Russische Forscher finden Gesteinsfragmente

15. Februar 2013, 16:37 Uhr

Die Suche war erfolgreich: Wissenschaftler sind auf Teile des am Freitag über dem Ural explodierten Meteoriten gestoßen. Es handelt sich tatsächlich um Gesteine aus dem Weltall.

Bilder wie aus einem Film: Eine Lichtkugel geht am frühen Morgen Ortszeit über dem Ural nieder. Sie zieht einen Schweif nach sich, dann erfolgt eine gewaltige Detonation. Scheiben zersplittern, Dächer werden zerstört. Bei dem Einschlag eines Meteoriten in dem Gebiet rund 1500 Kilometer östlich von Moskau werden mehr als 1000 Menschen verletzt, darunter auch viele Kinder.

Das seltene Phänomen lässt nicht nur die Bewohner der Region staunen. Auch der Rest der Welt ist von dem Geschoss überrascht, das auf die Erde raste. Hängt es mit dem Vorbeiflug des Asteroiden am Abend zusammen? Und sind solche Meteoriten-Einschläge nicht vorhersehbar? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Hängt der Einschlag mit dem Vorbeiflug von Asteroid "2012 DA14" zusammen?

Am Freitagbend kommt Asteroid "2012 DA14" der Erde gefährlich nahe. Ab 20.24 Uhr Mitteleuropäischer Zeit wird er am Nachthimmel zu sehen sein, einen Einschlag schließen Experten allerdings aus. Doch nun stiehlt der Meteorit, der in Russland für Verwüstungen sorgte, dem Asteroiden die Schau.

Auch wenn es zeitlich nahe liegt: Weltraumexperten zufolge haben die beiden Ereignisse nichts miteinander zu tun. "Das können wir mit Sicherheit verneinen", sagt Rainer Kresken, Ingenieur bei der europäischen Weltraumagentur Esa, stern.de. "Wir haben zwar relativ wenig Daten, aber die Videos zeigen eindeutig: Der Feuerball hatte eine Flugrichtung, die es ausschließt, dass der Einschlag mit dem vorbeifliegenden Asteroiden zusammenhängt."

Sicher sind sich die Experten auch in einem anderen Punkt: "Um Trümmer eines Satelliten kann es sich nicht gehandelt haben", sagt Kresken. Auch hier spreche die Flugrichtung dagegen. Zudem sei der Meteorit zu schnell gewesen und offenbar auch nicht auseinandergebrochen. "Bei einem Satelliten wäre das passiert", ist der Ingenieur überzeugt.

Was ist der Unterschied zwischen einem Asteroiden und einem Meteoriten?

Meteoriten sind Trümmer aus dem All, die auf der Erde einschlagen. Die Gesteinsstücke können von Kometen, Asteroiden und Planeten abgesprengt werden. Schätzungen zufolge prasseln täglich etwa 50 Tonnen Gesteinsmaterial aus dem All auf die Erde, wobei die meisten dieser Meteoriten klein sind und auf unbewohntes Gebiet oder ins Meer fallen. Wenn die Staub- und Steinteilchen nicht gleich bei ihrem Flug in der Atmosphäre verglühen.

Kam der Einschlag in Russland überraschend?

Ja. "Die Videos deuten darauf hin, dass es sich um ein kleines Objekt handelt, maximal ein paar Meter groß", sagt Esa-Ingenieur Kresken. Mit den Mitteln der heutigen Technik sei das vorher nicht zu entdecken. "Mit viel Glück passiert das, aber in der Regel ist das nicht möglich."

Woher der Meteorit stammt, ist noch unklar. Mit den Videoaufnahmen lasse sich aber in den kommenden Tagen die Flugbahn des Objektes präzise bestimmen, sagt Kresken. "Dann wissen wir mehr." Experten gehen davon aus, dass das Geschoss nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre explodiert ist und so eine gewaltige Druckwelle auslöste.

Dass Gesteinsbrocken aus dem All in dieser Größe herunterfallen, sei nicht unbedingt selten, betont der Weltraum-Experte. Pro Jahr komme das mindestens einmal vor. "Dass es so gut beobachtet wird und so viele Kameras laufen, ist aber Zufall."

Mit welcher Wucht hat der Meteorit eingeschlagen?

Das ist Kresken zufolge noch nicht klar. "Bekannt ist aber, dass solche Objekte immer mindestens mit einer Geschwindigkeit von 11,2 Kilometern pro Sekunde einschlagen, meistens sogar mehr." Das erklärt sich dem Ingenieur zufolge aus der Masse unseres Planeten. "Wenn ein Objekt aus großer Entfernung auf die Erde fällt, hat es eben genau diese Mindestgeschwindigkeit."

Warum ist er nicht in der Erdatmosphäre vollständig verglüht?

Esa-Ingenieur Kresken zufolge deutet das darauf hin, dass es sich um ein sehr kompaktes Objekt gehandelt hat, "wahrscheinlich einen Metallklotz". Der Weltraum-Experte rechnet damit, dass am Einschlagsort noch Trümmer des Meteoriten zu finden sind.

Kann man Meteoriten-Einschläge abwehren?

Weltraumorganisationen wie Esa und Nasa beobachten natürlich den Himmel. Die Esa startet demnächst etwa die Mission "Gaia", die in erster Linie unsere Milchstraße genau vermessen soll. Doch Kresken zufolge ließen sich so auch gefährliche Himmelskörper innerhalb unseres Sonnensystems erkennen. "Es gibt auch die Möglichkeit, solche Objekte abzulenken", sagt der Esa-Ingenieur. "Doch dafür muss man sie viele Jahre zuvor entdecken."

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