Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat für den 26. Februar eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung angekündigt. Assad unterzeichnete ein entsprechendes Dekret. Gegen die autoritäre Führung Syriens richtet sich seit fast einem Jahr eine Protestbewegung, die blutig unterdrückt wird.

Jede Bewegung zählt: Martin Hascher mäht den Rasen mit Muskelkraft© Edgar Rodtmann, Jens Neumann
Es gibt auch Männer, die in der Lebensmitte Hitzewallungen bekommen. Doch weitaus mehr 40- bis 60-Jährige klagen über Beschwerden, wie sie Martin Hascher plagten. Der Anwalt aus der Nähe von Ulm fühlte sich kraftlos und deprimiert, schlief schlecht, reagierte oft gereizt. Auf Rat eines Freundes ging der 45-Jährige zum Andrologen - eine Berufsbezeichnung, die seit Kurzem für "Männerärzte" vergeben wird. Dieser machte ein Blutbild und ein Hormonscreening - eine Blutuntersuchung, mit der Ärzte feststellen, ob jemand unter krankhafter Unter- oder auch Überproduktion leidet.
Immer mehr Männer entscheiden sich zu diesem Schritt. Frank Sommer von der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf etwa, der erste Professor für Männergesundheit in Deutschland, sieht jährlich rund 2000 Patienten - und rund 80 Prozent kommen, weil sie bei sich Hormonprobleme vermuten. "Meist leiden sie an der gleichen Trias von Beschwerden: Sie sind abgeschlagen, übergewichtig und haben oft Sexualitätsprobleme."
Manche Experten, unter ihnen auch Sommer, sehen dabei eine Verbindung zum Sexualhormon Testosteron, dessen Produktion ab dem 40. Geburtstag um durchschnittlich gut ein Prozent pro Jahr zurückgeht. Zu den Beschwerden, die das möglicherweise auslöst, zählen Muskelabbau, reduzierte Libido und Erektionsschwächen, Depressionen, Antriebslosigkeit und verstärkte Gewichtszunahme.
Inwieweit solche Symptome mit dem Hormonverlust zusammenhängen, ist noch nicht geklärt. Zumal andere Faktoren ähnliche Beschwerden auslösen können. So stecken etwa hinter Erektionsproblemen oft Durchblutungsstörungen, die ein Hinweis auf ein Herzleiden sein können. "Die Männer haben keine Lust auf Arbeit und Sex, und dann kommt ihnen gleich der Verdacht mit den Hormonen", sagt der Münchner Androloge Ulrich Pickl.
Tatsache ist, dass sich viele Männer wohl fühlen, obwohl ihr Testosteronwert sehr niedrig ist. Andererseits weist die große Mehrzahl von Männern, die mit Beschwerden zum Hormonscreening kommen, durchaus gute Werte auf. Auch bei Martin Hascher lag die Konzentration im normalen Bereich. Der Arzt empfahl dem Anwalt, Sport zu treiben und auf seine Ernährung zu achten - Ratschläge, die sich Hascher zu Herzen nahm. Er speckte in einem Jahr fast 30 Kilo ab, begann ein Lauftraining und schraubte die berufliche Belastung zurück. "Lieber gehe ich heute eine Stunde früher aus der Kanzlei, um mit meinem Sohn Mountainbike zu fahren."
Tatsächlich können schon Sport und Abnehmen die Hormonproduktion anregen. Bei Haschers letztem Hormonscreening hatte sich der Testosteronwert nahezu verdoppelt. Noch mehr freut sich der 45- Jährige darüber, dass sein Bluthochdruck verschwunden ist, die Spiegel der Stresshormone deutlich abgesunken sind und er einen Ruhepuls von 55 aufweist. "Ich habe heute mehr Lebensfreude als mit Mitte 30", sagt Hascher. "Ob das nun mit an den Hormonen liegt oder nicht."
