen beziehungsweise unterwegs sind zu Kometen.

Mehr Andrang als bei einer "SoFi"

Ausverkaufte Häuser - das meldeten viele der rund 170 Planetarien, Sternwarten, Institute und Museen in der "Langen Nacht der Sterne". Die vom stern initiierte und von Mercedes-Benz unterstützte Veranstaltung brachte in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehr als 100.000 Besucher auf die Beine. Manche Planetariumsleiter verzeichneten einen größeren Andrang als zur Sonnenfinsternis oder zur Marsannäherung im vergangenen Jahr.

So staute sich in Berlin am Zeiss-Großplanetarium Prenzlauer Berg eine längere Warteschlange als vor den benachbarten Szeneclubs. Professor Dieter B. Herrmann, der vor kurzem pensionierte Leiter des Planetariums und der Sternwarte, erzählte von der Erfindung der Sternbilder, von den mythischen Welten der australischen Aborigines und der griechischen Antike. Nebenan in der Planetariumskuppel wurde stündlich die Show "Die große Tour durch die Welt der Planeten" gezeigt. Am Sonntagmorgen um zwei Uhr gingen die letzten der etwa 2500 Besucher.

Live-Schaltung nach Chile

In München kamen trotz Oktoberfest mehr als 1200 Wissbegierige zur Schaltzentrale der Europäischen Südsternwarte (Eso) nach Garching. "Hallo, hier ist Paranal" - mit diesen Worten meldete sich Christian Hummel auf einem Großbildschirm. Der Astronom saß am anderen Ende der Welt: im Teleskop-Zentrum Cerro Paranal im Norden Chiles, auf 2635 Meter Höhe in der Atacama-Wüste. Geduldig antwortete er den Besuchern in Deutschland. "Was war vor dem Urknall?" Der Experte schmunzelte: "Also, das wüsste ich auch zu gerne." In Garching tüfteln 250 Astronomen, Ingenieure und Informatiker aus mehr als 30 Nationen an neuen Großteleskopen und Instrumenten, zudem liegt hier die Europazentrale für das Weltraumteleskop Hubble.

Urmel im Licht der Taschenlampe

Schwarze Nacht umgab die Gäste des Augsburger Puppentheater-Museums "Die Kiste". Nur der Strahl einer Taschenlampe erhellte nach und nach die berühmten Marionetten, die in ihren Bühnenbildern stumm an den Fäden hingen. Jim Knopf hatte die Hand zum Gruß erhoben, gegenüber vergnügte sich Urmel auf der Insel Titiwu. Rund 300 junge und erwachsene Besucher erkundeten Samstagnacht die "Kiste" - und manch einer besuchte die Sonderausstellung "Himmel, Hölle, Sternenzauber". Sie widmet sich dem außerirdischen Repertoire aus Theater, Film und Kabarett: vom kleinen Prinzen über Schlupp vom grünen Stern bis hin zu Peterchen, der bekanntlich auf Mondfahrt geht. Zu sehen gab es auch einen echten, mehr als 100 Kilogramm schweren Meteoriten, ein Stück Mondgestein - sowie auf dem historischen Wasserturm einen 2000 Lichtjahre entfernten offenen Sternenhaufen, den Mitarbeiter des Augsburger Planetariums ins Visier eines Spiegelteleskops genommen hatten.

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