Wie ein Deutscher Amerika ins All schoss

1. Oktober 2007, 15:31 Uhr

Ohne ihn wären die Amerikaner wohl nicht so schnell auf dem Mond gelandet: Der deutsche Raketentechniker Wernher von Braun schaffte es knapp vier Monate nach dem "Sputnik-Schock", den Satellit Explorer 1 ins All zu bringen. Damit öffnete er den Amerikanern das Tor zum Weltraum.

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Wernher von Braun im Redstone Arsenal in Alabama mit einem Raketen-Modell©

Beim Wettlauf ins All gingen die USA nur als zweiter Sieger durchs Ziel. Schwere Fehler in der Anfangsphase lähmten die amerikanischen Bemühungen und ließen das US-Weltraumprogramm lange als eine Abfolge peinlicher Pannen erscheinen. Erst mit dem Apollo-Programm und der Mondlandung konnten die Vereinigten Staaten die Vorherrschaft im All zurück gewinnen. Dabei hatte Präsident Dwight D. Eisenhower 1955 selbstbewusst die Führungsrolle der USA beim Griff nach den Sternen reklamiert und den Start eines künstlichen Satelliten bis 1958 angekündigt. Die sowjetische Führung folgte mit einer ähnlichen Erklärung. Doch kaum jemand im Westen glaubte, dass die technologischen Fähigkeiten der UdSSR ausreichen würden, einen Satelliten zu bauen und mit einer Rakete in eine Erdumlaufbahn zu bringen.

Erste US-Raketentests mit deutschen V2-Raketen

Mit der Entwicklung ballistischer Raketen begannen die USA schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg mit Hilfe deutscher Raketentechniker um Wernher von Braun. Er war während des Kriegs technischer Leiter der deutschen Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf der Ostseeinsel Usedom. Dort wurde die erste flugfähige Großrakete gebaut. Der erste Start erfolgte im Oktober 1942. Im Mai 1945 ergab sich von Braun den amerikanischen Truppen und bot den USA sein Fachwissen an. Die ersten Raketentests unternahmen die Amerikaner mit erbeuteten deutschen V2-Raketen, die von Braun entwickelt hatte und die vom NS-Regime gegen Großbritannien eingesetzt worden waren. Beim Aufbau des amerikanischen Raketenprogramms machten sich Heer, Luftwaffe und Marine gegenseitig Konkurrenz.

Die Teilstreitkräfte wetteiferten in den 50er Jahren darum, wer den ersten US-Satelliten in den Weltraum schießen durfte. Die mangelnde Bündelung der Kräfte war im Wettlauf mit der UdSSR allerdings ein großer Nachteil. Nach dem "Sputnik"-Schock wollten die Amerikaner so rasch wie möglich kontern. Sie zogen den Start ihres ersten Satelliten um 90 Tage vor. Präsident Eisenhower kündigte diesen noch für Dezember 1957 an. Der erste Schritt der USA in den Weltraum wurde jedoch ein demütigender Fehlschlag: Die Vanguard-Rakete der Marine mit einem Satelliten an Bord explodierte beim Start in Cape Canaveral (Florida) am 6. Dezember 1957.

"Explorer" entdeckt Strahlengürtel um die Erde

Damit war die Stunde von Brauns gekommen. Der zweite Auftrag für den Start des ersten US-Satelliten ging nun an das von ihm geleitete Raketenzentrum des Heeres in Huntsville im Staat Alabama. Am 31. Januar 1958 war es dann soweit: Mit einer Jupiter-C-Rakete wurde der Satellit Explorer 1 in eine Erdumlaufbahn gebracht - knapp vier Monate nach Sputnik 1. Es wurde auch gleich die erste bedeutende wissenschaftliche Entdeckung im Weltraum gemacht - ein die Erde umgebender Strahlengürtel. Er wurde später nach Professor James van Allen benannt, dessen in den Satelliten eingebauter Detektor das Strahlenfeld entdeckt hat.

Im Jahr dieses ersten Triumphs der USA erfolgte auch eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft des Weltraumprogramms. Am 29. Juli 1958 wurde die zivile Raumfahrtbehörde Nasa gegründet. Sie übernahm nach und nach die zivilen Raumfahrtprogramme von den Streitkräften. 1959 rief die Nasa eine Kommission für bemannte Raumflüge ins Leben, die sich mit dem Flug von Menschen zum Mond befasste und die Realisierbarkeit prüfte. Bei der Verwirklichung dieses Jahrhunderte alten Menschheitstraums spielte von Braun eine zentrale Rolle. Er und sein Team entwickelten die Saturn-Rakete für das Apollo-Mondprogramm, das am 20. Juli 1969 mit der Landung der ersten Menschen auf dem Erdtrabanten gekrönt wurde.

Wolfgang Künzel/AP
 
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