Zweifellos macht die richtige Einstellung es leichter, die Hormonwandlungen der Lebensmitte zu bewältigen. "Es hat sich etwa gezeigt, dass Frauen, die Selbstvertrauen und ein positives Körpergefühl haben, die Wechseljahre besser verarbeiten", sagt die Berliner Medizinpsychologin Beate Schultz-Zehden, die mehrere Studien zum Thema durchgeführt hat. "Selbst wenn sie Beschwerden spüren, werden sie besser damit fertig." Hingegen leiden Frauen, die vor den Wechseljahren Angst haben, später oft besonders intensiv. "Auch wer nicht im Beruf steht oder in einer unglücklichen Beziehung lebt, berichtet von mehr Symptomen", hat Schultz-Zehden festgestellt.
Wo eine Frau lebt, spielt offenbar ebenfalls eine Rolle. So klagen mehr als Dreiviertel aller Nordamerikanerinnen über Hitzewallungen, aber nur jede zweite Deutsche, jede zehnte Frau in Hongkong und offenbar keine einzige Maya-Indianerin. Stecken dahinter Sprachunterschiede, oder beeinflusst das gesellschaftliche Umfeld, wie Frauen die Wechseljahre erleben? "Jede zweite Westeuropäerin klagt über psychische Befindlichkeitsstörungen wie Ängstlichkeit und Nervosität, und das hat sicher auch damit zu tun, dass ältere Frauen hier noch immer abgewertet werden", sagt Schultz-Zehden.
Gewiss: Wer jede Nacht zwei Schlafanzüge durchschwitzt und sich chronisch übermüdet ins Büro schleppt, kommt mit einer guten Einstellung oft nicht aus, sondern muss gegebenenfalls die Vorteile und Risiken einer zeitlich begrenzten Hormontherapie abwägen. So wie Sieglinde Schneider, die Tag für Tag repräsentieren muss, in Bluse und Kostüm. "Da ich meinen Alltag nicht in einer lässigen Kittelschürze verbringen kann, sprach ich mit meinem Arzt über mein Schwitzen und traf eine Entscheidung - für die Hormonpille."
Die stärksten Symptome sind meist nach vier bis sechs Jahren ausgestanden. Was bleibt, sind die langfristigen Folgen des Hormonwandels. Mit dem Versiegen der Eierstöcke bricht die Östrogenproduktion der Frauen um rund 90 Prozent ein. Damit verschwindet auch der Schutzeffekt des Hormons auf Adern und Knochen. Selbst wenn sich die Frauen ernähren wie zuvor, verschlechtert sich ihr Cholesterinspiegel, und ihre Blutgefäße verkalken. Erleiden Frauen vor den Wechseljahren deutlich weniger Schlaganfälle und Herzinfarkte als männliche Altersgenossen, ziehen sie nun gleich.
Außerdem werden die Knochen poröser. In den Jahren rund um die Menopause verlieren Frauen gut zehn Prozent ihrer Skelettsubstanz, bevor sie sich allmählich den gemäßigteren Abbauraten gleich alter Männer anpassen. Bundesweite Statistiken zeigen, dass hierzulande nahezu jede vierte Frau zwischen 50 und 64 Jahren an Osteoporose leidet, dazu fast jede zweite 65- bis 75-Jährige und knapp 60 Prozent der über 75-Jährigen. Wie gefährlich dieses Leiden ist, zeigen Studien. Demnach sterben in den USA mehr Frauen an Komplikationen von Osteoporose als an Brustkrebs - also etwa in Folge von Wirbel- oder Schenkelhalsbrüchen.
Doch längst nicht alles wird schlechter. Frauen, die an Migräne leiden, dürfen nach der Menopause mit einem Rückgang der Attacken rechnen. Auch entfällt mit dem Östrogen einer der Risikofaktoren für Brustkrebs. Und mit den Blutungen verschwindet der Zwang zum Verhüten - ebenso wie die Krämpfe und Stimmungstiefs, die manche Frauen zuvor alle vier Wochen geplagt haben.
Vor allem aber: Wer aus seinem "biologischen Bezugsrahmen" entlassen wird - wie es Brigitte Hieronimus nennt -, kann die Welt noch einmal entdecken. Mit einem anderen Job, mit einem anderen Mann. Mit hochhackigen schwarzen Schuhen. Und einem neuen Blick aufs Leben.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 34/2008